Samstag, 25. Juni 2016

Neuregelung des Kulturgutschutzrechts

Am 23.6.2016 wurde das neue Kulturgutschutzgesetz im deutschen Bundestag (vor annähernd leeren Sitzreihen bei Anwesenheit von etwa 30 Abgeordneten) verabschiedet.


(Parlamentsfernsehen)


Die Neuregelung sieht unter anderem vor, dass Importe nach dem 31.12.1992 bzw. dem 26.4.2007 (abhängig davon, ob das Herkunftsland Teil der EU oder Unterzeichner des UNESCO-Übereinkommens über Maßnahmen zum Verbot und zur Verhütung der rechtswidrigen Einfuhr, Ausfuhr und Übereignung von Kulturgut ist) ohne Papiere als unrechtmäßig gelten (§32,1).
Mir scheint es eher unwahrscheinlich, dass mit dieser Fristenregelung das Gesetz irgendetwas gegen die Raubgrabungen bewirkt, die ja eigentlich das Hauptproblem sind.   Die Fristenregelung bietet ein solches Schlupfloch für "rechtwidrig ausgegrabene" Funde, so dass anzunehmen ist, dass auch nach dem neuen Gesetz kaum Raubgrabungsgut an die betreffenden Herkunftsstaaten zurückgeführt werden kann. Die geringe Erfolgsquote des alten Gesetzes war eigentlich der Grund für eine Neuregelung.

Leider fehlt jedoch ein Passus, der sich auf die Herkunft archäologischer Funde aus Raubgrabungen bezieht. Imkmerhin gibt es neue Möglichkeiten der Sicherstellung von Kulturgut im Verdachtsfalle. Situationen, in denen vor Klärung der Sachlage Funde an den Händler zurück gegeben werden müssen, können künftig hoffentlich vermieden werden.

Münzen werden zwar als archäologisches Kulturgut ausgeschlossen, doch erfahren sie im Rahmen der Sorgfaltspflicht eine Sonderbehandlung, so dass nicht en detail geprüft werden muss, ob sie aus Raubgrabungen stammen [was vermutlich zu einem nicht unerheblichen Teil der Fall ist]. Ein wesentlicher Anreiz zu Raubgrabunge bleibt also bestehen.

Nach 5 Jahren ist eine Evaluierung des Gesetzes vorgesehen.  Hier wird man besonders auf die Folgen der Fristenregelung zu achten haben.

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    Freitag, 24. Juni 2016

    Ontario versagt als Kustos seiner Vergangenheit

    Auch in Deutschland steht im Verursacherprinzip meist die Ausgrabung im Vordergrund, der Aufwand für Aufarbeitung und Lagerung wird meist vergessen. Noch schlimmer ist die Lage in Ontario/Kanada, dessen gute archäologische Notgrabungspolitik gelohnt wird. Eine Regelung, was mit den Funden ansschließend geschehen soll, gibt es nicht (abgesehen von einer Aufbewahrungspflicht für die Ausgräber und Bauherren), geschweige denn öffentliche Magazine. Komplexer als in Deutschland wird die Situation noch dadurch, dass präcolumbische Funde die Kultur und Vergangenheit indianischer Stämme repräsentieren.   
    The rich irony is that while Ontario has North America’s most robust archaeological preservation policy, almost no effort is made to interpret, commemorate and study those artifacts because the rules fall silent when it comes to the question of how to manage the material once it comes out of the ground.
    That gap is a shocking abdication of the province’s duty to serve as a responsible steward of our collective past.

    Mittwoch, 22. Juni 2016

    Archäologie im BREXIT - ein weiterer Verlierer

    Doug Rocks-Macqueen beschäftigt sich mit den Konsequenzen eines Brexit für die Archäologie und den archäologischen Arbeitsmarkt in Großbrtannien. 40% der Forschungsmittel der Archäologie im United Kingdom stammen aus EU-Mitteln... 
    Der Artikel wird überschattet von dem Mord an Jo Cox, der ein alarmierendes Signal ist, was die Gewaltbereitschaft und den Hass der neuen rechten Bewegungen angeht. Dougs persönliche Anmerkungen dazu sind nicht weniger lesenswert als das Schicksal der Archäologie im Brexit: entweder schlecht oder so richtig schlecht!

    Mittwoch, 15. Juni 2016

    Archäologen, Historiker, Mathematiker und Agenten



    G. Wurzer/ K. Kowarik/ H. Reschreiter (Hrsg.)
    Agent-based Modeling and Simulation in Archaeology

    Advances in Geographic Information Sciences

    (Cham, Heidelberg: Springer 2015)

    ISBN 978-3-319-00007-7

    139,09€ (e-book 108,09€)


    Mit 269 Seiten ist dieses Buch ein stattliches Buch. Es ist eine willkommene erste Einführung in das recht neue Feld der Modellierung und Simulation in der Archäologie, das sich hoffentlich in den kommenden Jahren richtig etablieren wird. Es hat großes Potential, zu systematischen Analysen historischen Wandels vorzudringen, ist allerdings auch mit einigen methodisch-theoretischen Problemen verbunden (vergl. Historische Modellierung im Konfliktfeld von Natur- und Geisteswissenschaften. Archaeologik 8.1.2016). Der ebenso stattliche Preis des Buches ist hier ein klares Manko und es stellt sich die Frage, warum hier nicht besser kostengünstig online open access publiziert wurde. Die Wahrnehmung und Wirkung der wichtigen Aufsätze wäre gewiss größer.

    Das Feld der archäologischen Simulation ist weit, die Fragestellungen dabei sind sehr unterschiedlich. Der Band deckt mit dem Agent based Modelling nur einen Teil des Spektrums ab - gleichwohl einen sehr zentralen.



    Inhaltsverzeichnis

    I. Introduction
    Mark W. Lake
    Explaining the Past with ABM: On Modelling Philosophy
    S. 3-35

    Alan C. Swedlund, Lisa Sattenspiel, Amy. L. Warren, George J. Gumerman
    Modeling Archaeology: Origins of the Artificial Anasazi Project and Beyond
    S. 37-50

    II. Methods
    Felix Breitenecker, Martin Bicher, Gabriel Wurzer
    Agent-Based Simulation in Archaeology: A Characterization
    S. 53-76

    Niki Popper (et al.)
    Reproducibility
    S. 77-98

    Andreas Koch
    Geosimulation: Modeling Spatial Processes
    S. 99-118

    Xavier Rubio-Campillo
    Large Simulations and Small Societies: High Performance Computing for Archaeological Simulations
    S. 119-137

    Kerstin Kowarik (et al.)
    Mining with Agents: Modelling Prehistoric Mining and Prehistoric Economy
    S. 141-159

    Enrico R. Crema
    Modelling Settlement Rank-Size Fluctuations
    S. 161-181

    Alžběta Danielisová, (et al.)
    Understanding the Iron Age Economy: Sustainability of Agricultural Practices under Stable Population Growth
    S. 183-216

    Joan A. Barceló (et al.)
    Simulating Patagonian Territoriality in Prehistory: Space, Frontiers and Networks Among Hunter-Gatherers
    S. 217-256
    André Costopoulos 
    How Did Sugarscape Become a Whole Society Model?
    S. 259-269





    Die Beiträge von Mark W. Lake (S. 3ff.) und von F. Breitenecker, M. Bicher und G. Wurzer (S. 53ff.) formulieren etwas grundsätzlicher Hintergründe und Prinzipien des ABM.
    Lake gibt auch gleich zu Beginn eine Definition von ABM:
    "Agent-based modelling (ABM) is a method of computer simulation that is particularly well suited to exploring how the aggregate characteristics of some system arise from the behaviour of its parts. The parts in question are modelled as 'agents', that is, units which habe causal efficacy and can reasonably be treated as individuals... Their behaviour is governed by rules which specify how they respond to the content of that environment and possibly also the behaviour of other agents."
    Im weiteren geht Lake auf die Gründe ein, überhaupt Computersimulationen vorzunehmen, auf das Menschenbild und Rationalitätsprinzip, das dem ABM zugrunde liegt - und das dem klassischen archäologischen Geschchtsverständnis grundlegend widerspricht. Ein weiterer Punkt seines Beitrages liegt im Nutzen und Lerneffekten des ABM für die Archäologie.
    Breitenecker u.a. ergänzen diese Einführung um die mehr praktischen, methodischen Aspekte des ABM.

    Zahlreiche Beispiele beleuchten Schwierigkeiten und Methoden des ABM, von denen hier nur einzelne Aspekte herausgegriffen seien.


    Der Beitrag von Alan C. Swedlund, Lisa Sattenspiel, Amy. L. Warren und George J. Gumerman stellt eine Modellierung der Anasazi-Siedlungsgeschichte dar. Sie wurde "bottom-up" angelegt, das heisst, es wurden tatsächlich Menschen als Akteure zugrunde gelegt und auf abstrakte Größen (Sterblichkeit, Fertilität, Bedarf), wie sie sich bei mathematischen Modelllierungen ergeben, so weit als möglich verzichtet.
    Letztlich handelt es sich nicht um eine große Modellierung sondern um viele kleine Testläufe und Experimente mit unterschiedlichen Fragestellungen und Zielsetzungen. Eine erste Modellierung war Artificial Anasazi (AA), gefolgt von der Modellierung mit der Bezeichnung "Artificial Long House Valley (ALHV)". Die ältere AA-Modellierung setzt auf der Skalenebene des Haushalts an. Dabei wurde eine Modelllierungszyklus angenommen, der mehrere Schritte durchläuft, eher er von neuem beginnt:


    Gründung eines Haushalts
    → Suche eines Siedlungsplatzes: Platz verfügbar?
    → Kalkulation des Ertrags in jeder räumlichen Einheit (Zelle)
    → Platzierung der Siedlungsplätze im Raum
    → Überprüfung, ob jeder Haushalt über genügend Getreidevorräte verfügt
    → Prüfe Alter des Haushalts: hier wird ein Maximalalter angenommen
    → Abschätzung des neuen Ernteertrags und Aufstockung der Getreidevorräte
    → Überprüfung, ob der Haushalt über genügend Lebensmittel für das kommende Jahr verfügt
       → ggf.Verlegung der Siedlung
    → innerhalb der fruchtbaren Periode Reproduktion der Siedlung (nach einer Nutzer-bestimmten Wahrscheinlichkeit) → Gründung eines neuen Haushaltes
     →

    Die Kalkulation eines solchen Zyklus setzt einige grundlegende Parameter voraus, die zum einen aus einer lokalen, in Areale (Zellen) unterteilten Karte, zum anderen aus einigen Annahmen zur Verfügbarkeit von Wasser, den Ernteerträgen und potentiellen Siedlungsplätzen besteht. Zudem müssen die Ausgangsbedingungen festgelegt werden (Verteilung der Siedlungsplätze, vorhandene Vorräte etc.). Auf der Basis dieses Modells und dieser Grundannahmen wurde eine Bevölkerungsverteilung simuliert ebenso wie eine Kalkulation der Bevölkerungsentwicklung, die mit den tatsächlich ermittelten Daten abgeglichen wurde.
    Der Beitrag geht nicht auf die Aussagen ein, die zur Siedlungsgeschichte der Anasazi abzuleiten sind. Er führt jedoch vergleichend andere Modellierungsansätze auf, die bis in die 1970er Jahre zurück reichen. Zu nennen sind insbesondere die Modellierungen, die im Village Ecodynamics Project I und II (http://village.anth.wsu.edu/) als eine der bislang komplexesten Modellierungen einer Kulturentwicklung durchgeführt wurden.

    Enrico R. Crema modelliert sehr grundsätzlich Siedlungshierarchien und ihre Veränderungen (S. 161ff.). Dabei sieht er Störungenvon außen als einen wesentlichen Faktor. Als Ergebnis skizziert er vier verschiedene Szenarien.

    Etwas weniger theoretisch stellt sich die Modellierung von Alžběta Danielisová, Kamila Olševičová, Richard Cimler und Tomáš Machálek dar, die sich unter dem Titel "Understanding the Iron Age Economy: Sustainability of Agricultural Practices under Stable Population Growth" konkret mit dem latènezeitlichen Oppidum Staré Hradisko  in Tschechien auseinandersetzen (S. 183-216) .

    Fazit

    Der Band gibt einen Überblick über Methoden und Möglichkeiten archäologscher Modellierungen. Jenseits der technischen Perfektionierung scheint es mir wesentlich, dass ABM vor allem eine Methode darstellt, um möglich Szenarien gesellschaftlicher Wandlungsprozesse und Dynamiken zu testen. Die Herausforderung des Modellierens liegt darin Entwicklungen in den archäologischen Daten zu identifizieren, die potentiellen Agenten zunächst überhaupt zu bestimmen und sich sodann qualifizierte Gedanken über deren mögliche Wechselwirkungen zu machen. Dafür benötigen wir jedoch theoretische Hintergrundkonzepte, etwa aus der Humanökologie oder der Soziologie. Wie so oft besteht das Risiko, das Methode und Technik die theoretischen Grundlagen überholen und so letztlich viel an Qualität und potentieller Überzeugungskraft verlieren.  



    Weitere Rezensionen zum Band



    Samstag, 11. Juni 2016

    Energiewende und Bodendenkmalpflege

    Denkmalpflege und die Erfordernisse der Energiewende geraten derzeit an vielen Stellen in einen Interessenskonflikt. Am heftigsten diskutiert werden dabei Solarpanele auf denkmalgeschützen Gebäuden oder in denkmalgeschützten Ensembles sowie Energiefenster. Bemerkenswerterweise geht es eher um Fragen der Denkmalästhetik als um Eingriffe in die Originalsubstanz und um die "Historische Authentizität" oder gar den historischen Quellenwert.

    Die Auswirkungen für die Bodendenkmalpflege sind aber möglicherweise noch gravierender. Mehrere Tagungen der Denkmalpflege haben sich in jüngerer Zeit des Themas angenommen:
     

    Die denkmalpflegerische Diskussion um die Auswirkungen von Windkraftanlagen wird auffallenderweise stark von der ästhetischen Aspekten dominiert (Nohl 2005). Es geht in erster Linie um "visuelle Integrität", um die "Gefahr für die typischen Postkartenansichten", Umgebungsschutz und den Wirkungsraum von Kulturdenkmälern, aber eben nicht um die Bodeneingriffe, die die Baumaßnahmen mit sich bringen. Die Bodeneingriffe und das Risiko einer Zerstörung von Bodendenkmälern sind in der Diskussion deutlich unterrepräsentiert.

     
    Windräder in Rheinhessen (Foto: R. Schreg)



    Bodeneingriffe bei Windkraftanlagen

    In der Diskussion scheinen die Bodeneingriffe kaum auf, die für die Windkraftanlagen und die Solarfelder sowie die dafür erforderlichen infrastrukturellen Maßnahmen erforderlich sind. Die Standorte der Windräder selbst, die Stromleitungen und die Baustraßen sind Eingriffe in den Boden, die eben auch auf archäologische Befunde Rücksicht nehmen müssen. Schwertransporte führen unter Umständen zu einer Verdichtung des Bodens oder gar zu tiefgreifenden Spurrillen, die archäologische Befunde völlig zerstören können. Betroffen sind dabei meist Standorte abseits der modernen Siedlungen, oft auf "minderwertigem" Land, bisweilen gar in Wäldern - für die oft nur geringe archäologische Vorkenntnisse vorliegen. Ohne gezielte archäologische Prospektionen lässt sich selten vorhersagen, was für Fundstellen betroffen sein werden - gerade ihre Kenntnis aber kann für Fragestellungen (prä)historischen Landesausbaus und (prä)historischer Landnutzung von Bedeutung sein.

    Beispiel Limes

    Ein Bodendenkmal wie der Limes mit seinen Kastellen, ist als UNESCO-Weltkulturerbe sicherlich hinreichend in seinem Kernbestand geschützt. Doch die Düsseldorfer Tagung, die sich speziell dem Limes widmete, sprach die Risiken für archäologische Befunde im direkten Umfeld des Limes kaum an. Inwiefern bedeutet etwa eine Photovoltaikanlage, die unmittelbar an den Limes anschließt, auch einen Verlust historischer Information? Was wissen wir über das unmittelbare Hinterland der Limeslinie? In Grund-Schwanheim (Gde. Echzell, Wetteraukreis) beispielsweise ist eine Photovoltaikanlage geplant, die direkt an den heute unter der Landesstraße L3188 verlaufenden Limes anschließt. In dem Bereich wird eine Turmstelle vermutet und so muss auch davon ausgegangen werden, dass ein Patrouillenweg das Gelände durchzieht. Das dortige Gewerbegebiet war freilich schon lange vor Eintragung des Limes als Weltkulturerbe grundsätzlich genehmigt worden. Als Auflage vor einer Bebauung wird nun eine geophysikalische Prospektion verlangt, die freilich auch nur einen Bruchteil der relevanten Befunde zeigen kann.


    Größere Kartenansicht - geplantes Gewerbegebiet bei Echzell, das nun zur Anlage einer Photovoltaik-Anlage genutzt werden soll. Der Limes verläuft hier unter der Nord-Süd verlaufenden Straße L3188/K183.



    Offshore-Windparks - Leitungsverlegungen im Wattenmeer

    Im Bereich des Wattenmeeres ist man da schon weiter. Dort, wo keine Nachbarn die Ästhetik der Windkraftanalgen monieren, fällt der Blick stärker auf die tatsächlichen Risiken. Von Offshore-Windparks müssen Leitungen zur Küste verlegt werden, von wo aus dann die Stromtrassen als Überlandleitung geführt werden können - die ebenfalls mit Bodeneingriffen verbunden sind. Bei offshore-Standorten außerhalb  der 12-Meilen-Zone greifen die Ländergesetze zum Denkmalschutz nicht mehr. Ein Projekt des Deutschen Sciffahrtsmuseum in Bremerhaven hat deshalb von 2011-14 mit Mitteln des BMBF Schiffswracks in diesem Bereich kartiert..

    Landschaftsschutz

    Die Diskussion um eine Verschandelung der Landschaft erinnert stark an die frühen Ansätze des Naturschutzes, dem es um die romantische Landschaft und ihre Ästhetik ging, der zugleich aber die Umweltzerstörung weitgehend ausgeblendet hat (Uekötter 2016). Die Errungenschaften der jüngeren Umweltbewegung mit einem gewissen bewusstsein für ökologische Zusammenhänge scheint vergessen. Das gilt auch im Hinblick auf die Kulturlandschaft. Auch hier wird um deren optische Beeinträchtigung, nicht aber um die Kulturlandschaft als historischer Quelle diskutiert. Das ist interessanterweise bei einer aktuellen Auseinandersetzung in Engalnd anders. In Peterborough, wo auf öffentlichem Grund Solaranlagen errichtet werden sollen, wo landschaftsarchäologisch bedeutende Relikte der Bronzezeit  vermutet werden, wird deutlich stärker mit der Aussagekraft historischer Kulturlandschaften  argumentiert.

    Fazit: eine Schieflage

    Die Diskussion um die denkmalpflegerische Bedrohung durch Windkraftanlagen scheint daher in einer Schieflage. Während ihre reversiblen negativen Auswirkungen auf das Landschaftsbild laut diskutiert werden, werden die tatsächlichen Risiken kaum thematisiert - jedenfalls in dem, was von den Tagungen in die Öffentlichkeit kommuniziert wird. In der konkreten konservatorischen Arbeit sind die Bodeneingriffe durchaus ein  aktuelles Thema, das auch nicht unerheblich Kräfte kostet. 

    P1000552
    Tagebau Hambach
    (Foto: Bernd Brägelmann [CC BY SA 2.0])
    Wenig ist im Kontext der Diskussion um die Windkraftanlagen auch von den flächendeckenden Schäden durch den Braunkohletagebau zu hören, mit denen sich die Denkmalpflege inzwischen vielfach abgefunden zu haben scheint. Die römische Töpfersiedlung von Weißenthurn/Urmitz wie auch das dort gelegene neolithische Erdwerk wurden vom inzwischen still gelegten Kernkraftwerk Mülheim-Kärlich erheblich geschädigt, wenn nicht zerstört. Überflutungen von archäologischen Fundstellen durch Staudammprojekte sind legion. 
    So gilt für die Denkmalpflege, wie generell für die Diskussion um die Windenergie: Die leicht wahrnehmbare - im übrigen subjektive - Hässlichkeit der Windräder lenkt von den viel gefährlicheren Schäden ab...


    Links



    Literaturhinweise



    • Deutsche Limeskommission 2013
      Deutsche Limeskommission (Hrsg.), Regenerative Energien und Welterbestätten. Workshop der Deutschen Limeskommission am 23. November 2011 in Düsseldorf. Beiträge zum Welterbe Limes : Sonderband 2 (Bad Homburg 2013). - pdf auf den Seiten der Deutschen Limeskommission
    • Nohl 2005
      W. Nohl, Die Umweltverträglichkeit von Windkraftanlagen - nicht nur eine Frage technischer Umweltnormen. In: V. Denzer/J. Hasse/K.-D. Kleefeld u. a. (Hrsg.), Kulturlandschaft. Wahrnehmung - Inventarisation - Regionale Beispiele. Fundber. Hessen, Beih. 4 (Bonn 2005) 63–75.
    • Uekötter 2016
      F. Uekötter, Deutschland in grün. Eine zwiespältige Erfolgsgeschichte (Bonn 2016).