Dienstag, 21. Oktober 2014

Drei Gründe,

warum man auch im Krieg in Syrien und Irak angesichts vieler Toter den Kulturgütern Aufmerksamkeit schenken muss:
1. Mord und Plünderung hängen eng miteinander zusammen
2. IS finanziert sich über die Plünderung von Kulturgütern
3. Die Zerstörung des Kulturerbes wird nachhaltige Auswirkungen auf den Wiederaufbau in Syrien und Irak haben - und stellt einen Verlust an Wissen für die gesamte Menschheit dar.

Samstag, 11. Oktober 2014

Eingespart. Archäologie in Italien

Eine Analyse der Archäologie in Italien:
Beklagt werden Korruption, mangelnde Regelungen, eine mangelnde Einbindung geophysikalischer Prospektion und rückläufige Studierendenzahlen.
 
Ein Vortrag von Luigi Malnati, Dirigente der Direzione general per le antichità auf der Landscape Archaeology Conference in Rom (LAC 2014) im September ging detailliert auf die mangelnde Qualifikation der Grabungsfirmen ein. Ein Problem liege darin, dass es keine geschützte Berufsbezeichnung gibt.

Neuorganisation der Denkmalpflege
In der Region Lazio wird derzeit eine Neuorganisation der Denkmalpflege diskutiert. Die seit den 1930er Jahren bestehene Soprintendenza archeologica per l’Etruria Meridionale, die die Provinzen im Norden der Region betreut, soll in einer Soprintendenza für die gesamte Region Lazio aufgehen.

Monterozzi-Hügel mit der ausgedehnten
etruskischen Nekropole
südlich des antiken Tarquinia
(Foto R. Schreg, 2014)
Dagegen regt sich Widerstand. Der Nordteil der modernen Region Lazio umfasst den Süden des antiken Etruriens, dessen archäologische Überlieferung insbesondere durch die etruskische Kultur bestimmt wird. Hier liegen berühmte Fundstellen wie Tarquinia, San Giovenale oder Cerveteri.
Archäologen haben eine Petition gestartet, die auf eine Beibehaltung einer eigenständigen Soprintendenza für den ehemals etruskischen Raum abzielt, da sie andernfalls den Verlust etruskologischer Kompetenz befürchten.
Protest kommt aber auch von den Bürgermeistern der Provinz Viterbo.


Das Maiuri-Archiv in Pompeji
In Pompeji wird das Maiuri-Archiv mit dem umfassenden wissenschaftlichen Nachlass des langjährigen Grabungsleiters von Pompei aus Spargründen auf die Straße geworfen:

Donnerstag, 9. Oktober 2014

Angriff auf die Wissenschaft - politische Einmischung in die Förderungen der NSF

Seit längerem tobt in den USA eine Auseinandersetzung um die wissenschaftliche Unabhängigkeit der Förderungsentscheidungen der National Science Foundation.
Der republikanische Kongressabgeordnete Lamar S. Smith (dt. wikipedia) stellt als Vorsitzender des Kongress-Auschuss für Wissenschaft, Weltraum und Technologie  Entscheidungen der NSF in Frage. Er fordert, dass nur noch national bedeutende Projekte - Kulturwissenschaften zählt er offenbar nicht dazu - gefördert werden sollten und dass das Verfahren des peer review zwar unangetastet bleibt, aber unter politischer Aufsicht stehen sollte. Eine Gesetzesnovellierung soll das festschreiben.
Bereits im April 2013 hat sich Präsident Obama dagegen verwehrt, dass Förderungsentscheidungen der NSF politisiert würden, hat aber zugleich zugestimmt, dass es sinnvoll sei, dass die Regierung "sicherstellt, dass wir nur solche Projektanträge fördern, die für öffentliche Mittel die größten Knaller versprechen."

Konkret lässt Lamar Smith etwa 47 Projekte überprüfen, die seiner Meinung nach Geldverschwendung sind. Die NSF wurde gezwungen, die Antrags- und Begutachtungsunterlagen, also die anonymen Gutachten vorzulegen. Bei den Projekten, die er überprüfen lässt, handelt es sich zumeist um solche der Geistes- und Kulturwissenschaften, die noch nicht einmal besonders viel Geld bekommen haben. Anhaltspunkte, dass im Bewilligungsverfahren irgendetwas Regelwidriges passiert sein soll, gab es nicht. 
 
Aus den vorgelegten, prinzipiell vertraulichen Unterlagen sind im übrigen - unverfängliche - Details an die Presse gelangt, so dass Smith nun vorgeworfen wird, die Integrität der wissenschaftlichen Begutachtungsverfahren zu gefährden.


Archäologische Projekte als Geldverschwendung
Uninteressant für den Kongressabgeordneten Smith:
Bronzezeitliche Besiedlung auf Zypern
(Foto: R. Schreg, 1996)
Die Liste enthält auffallend viele archäologische Projekte, 8 von 47. Einige der Projekte sind bereits vor Jahren ausgelaufen, andere sind noch aktuell. Insgesamt fördert die NSF derzeit 255 laufende Projekte in der Rubrik Archaeology (Abfrage der NSF-Datenbank).

  1. J. Arthur (University of South Florida), An Ethnoarchaeological Study of the Gamo Caste System in Southwestern Ethiopia
  2. S. Manning (Cornell University), Collaborative Research: the Kalavasos and Maroni Built Environments Project. Investigating Social Transformation in Late Bronze Age Cyprus
  3. R. Rosenswig (SUNY at Albany), Izapa Regional Settlement Project
  4. T. Winemiller (Auburn University at Montgomery), Collaborative Research: Ancient Maya Wooden Architecture and the Salt Industry
  5. St. Falconer (Arizona State University), Bronze Age village life and landscape dynamics at Politiko-Troullia, Cyprus
  6. B. Hanks (University of Pittsburgh), Metallurgical Practice, Technology and Social Organization during the Middle to Late Bronze Age in the Southern Urals, Russia
  7. H. Neff (California State University), The Prehistory of Chiapas, Mexico
  8. Ch. Roosevelt (Trustees of Boston University), Cultural Dynamics and Overlapping Interaction Spheres in the Marmara Lake Basin, Western Turkey
Auswahlkriterien für die genannten Projekte sind nicht zu erkennen, sie decken inhaltlich Forschungen in Mesoamerika ebenso ab, wie solche in Europa, Asien und Afrika. Alle Projekte sind eher solide Grundlagenforschung, als besonders exotische und risikoreiche Forschungsthemen.
Dass sich auch Projekte auf der Liste finden, die sich mit Folgen von Klimawandel auseinandersetzen, ist weniger verwunderlich. Smith ist ein bekannter "Skeptiker", des Klimawandels, der mehrfach Wahlkampfunterstützung aus der Ölindustrie erhalten hat.



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