Samstag, 22. Juli 2017

Archäologie auf der Krim

Die ukrainische Staatsanwaltschaft ermittelt gegen russische Archäologen wegen illegaler Grabungen auf der Krim. Sie hat eine Liste mit über 60 Namen publiziert, gegen die sie Anklage erheben und einen internationale Haftbefehle erwirken will. Ukrainische Archäologen fordern von der EAA eine Beendigung der Kooperationen mit den betreffenden russischen Kollegen.
Ukrainischer Protest gegen eine Ausstellung in Moskau, in der Funde gezeigt werden, die nach 2014 auf der Krim gemacht wurden:

Schwierig!

Dienstag, 18. Juli 2017

Raubgrabungsfunde für ein biblisches Disneyland - Der Fall „Hobby Lobby“

Beitrag von Jutta Zerres

Amerikanische Medien berichteten in den letzten Tagen, dass Steve Green, einer der Gründer der amerikanischen Einzelhandelskette „Hobby Lobby“, vom Department of Justice zur Rückgabe von rund 5000 Antiken an den Irak und zur Zahlung einer Strafe von 3 Mio $ verurteilt wurde.
Hobby Lobby-Filiale in Stow/Ohio
(Foto: DangApricot [CC BY-SA 3.0] via Wikimedia Commons)
Es handele sich dabei um Keilschrifttafeln, Tonsiegelabdrücke und Rollsiegel aus Mesopotamien  Der Unternehmer habe die Objekte aus den Vereinigten Arabischen Emiraten und Israel angekauft. Diese seien dann bei der Einfuhr in die USA als „Muster von handgemachten Tontafeln“ zum Preis von 250 $ falsch deklariert worden. Außerdem habe es falsche Herkunftsangaben gegeben, wonach die Stücke aus Israel oder der Türkei stammen sollten. Diese Vorgehensweise lege den Verdacht nahe, dass es sich um Raubgrabungsfunde handele. Gestützt wird diese Annahme durch die Aussage von Kulturgut-Experten. Diese halten den Aufbau einer solch großen Sammlung in so kurzen Zeit – Green hatte die Ankäufe 2010 und 2011 getätigt – alleine mit legal gehandelten Funden nicht für möglich.
Vor Begutachtung der Ware in den vereinigten Arabischen Emiraten hat eine Expertin explizit auf die Rechtslage sowie die Raubgrabungsproblematik hingewiesen und von einem Kauf abgeraten. Die Art und Weise der Lieferung wie der Bezahlung (an mehrere Strohmänner) macht deutlich, dass bewusst gegen Export- und Importbestimmungen verstoßen wurde.

(Foto: Public Domain via Pixaby)
Das Vorgehen der millionenschweren Unternehmers ist aber nicht nur aus der Perspektive des Kulturgüterschutzes äußerst problematisch. Ebenso fragwürdig ist seine Motivation für den Ankauf der Objekte. Der evangelikale Christ, der sich seit Jahren für eine Aufhebung der Trennung von Staat und Kirche in den USA einsetzt, plant den Bau eines Bibel-Museums in Washington DC. Es handele sich um den größten Museumsbau der amerikanischen Hauptstadt, der in bester Lage in der Nähe des Capitols für ca. 800 Mio $ Baukosten entstehen soll. Die Ausstellungskonzeption zielt darauf ab, die Geschichte des Nahen Ostens in der Perspektive von Greens fundamental-christlicher Weltanschauung zu inszenieren und die Historizität der Bibel zu untermauern. Die archäologischen Funde und alle weiteren Objekte sollen als Belege und Illustration dienen. Die Newsweek-Journalistin Nina Burleigh bemerkte sinngemäß in einem Bericht über den Vorgang, dass das Geschichtsbild von Greens Bibel-Museum besser in eine Sonntagschule in Oklahoma City passe als in die Hauptstadt eines weltanschaulich heterogenen Staates wie die USA. Es handele sich um ein archäologisches Disneyland.






Interner Link


Dienstag, 11. Juli 2017

Der „March for Science“ lebt fort! #BlogsforScience

Auf Wissenschaft kommuniziert hat Reiner Korbmann Reaktionen auf den "March for Science" am 22. April 2017 gesammelt. Wissenschaftler demonstrierten für eine Gesellschaft, in der Fakten eine Basis des konstruktiven Dialogs und demokratischer Entscheidungen sind, und höher gewertet werden als irgendwelche Meinungen. "Es geht gegen "alternative Fakten", "Fake News" und gegen Befindlichkeiten als Grundlage gesellschaftlicher Kommunikation. Ein Anliegen, das Wissenschaft und Gesellschaft gleichermaßen betrifft, ein zentrales Anliegen der Wissenschaftskommunikation.

Nach einer ersten Bilanz der Reaktionen auf den March for Science, der weltweit in 600 Städten stattgefunden hat, plädierte Korbmann für eine Institutionalisierung des "March for Science, um dieses Ziel der Wissenschaftskommunikation kontinuierlich weiter zu ervfolgen und das Anliegen auch in die Politik einzubringen.
"Der „March for Science“ war ein einmaliges Ereignis für die Wissenschaftskommunikation. Nie vorher hat sich die Wissenschaft so intensiv Gedanken gemacht über ihr Verhältnis zur modernen Gesellschaft – und dies durch eine gesellschaftspolitische Demonstration zum Ausdruck gebracht." Auf Wissenschaft kommuniziert sind 14 Vorträge dokumentiert, die beim "March for Science" gehalten wurden. Sie beleuchten unterschiedliche Aspekte der Wissenschaftskommunikation und deer Wissenschaft selbst.

In seinem Beitrag zum March for Science in Kiel hob beispielsweise Prof. Konrad Ott, Inhaber des Lehrstuhls für Philosophie und Ethik der Umwelt , Harry Frankfurt folgend, die Eigenheiten des "bullshits" hervor, der hier fast schon den Rang eines Fachbegriffes erhält. Neben der platten Lüge, die der Wahrheit bewusst widerspricht und sie damit aber auch voraussetzt, gibt es noch andere Sprechweisen, die der Wahrheit konträr gegenüber stehen: „Humbug“, leeres Gerede, „Phrasendrescherei“, „Dampfplauderei“, „Schönrednerei“, „phoniness“ und eben auch „bullshit“.

Für "bullshit" ist die Wahrheit gar nicht relevant. Hier werden Behauptungen in die Welt gesetzt, ohne dass Verantwortung für ihre Richtigkeit übernommen wird. Entscheidend ist, dass der "bullshit" Gehör und Anhänger gewinnt, Argumentation ist hier allenfalls vorgeblendet" Dem “bullshiter” ist Wahrheit „egal“, er/sie will nur mit “bullshiting” durchkommen, d.h. irgendwelche Erfolge einstreichen. Frankfurt meint daher, bullshit sei ein größerer Feind der Wahrheit als es Lügen sein können.
Der Münchner Technikhistoriker Helmut Trischler zog 5 Lehren aus der aktuellen Situation:
  1. Wenn mitten in Europa autoritär-populistische Regime ihnen unbequeme Universitäten zu schließen drohen, müssen Wissenschaftler öffentlich ihre Stimme erheben und letztlich auch ganz dezidiert im politischen Raum agieren.
  2. Wir müssen die Deutungskonkurrenz wissenschaftlichen Wissens zu anderen Wissensformen anerkennen.
  3. Wissenschaft muss sich radikal zur Gesellschaft hin öffnen.
  4. Wir brauchen starke Natur- und Ingenieurwissenschaften, aber wir brauchen auch starke Geistes- und Kulturwissenschaften.
  5. Wir müssen den Kosmopolitanismus der Wissenschaft nutzen.


Interne Links



Sonntag, 9. Juli 2017

Eiszeithöhlen der Schwäbischen Alb als UNESCO-Weltkulturerbe anerkannt

Geschoßspitze mit abgeschrägter Basis aus
der Brillenhöhle bei Blaubeuren-Weiler.
Sie wurde 1952 von A. Kley gefunden und
gemeldet. Sie rückte die  Fundstelle
in den Blick der Forschung und gab
Anlaß zu den Grabungen durch G. Riek
1955-1963.
(Slg. A. Kley, Foto: R. Schreg)
Auf der Sitzung des Welterbekommitees der UNESCO in Krakau wurden am 9.7.2017 die paläolithischen Fundstellen im Lone- und Aachtal auf der Schwäbischen Alb zum Weltkulturerbe erklärt.
Ein erster Kommentar:
Noch vor kurzem gab es heftige Auseinandersetzungen um den Bau von Windkraftanlagen im direkten Umfeld des Lonetals.

Interner Link

Freitag, 7. Juli 2017

Landschaftshistorisches Panorama im Archäologischen Museum Renningen

Eine Rekonstruktion der Siedlungslandschaften im Renninger Becken:

https://www.academia.edu/239714/Rainer_Schreg_Das_Renninger_Becken._Werden_und_Wandel_einer_Siedlungskammer_in_%C3%BCber_7000_Jahren_Renningen_2004_Link

Literaturhinweis

  • Rainer Schreg, Das Renninger Becken. Werden und Wandel einer Siedlungskammer in über 7000 Jahren (Renningen 2004).