Dienstag, 4. November 2014

Kambodscha: Die Ausfuhr von Kulturgütern war auch früher illegal

Mehrfach gab es in jüngerer Zeit Affären um illegal gehandelte Statuen aus Kambodscha, die bei großen Auktionshäusern angeboten wurden. Rechtsansprüche der Herkunftslandes wurden von den Geschäftemachern des Antikenhandels verneint, Rückgaben als freiwilliges Zeichen guten Willens dargestellt.

Dass aber der Export auch früher schon nicht rechtens war zeigt ein Beitrag bei artnetnews:

Ähnliches gilt übrigens auch für den Mittelmeerraum, wo es auch vor 1970 Antikengesetze gab, die den Export von Kulturgütern weitgehend verboten haben - oder an Bedingungen gebunden, die bei legal exportierten Funden auch heute noch nachprüfbar sein sollten.


Interner Link

Samstag, 1. November 2014

Die Rolle des Antikenhandels gerät ins Blickfeld - Syrien und Irak im Oktober 2014

Der Kampf gegen den IS-Terror
Das Zurückdrängen und Zerschlagen des IS findet nicht im Pentagon sondern bei Sotheby's statt, meint:
und doch passiert in dieser Richtung nichts:
Schon öfters wurde darauf hingewiesen, dass der Handel mit Antiken eine wichtige Einnahmequelle des IS darstellt.

Michael Jansen weist darauf hin, dass viele der geplünderten Funden nach gängigen Erfahrungen in Museen und Privatsammlungen in den USA landen werden. In Bezug zu den Ankündigungen von John  Kerry im Metropolitan Museum in New York (siehe Archaeologik, 1.10.2014) sieht es Jansen als besondere Ironie an, dass dessen Ankündigung, die Welt müsse dem Vandalismus von Zerstörung und Plünderung ein Ende bereiten, ausgerechnet in einem Museum erfolgte, dessen Grundbestand aus Plünderungen stamme (vergl. http://chasingaphrodite.com/tag/metropolitan-museum-of-art/).

In Deutschland setzt möglicherweise ein Umdenken ein und eine Gesetzesnovelle könnte die illegale Einfuhr weitgehend stoppen. "Wir werden das Kulturgutgesetz ganz grundsätzlich ändern." sagt Staatssekretärin Monika Grütters. Es solle ein Paradigmenwechsel erfolgen und künftig ein Ausfuhrzertifikat verlangt werden. Das entsprechende Gesetz könne 2016 in Kraft treten.
    Ein Beitrag der ARD am 20.10.2014 "Das geplünderte Erbe"  (Mediathek) zeigt auf, wie unter anderem der deutsche Antikenhandel den IS-Terror finanziert. Über die Türkei und Kuwait landen die Fundobjekte mit falschen Provenienzangaben in deutschen Auktionshäusern.
    Der Beitrag hat große Medienresonanz erfahren und Kollege Michael Müller-Karpe, der auch in der ARD-Dokumentation eine fachliche Einschätzung gibt, wurde zu zahlreichen Interviews angefragt:
    Hier wird es wichtig sein, dass die Fachwelt in den nächsten Wochen, die Planungen für das neue Gesetz aktiv unterstützt und die guten Ansätze gegen den Lobbyismus der Händler verteidigt.

    Über die Raubgrabungen der IS im Irak und in Syrien ist nur wenig bekannt, da anders als im syrischen Bürgerkrieg hier keine Archäologen oder andere Kulturinteressierten sich noch trauen, heimlich Videos der Fundstellen zu drehen und übers Netz zu verbreiten.


      Die Türkei versichert, sie würde "weiterhin" verhindern, dass syrische Antiken über die Türkei geschmuggelt würden.


      Zerstörungen und Plünderungen
      Die Heritage Damage Letters mit einer Zusammenstellung der Zerstörungen und Plünderungen in Syrien im Oktober:
      Hier sei deshalb nur eine kleine Auswahl von Berichten verlinkt:
      Weitere Medienberichte über Zerstörungen 

      Ähnlich wie dies in Syrien passiert ist, starten nun auch Archäologen aus dem Irak eine Berichterstattung über die Kulturzerstörung via facebook:

      Tell Shair bei Kobane
      Die Gruppe Protect Syrian Archaeology hat auf youtube ein Video veröffentlicht, das einen US-Luftangriff auf IS-Truppen bei Kobane zeigen soll. Zu sehen sind heftige Geschoßexplosionen auf Tell Shair.



      Es gibt in der Tat mehrere Berichte über Kämpfe um den strategisch wichtigen Hügel, der westlich der Stadt liegt und das Abwurfgebiet der westlichen Waffenlieferungen sichert.
      Grabungen auf dem Tell seit 2006 haben eine Besiedlung seit dem 6. Jahrtausend v.Chr. nachgewiesen, gefolgt von Siedlungsphasen bis in byzantinische Zeit. Im 2. Jahrtausend v.Chr. soll hier ein großer Gebäudekomplex bestanden haben.
      (Das ist hier übrigens wieder mal einer der Punkte, an denen ich als Mittelalterarchäologe und ausgewiesener Nicht-Fachmann für die Region leider nicht schnell mal die einschlägige Literatur parat habe.) 

      Aktionen
      Ausstellungspläne des Irak, um die Zerstörungen religiöser und kultureller Stätten durch IS zu dokumentieren. http://al-shorfa.com/…/…/meii/features/2014/10/02/feature-02

      Das DAI bringt die Thematik in einen Review-Prozesses „Außenpolitik Weiter Denken“ des Auswärtigen Amtes ein.
      Das Staatliche Museum für Archäologie in Chemnitz (smac) veranstaltet am Mittwoch, den 05. November 2014 eine Podiumsdiskussion über die Zerstörung kulturellen Erbes und über Kulturgüterraub in der Krisenregion Syrien.

      Sonstige Meldungen
      Interner Link
      frühere Beiträge zum Bürgerkrieg in Syrien auf Archaeologik, inklusive monatlicher Berichte seit Mai 2012

        Montag, 27. Oktober 2014

        The forgotten Indus Civilisation

        guest post by Sidra Gulzar


        Pakistan is a country with one of the earth's richest archaeological legacies of human history. It has unprecedented 'treasures' in the shape of monuments of ancient civilization and historical buildings. Here we find relics from stone age up to modern days. We have the remains of ancient flora and fauna, bronze age Indus valley civilization, rock carvings, Alexander's regime and the remains of Buddhist civilization as well. Traces of a dynamic human settlement can be detected throughout all periods.

        Indus Civilization
        However, Pakistan's most otstanding heritage is the Indus valley civilization which is regarded the world´s largest political denomination of its time. The main phase of the Indus valley civilization dates to the Bronze Age and is also known as Harappan civilization (because the first city discovered was Harappa) and its antecedents are called Harappans. The ancient sites of Indus valley civilization covers the area of present day Pakistan, India, Afghanistan and some parts of Iran.
        Obviously there were complex political forms, spreading over vast areas within the Indus civilisation, but still little known.

        Chronology
        The Indus valley culture existed from approximately 7000BCE and declined around 1900BCE. The remains of Mehargarh village, found in province Balochistan represent an aceramic early neolithic and is one of the earliest agricultural sites of the region.

        From 7000 until 1900BCE there are the emergence of several cultures in different regions of Pakistan, India and Afghanistan. These cultures developed into a full urbanized society with a scripture which unfortunately cannot be deciphered yet.

        A rough chronology of Indus valley civilization:


        Dates
        Phase
        Eras
        7000-5500BCE
        Mehargarh phase
        Early food producing era
        Neolithic
        5500-2600BCE
        Early Harappan phase
        Regionalization era
        2600-1900BCE
        Mature Harappan phase
        Integration era
        Bronze Age
        1900-1300BCE
        Late Harappan phase
        Localization era
         

        Ancient rivers irrigated the Civilization
        Water is life, without water existence of life is not possible. Its true, and for Harappans there were two major river systems. One is the “Indus river”, the other is known as “Ghaggar Hakra river”. These two water systems were used by Harappans to irrigate the land and for other purposes of life.
        Both rivers were independent: The Indus river originated from Himalaya foothills and irrigated the western part of the civilization; the Gagghar Hakra river system originated from Siwalik foothills when it entered in Pakistan, carried water from Sutlej and irrigated the eastern part of civilization. 


        Discoveries of the Sites

        The first Harappan city was discovered by Charles Masson already in the early 19th century and the first Harappan seal was published by Alexander Cunnigham in 1872-75. Excavations, started by Sir John Hubert Marshall and his team in 1921, were the starting point of a huge number of research activities before the partition of India in 1947.
        Extensive pottery including jars, dishes, glasses, disposable glasses, plates, dishes on stand, and cooking pots have been discovered from Indus valley sites. Blades, chert, stones, bangles, beads, jewelry, terracotta cake etc. are also most common findings. The most significant discovery from Indus valley sites is seals. Seals and clay tablets with script and many decorative motifs have been discovered from mature Harappan sites which show the trade and prosperous economy of this civilization.

        Trade links with other civilizations

        There is evidence of trade relations between the Indus valley, Mesopotamia and Egypt. Many Indus valley seals were found in nearby regions as Sumer, Behrain and Egypt, predicting trade and cultural relationships with other societies. Trade goods include terracotta pots, beads, gold and silver, coloured gemstones such as turquoise and lapislazuli, metals, flints, seashells and pearls.
        In this sense the study of the Indus civilisation is a great effort to reconstruct the social and cultural interaction between European and Asian Bronze Age civilizations.


        Some major sites of the Indus Civilisation: Harrappa, Mehgarh, Rakhigiari and Moinjodaro (circles) - and the location of Ganeriwala (red star)

        Urban centers

        Harappa and Moinjodaro are two largely excavated sites of Indus valley. Both cities are well planned urban centers with huge houses (some of them are double storey) and 'modern' sewerage systems of covered drain.Water wells and sewerage systems were present in almost every house.
        The concept of a citadel and a lower town has been used as the basic concept of construction. Harappa had fortification wall around and the main city is situated inside a wall. Possibly the wall was built to protect the town from flood.
        At Moinjodaro the same pattern of the citadel and lower town has been used. The sewerage system that Harappan people used 2600BCE is similar to the system, which people use in  modern day Europe.
        However, Harappa and Moinjodaro are the only big sites which are investigated. But there are many small sites which are excavated on limited scale.

        Small Indus valley sites
        Unfortunately a big area of expected Indus valley sites are still unexplored. From these unexplored sites Cholistan dessert is a hub of ancient Indus valley sites and Ganweriwala is the largest among them.


        “Ganweriwala” - a city of Indus valley civilization

        One most significant site is “Ganweriwala” from Cholistan region (southern Punjab Pakistan).
        This site is situated in a deserted environment and teh region may be seen as an outland region of the Indus valley. The area firstly explored by Sir Aurel Stein in 1941. Later Dr. Mughal carried four season field work from 1972 till 1976 along the 300 miles river Hakra belt. He extensively explored 414 ancient Indus valley sites along the old river Hakra bed. There is a continuous fluctuation in the formation of sites, which shows the development phases of Indus valley civilization. The time period of these sites started from fourth millennium BCE until medieval period.
        The site has two closely situated mounds like other Harappan cities with measurements of 503 x 533 ft (ca. 153 x 162 m) and 488 x 290 ft (ca. 149 x 88 m) and 28 ft (8,5m) height. Both mounds cover 81.5 hectares, which is 16 hectares larger than Harappa. It became a core part of vast network of Indus cities, which include Moinjodaro, Harappa, Rakhigarhi and Dholavira. The surface of this site is very very rich with archaeological finds. Ceramics of mature Harappan period, clay toys and a clay tablet have been reported. The discovery of clay tablets signifies the social cultural value of this site. The clay tablet has the motif of a seated man in yogee position which is the most common feature finding from the Indus seals and Indus clay tablets. This site has been declared the third urban center of Indus valley civilization in Pakistan because of its huge occupation area. One another important aspect is that it is situated between on equal distance from Moinjodaro and Harappa. Its discovery rises a big question for Indus valley Specialists about its inter-regional and regional connections in term of trade and socio-political relations to the outer world.




        Huge mounds of Ganweriwala site in Cholistan
        (foto: Sidra Gulzar)



        Need of special attention

        Almost four decades have been passed since Mughal documented the 414 sites, but unfortunately no excavations or no further investigations have been realized. Especially Ganweriwala is important in many points. It is the largest site in Cholistan region and it seems to have the same pattern of construction than Moinjodaro has: a citadel to the west and a lower city to the east. The most pathetic aspect of this archaeological rich area is, that it is still neglected by the worlds' archaeologists.

        But of this neglection the site is now going towards vandalism and destruction. There are also several environmental factors, which enable the access of the site. Local nomadic people do not know much about archaeology and about the past of human being. This unconsciousness is causing serious loss of precious heritage. At Ganweriwala a road has been constructed on the main site which is very harmful for the antiquities.
        Some serious steps needed to protect this asset from all present day dangers.



        A road on the top of Ganweriwala site
        (foto: Sidra Gulzar)



        It's time to call special attention for the hidden Indus valley sites in Pakistan. The Ganweriwala site is a precious asset for the ancient urban cities. It should be save for the further archaeological investigations. And it must be protected for future generations, as it is heritage for all humans. 
        There are many `Ganweriwalas` not only one `Ganweriwala` which are not classified as world heritage. A documentation of sites of the Indus civilization is a real asset for the whole world. Unesco World heritage authorities should take special notice of the current archaeological situation in Pakistan, otherwise humanity will be deprived of his Bronze Age ancestors. We need to create the importance of this glourious civilization internationally to draw the real picture of interaction between Asia and Europe. 
        Nevertheless these sites are crucial for our knowledge about a glorious past and daily life of forgotten Indus civilization….


        Links


        Bibliographical references
        Mughal, M. R, 1981, New Archaeological Evidence from Bahawalpur, ed; Dani, A.H, Indus Civilization: New Perspectives, Quid e Azam University, Islamabad

        Mughal, M. R, 1982, Recent Archaeological Research in Cholistan Desert, Oxford and IBH Publishing Co. New Delhi

        Mughal, M. R, 1990, Further Evidence of Early Harappan Culture in the Greater Indus Valley; 1971-90, South Asian Studies, vol,6.

        Mughal, M. R, 1990, The Harappan Settlement Systems and Patterns in the Greater Indus Valley (circa3500-1500); Pakistan Archaeology, vol.25





        Sidra Gulzar is a PhD candidate at Gothenburg University in Sweden. She comes from Pakistan and currently works on the Ganeriwala site. She has keen interest to explore new sites of archaeology world wide.http://www.historiskastudier.gu.se/english/Staff/sidra-gulzar/

        Samstag, 25. Oktober 2014

        Alle Schwedischen Archäologischen Institute im Mittelmeerraum müssen schließen

        Die Schwedische Regierung plant, die Etats der Schwedischen Institute in Rom, Athen und Istanbul zu kürzen und im nächsten Jahr auf 0 zu fahren. Das bedeutet die Schließung der angesehenen Institute, die eine wichtige Anlaufstelle für archäologische und altertumskundliche Forschungen im Mittelmeerraum - und darüber hinaus - darstellen.

        Der ganze Vorstoß scheint völlig planlos und unüberlegt, ihm gingen auch keinerlei Konsultationen mit den betroffenen Instituten oder eine eingehende Beurteilung der tatsächlichen Situation und der Konsequenzen voraus. Bei der Landscape Archaeology Conference im September im Schwedischen Institut in Rom hatte die schwedische Botschafterin die enorme Bedeutung des Instituts für die Kulturpolitik und die Europa-Idee betont. Die derzeitige Regierung hatte zudem versprochen, Kultur und Bildung zu stärken.
        Angesichts der politischen Situation im Nahen Osten hatte das Schwedische Institut in Istanbul noch vor kurzem eine Mittelaufstockung erhalten, um die Kommunikation mit der Türkei und Forschern aus der Krisenregion des Nahen Osten zu stärken.
        Konservierte und mit Schutzbau gesicherte Grabungen des Schwedischen Instituts in Rom in einer etruskischen Siedlung bei San Giovenale nördlich von Rom
        Die Grabungen der 1950er und 60er Jahre geben bis heute Stoff zur wissenschaftlichen Auswertung, sind sie doch einige der wenigen Grabungen, die Wohn- und Handwerksquartiere einer etruskischen Stadt und die dahinter stehenden wirtschaftlichen Strukturen erkennen lassen.
        (Foto R. Schreg, 2014)


        In Schweden gab es einen Sturm der Entrüstung, die von zahlreichen anderen archäologischen Instituten, wie der British School in Rom unterstützt wird.
        Eine Petition hat in wenigen Tagen über 8000 Unterschriften:
        und facebook-Seite zu den Protesten:
        Ein Zeichen der Hoffnung? - Angesichts der Kritik scheint die schwedische Regierung zurückzurudern und spricht davon, eine Neubewertung vornehmen zu wollen.


        Links
        Die betroffenen Institute:



          Alle Archäologie- und Kulturinteressierten sollten die Petition unterstützen!
          Die Petition http://www.namninsamling.com/site/get.asp?Medelhavsinstitut liegt nur auf Schwedisch vor. Zum Unterzeichnen geht es über Skriv på listan unten.

          Eine englische Übersetzung der Petition von https://www.facebook.com/medelhavsgate:


          Dear government,
          The signers of this petition strongly disagree with the suggestion in this year’s budget bill to cut funding for the Swedish Institutes in the Mediterranean, and in the coming year completely abandon the financial support. This decision reflects a lack of investigation on the government’s part, and this decision can have devastating effects.

          The Institutes provides an invaluable contribution to research, education and cultural exchange, all happening on a minute budget. They promote cross-disciplinary cooperation, mobility, internationalization, and the application of funds and excellence. The Institutes also contribute to the overall quality of many university disciplines in Sweden. They, moreover, function as a place for intercultural meetings, national centers and fora for courses, conferences, seminars and provide excellent resources for both small and large educational establishments. The institutes have a strong brand and are internationally known and respected research centres. To cut their funding would be a grave mistake.
           

          Nachtrag (1.11.2014)
          The Art Newspaper: Clemens Bomsdorf – ”Thousands sign petition to save Swedish Institutes”