Donnerstag, 24. April 2014

Ehrenamtliche Bodendenkmalpflege mit QGIS 2.0

Ein Gastbeitrag von Biggi Schroeder

In der ehrenamtlichen Bodendenkmalpflege ist die exakte Dokumentation der Funde und Befunde extrem wichtig. Dazu gehört auch die mobile Erfassung (Einzelfund-Einmessung) der Fundpunkte per GPS-Handheld. Zur Weiterverarbeitung dieser Geodaten steht den Ehrenamtlichen mit QGIS 2.0 eine benutzerfreundliche, kostenfreie Open-Source-Anwendung zur Verfügung, welche die Dokumentation von archäologischen Funden qualitativ auf ein höheres Level stellt. Erlernen kann es im Prinzip jeder, der das notwendige Interesse mitbringt. Es stehen diverse Möglichkeiten zur Verfügung, sich in die Materie einzuarbeiten.

Einzelfundeinmessung gehört heute zu
den Grundprinzipien archäologischer 
Geländearbeit. QGIS ermöglicht es auch
den ehrenamtlichen Mitarbeitern ihre Funde
zu kartieren (Foto: B. Schroeder)
Der Workshop
Als ehrenamtliche Mitarbeiterin des Landesdenkmalamtes Hessen bin ich seit 2009 - mit der dazu erforderlichen Nachforschungsgenehmigung - aktiv in der Bodendenkmalpflege tätig. Um die bei den Feldbegehungen gesicherten Funde und Befunde zu kartieren, habe ich bis vor einem Jahr die Anwendung „Hessenviewer“ genutzt. Die Benutzung war zum Teil recht umständlich und die Ergebnisse waren nicht immer zufriedenstellend. Rainer Schreg war es, der mich damals auf die Idee brachte, eine OpenSouce GIS-Anwendung für die Zwecke der Kartierung zu nutzen. Ich entschied mich nach einiger Recherche für die Installation der Software QGIS (Version 1.7). Nach ersten „Gehversuchen“ und vielen offenen Fragen stieß ich durch Zufall auf die fachlich orientierte facebook-Gruppe „Archäologie und GIS“. Hier kam ich erstmals mit Kai-Christian Bruhn, Professor für Informations- und Messtechnik in der Archäologie an der  FH Mainz,  in Kontakt, der spontan anbot, mir mit einem Crash-Kurs den Einstieg zu erleichtern. So entstand später auch die Idee zu einem Workshop für Ehrenamtliche, welcher unter seiner Leitung am 12. April erstmals an der an der FH Mainz (Geoinformatik & Vermessung) veranstaltet wurde. Unterstützt wurde er von Tobias Kohr und Thomas Engel, die als wissenschaftliche Mitarbeiter am i3mainz, Institut für raumbezogene Informations- und Messtechnik an der FH Mainz diverse Forschungsprojekte im Bereich Archäologie und GIS durchführen. Der Workshop war eine Veranstaltung von terraplana in Kooperation mit dem Landesamt für Denkmalpflege, Wiesbaden und der i3mainz -Institut für raumbezogene Informations- und Messtechnik, Fachhochschule Mainz.

Ehrenamtliche Bodendenkmalpflege mit QGIS
Die Motivation der 11 Teilnehmer war recht einheitlich: Vorhandenes Grundwissen zu ergänzen und zu erlernen, wie man QGIS 2.0 möglichst effektiv für die Erfassung, Verwaltung und Kartierung von Geodaten, speziell für die eigene Fundverwaltung nutzen kann.

Zu Beginn des Workshops erklärte Kai-Christian Bruhn, er verstehe sich an diesem Tag ebenfalls als Ehrenamtlicher, denn die Entwicklung und Verbreitung von Open Source Software wie QGIS 2.0 habe viel mit ehrenamtlichen Engagement gemeinsam. So vermittelte er uns im Laufe der folgenden 7 Stunden zunächst die notwendigen Grundlagen zu QGIS und Geodaten allgemein. Im Folgenden bekamen wir Einblicke in die Themenbereiche Geometrie, Topologie, Thematik, Semantik und Dynamik von Geodaten sowie Koordinatenbezugssystemen, Geodatenformaten und den messtechnischen Grundlagen der Erfassung per GPS. Die praktischen Übungen waren geprägt vom Einbinden von Geodiensten, der Vektorisierung von Geodaten und der Georeferernzierung von Kartenmaterialien. Zum Schluss wurde gezeigt, wie man die Daten dann in einer Druckzusammenstellung anschaulich darstellen kann. Jeder von uns bekam den Link zu der von Prof. Bruhn erstellten Präsentation, welche neben den behandelten Themen eine Vielzahl an nützlichen Links und Tipps enthielt.
Diese Präsentation steht auch online:
Am Ende bleibt festzuhalten: Die Erwartungen der Teilnehmer an den Workshop wurden erfüllt! Da allerdings die praktischen Übungen aus Zeitgründen etwas zu kurz kamen, wünschten sich alle Teilnehmer einen Folgekurs.
Zum Umgang mit archäologischen Funden gehört eben nicht nur die Geländearbeit, sondern auch deren Dokumentation. Kostenlose GIS-Programme ermöglichen es heute auch dem Ehrenamtlichen, Funddaten so aufzuzeichnen, dass sie wissenschaftlich auch tatsächlich verwertbar sind.

Ausdrücklicher Dank für die Unterstützung geht nochmals an Kai-Christian Bruhn!




Biggi Schroeder ist ehrenamtliche Mitarbeiterin der HessenArchäologie und macht regelmäßige Begehungen auf mittelalterlichen Wüstungen. Sie hat den Workshop mit Kai-Christian Bruhn als eine Veranstaltung des Vereins terraplana organisiert, dessen Vorstand sie angehört.


Sonntag, 20. April 2014

Kulturerbe für den Frieden - Engagement in Syrien

S. Perini, Towards a protection of the Syrian cultural heritage: A summary of the international responses (March 2011 - March 2014) (2014), eine Online-Publikation der non-profit Organisation heritage for peace, bringt eine Zusammenstellung der für das Kulturerbe in Syrien engagierten Gruppen und Institutionen mit zahlreichen Links. Auch  Archaeologik mit seinen monatlichen Beiträgen wird speziell aufgeführt.

http://www.heritageforpeace.org/
Heritage for peace (CC BY NC ND 4.0)
Heritage for peace arbeitet mit staatlichen und oppositionellen Gruppen in Syrien und sieht das gemeinsame kulturelle Erbe als eine Grundlage für den Dialog der verschiedenen Gruppen. Der Einsatz für das Kulturerbe ist nicht nur die Bewahrung der Zeugen der Vergangenheit, sondern hoffentlich auch Grundlage für Frieden in der Zukunft. Heritage for peace finanziert sich über Spenden und ist in Spanien als NGO registriert.

Donnerstag, 17. April 2014

Umwelt und Verkehr - Gegenwart und Mittelalter

Zahlreiche aktuelle Verkehrsprojekte mit ihren politischen Auseinandersetzungen wie beispielsweise das Bahnhofsprojekt ‚Stuttgart 21’ oder der Ausbau der A100 in Berlin zeigen, wie Verkehr und Straße in einen gesamtgesellschaftlichen und ökologischen Kontext stehen. Das Phänomen Straße ist nicht isoliert als Thema von Technik- und Wirtschaftsgeschichte zu sehen – und schon gar nicht sollte eine historische Betrachtung von „Straße“ diese als Kriterium für Modernität und Fortschritt werten.
Die aktuellen Debatten um den Verkehr zeigen eine Vielzahl von Problemfeldern und Interessenskonflikten:
  • Schadstoffemissionen / Treibhausgase
  • Energieverbrauch des Verkehrs
  • Lärmbelästigung
  • Flächenverbrauch
    • Bodenversiegelung
    • Landschaftszerschneidung
  • Landschafts- und Bodeneingriffe und ihre Risiken für Hydrologie und Geologie
  • Konkurrenzsituationen der Landnutzung
  • Steigendes Verkehrsaufkommen/ Frachtkapazitäten
  • Transport- und Mobilitätsbedarf als Folge einer verteilten räumlichen Organisation
  • Verlagerungen Straße – Schiene – Luft – Wasser
  • Mobilität als gesellschaftlicher Wert
Einige dieser Themen mögen für die vorindustrielle Zeit zu vernachlässigen sein – so etwa die Schadstoffemissionen und Treibhausgase und wohl auch das Problem der Bodenversiegelung und Landschaftszerschneidung. Aber auch ohne Autoverkehr sind Straßen eng mit unserer Umwelt verzahnt.

Als Beitrag zu einem Sammelband, der sich dem Thema "Straßen von der Frühgeschichte bis in die Moderne widmet", habe ich versucht, ausgehend von diesen modernen Problemen, mittelalterliche Straßen umwelthistorisch zu betrachten.

  • R. Schreg, Verkehr und Umwelt - Herausforderungen und Interessenskonflikte in Mittelalter und früher Neuzeit. In: T. Fischer/ H.G. Horn (Hrsg.), Straßen von der Frühgeschichte bis in die Moderne. ZAKMIRA-Schriften 10 (Wiesbaden: Reichert 2013) 147-167 - online bei academia.edu
Nach einer Charakterisierung der Verkehrswege im Mittelalter, die v.a. durch unbefestigte Straßen geprägt werden (vergl. Archaeologik [10.9.2012]: Eine unbefestigte Fernstraße) wird untersucht, was zu Verlagerungen des Verkehrs geführt hat. Diskutiert wird die Entstehung neuer Zentren, was im Rahmen der Stadtgründungen des Spätmittelalters eine recht weit verbreitete Entwicklung war. Daneben spielen aber auch Umweltveränderungen eine wichtige Rolle, die sich insbesondere an der Konkurrenzsituation von Wasser und Straße zeigen. Ausgehend von dem strukturellen Wandel des Verkehrs in staufischer Zeit werden einige technische Verbesserungen in Anschirrung und Wagenbau angesprochen. 

Pfahljochbrücke bei Neckarhausen oberhalb von Horb am Neckar
Die Brücke ist dendrochronologisch ins Jahr 1256 datiert.
(Foto: R. Schreg, 2000)
Die modernen Probleme des Verkehrs sind im Detail völlig andere als in vorindustrieller Zeit. Eine umwelthistorische Betrachtung mittelalterlicher Straßen macht jedoch deutlich, dass Verkehr schon immer ein Teil des gesamten Humanökosystems war. Technische Entwicklungen, soziale Veränderungen wie auch anthropogene Umweltveränderungen hängen eng miteinander zusammen und haben langfristige Folgen. Eine archäologische Altstraßenforschung sollte deshalb über die bislang die Forschung dominierenden Fragen nach Technik und Topographie der Straßen ausgreifen und diese Zusammenhänge genauer unter die Lupe nehmen.


Montag, 14. April 2014

DigDeep.ru

DigDeep.ru | Новости археологии: находки,
открытия, исследованияSeit Februar 2014 läuft DigDeep.ru, ein russisches Archäologie-Blog, das international Archäologie Themen aufgreift. Daneben finden sich hier aber viele Beiträge aus Eurasien - unter anderem beispielsweise zur aktuellen Situation auf der Krim.

Donnerstag, 10. April 2014

Streit um die Goldmine

Im Fall der ältesten Goldmine der Welt in Sakdrisi, südwestlich von Tiflis in Georgien gibt es seit längerem Streit (siehe Archaeologik [22.8.2013]), nachdem es die Minengesellschaft gelungen ist, der Fundstelle den Schutzstatus zu entziehen.
Zusammenfassend:
Das Ministerium, das der Fundstelle aufgrund von Gutachten der Minengesellschaft nahestehender 'Experten' den gesetzlichen Schutz entzogen hatte, fordert nun allerdings  wieder archäologische Untersuchungen.
Derzeit lanciert die Minengesellschaft ihre Darstellung, wonach überhaupt keine archäologische Fundstelle vorliege.
Die Bevölkerung vor ort demonstriert trotz des drohenden Verlusts von Arbeitsplätzen gegen die Öffnung des Bergbaus in Sakdrisi. Zu einer Demonstration am 22.3.2014:
Weitere Internetressourcen zum Streit
Der Protest:
Die Petition:
 Literatur
Stellungnahmen
Nachtrag (18.4.14):