Dienstag, 1. September 2015

Die Daesh-Hölle in Palmyra (Syrien und Irak, August 2015)

Im August rückt Palmyra ins Zentrum der Aufmerksamkeit: Mord und Sprengung durch Daesh. Ich habe bewusst darauf verzichtet, die Nachrichten über die Zerstörung des Baalschamin-Tempels und nun auch des Baaltempels als eigene Blogposts auf Archaeologik zu "würdigen". Das arbeitet den Idioten von Daesh in gewisser Weise zu, hilft es doch deren Propaganda und Terror zu verbreiten. Im Sinne einer Beobachtung und gewissen Dokumentation und Information spielen die Ereignisse hier im monatlichen Bericht gleichwohl eine zentrale Rolle.
Derzeit scheint die Aufregung um Mord und Zerstörung davon abzulenken, dass Daesh im Norden Syriens weitgehend ungehindert im Vormarsch ist.

19.8. - Der Mord an Khaleed al-Asaad

(siehe Archaeologik 19.8.2015)
Inzwischen gibt es Nachrichten über Leichenschändung, aber auch Spekulationen über die Mordmotive des Daesh. Offenbar verstösst für die Verbrecher des Daesh jede Auseinandersetzung mit der heidnischen Vergangenheit gegen ihre engstirnigen Glaubensvorstellungen. Oder wie soll man den bestialischen Mord am pensionierten Leiter der Grabungsstätte von Palmyra Khaleed al-Asaad verstehen? 
Eine Erklärungsmöglichkeit stellt TheAtlantic dar. Khaleed al-Asaad war von Daesh schon vor einem Monat gefangen genommen worden. Möglicherweise wollten sie in Erfahrung bringen, wo die Funde aus dem Museum versteckt worden sind, um Kapital daraus zu schlagen. Diesen Verdacht äußert jedenfalls The Atlantic, der in diesem Zusammenhang auf die Rolle des Antikenhandels für die Finanzierung des Terrorregimes verweist. Mord also, um Ware für den illegalen Antikenhandel zu beschaffen?
Auch die Welt verweist darauf, dass Asaad dafür verantwortlich ist, dass die Museumsbestände vor Daesh vor deren Einmarsch in Sicherheit gebracht werden konnten - und auf die Rolle solcher Funde für die Finanzierung des Terrors. Die Welt spricht von einem "Krieg gegen die Archäologie"

(Zelidar [CC BY SA 3.0] via Wikimedia Commons)

'Archaeology in Syria' hat auf facebook eine Bildergalerie zu Khaleed al-Asaad zusammengestellt:
Die Familie des Ermordeten, darunter sein Sohn (Whalid al-Asaad, derzeitiger Direktor der Ausgrabungsstätte) und seine Mutter, konnten inzwischen aus Palmyra fliehen, nachdem Daesh Sippenhaftung angedroht hat.
Schon am 12.8. wurde ein Restaurator der syrischen Denkmalpflege getötet, als er bei Arbeiten an der Zitadelle in Damaskus unter Beschuß geraten ist:
Eine Stellungnahme der UNESCO zu beiden Toten:

Meldungen in deutschsprachigen Medien

Widerhall in den internationalen Medien

Stellungnahmen:
  • Sondernewsletter von ICOM Österreich: pdf
Proteste von Kollegen:
Eine Petition der Italienerin Anna Murmura will erreichen, dass Khaleed al-Assaad für den Friedensnobelpreis nominiert wird. Eine andere Petition, von Mark Watson aus Dorchester fordert von der UNESCO eine Auszeichnung für Khaleed al-Assaad.

      Der am 23.8.2015 gesprengte Tempel des Baal Schamin, 1993
      (Foto: M. Scholz)

      23.8. - erste Sprengungen in Palmyra: der Baal Schamin-Tempel

      Nach dem Mord sprengt Daesh nun die Tempel von Palmyra, erst der Ball-Schamin-Tempel und nun wohl auch der größere Baal-Tempel (in ersten Meldungen waren beide verwechselt worden).
      Erste Meldungen dazu gab es am Abend des 23.8.2015. Der aus dem 2. Jahrhundert n.Chr. stammende Tempel des Baal Schamin ist von den Terroristen des Daesh mit großen Mengen Sprengstoff vollständig zerstört worden. Daesh/ IS hat diesmal sehr schnell Fotos  der Explosion und des Schutthaufens publiziert. Satellitenbilder vom 25.8. zeigen die vollständige Vernichtung und Einplanierung des Bauwerks.



      Zerstörungen in Palmyra durch daesh (rot) und frühere Zerstörungen durch militärische Aktivitäten der syrischen Armee
      Destruction in Palmyra by Daesh (red) and earlier destruction by military activities probably of the Syrian army (yellow)



      deutschsprachige Medienberichte
        Internationale Medienberichte

          Die übliche ohnmächtige Stellungnahme der UNESCO:

            Kommentare aus Blogs:

            30.8. - Sprengung des Baal-Tempels (?)

            Am 30.8. meldete die syrische Antikenverwaltung die Sprengung des Baal-Tempels. Allerdings konnten die Berichte, die sich auf einen tweed eines Einwohners aus Palmyra berufen, zunächst nicht bestätigt werden. Am Montag kam dann auch ein Dementi. Es habe eine Explosion in der Cella des Tempels gegeben, das Bauwerk aber nicht zum Einsturz gebracht. Laut dem Direktor der syrischen Altertumsbehörde Maamoun Abdulkarim sei der Bau aus der Ferne noch zu sehen.
            laufende Updates zum Kenntnisstand bei ARCA Blog:
            Nachtrag (1.9.2015): Ein Luftbild belegt die vollständige Planierung des Baal-Tempels: 

            Am 30.8. gesprengt: Baaltempel in Palmyra
            (Foto: M. Scholz, 1993)


            deutschsprachige Medienberichte
             Internationale Medienberichte

            Lageberichte von einzelnen Fundorten in Syrien und Irak

            Zusammenfassend der Damage Newsletter für Syrien:
            Die Seite der Gruppe APSA 2011 wurden neu gestaltet. Hier finden sich Berichte zu einzelnen Fundorten aus Syrien, aufgeteilt nach Regionen:
            Syrian Heritage Initiative publiziert nun in rascher Folge ihre Berichte für den Juli:
              Daraa (Syrien)
              Schäden am Museumsbau:
              Römische Ruinen bei Jamrein:
              Idlib
              Raubgrabungslöcher am Tell Adeh
              Aleppo
                Damaskus  (Syrien)
                Zerstörung der Eliyahu Hanabi Synagoge:
                Karjatain (Syrien)
                Das Kloster Mar Elian des 5.Jh. wurde von Daesh mit schwerem Baugerät abgerissen. Die Stadt war am 6.8. von Daesh erobert worden:
                Auch hier die Stellungnahme der UNESCO:
                  Raqqa (Syrien)
                  aktuelle Fotos:
                  Samarra (Irak)
                  Mosul (Irak)

                  Laut der facebook-Gruppe Monuments of Mosul in Danger hat Daesh Inschriften an christlichen  Kirchen entfernt (unter Berufung auf den arabischen Artikel bei Moheet.com  (bereits vom 13.2015).

                      Raubgrabungen und Zerstörungen durch Daesh

                      Das FBI warnt
                      Inzwischen warnt das FBI davor, dass illegale archäologiesche Funde aus dem kriegsgeboet in Irak und Syrien den US-Markt erreichen:
                      Das FBI warnt Kunstsammler und -händler besonder vorsichtig beim Handel mit Antiken aus dem nahen Osten zu sein und warnt davor, dass Raubgrabungsgüter von Terrororganisatíonen wie ISIL den Markt erreichen "Wir haben nun glaubwürdige Berichte, dass US-Amerikanern Kulturgüter zum Kauf angeboten wurde, dass offensichtlich vor kurzen aus Syrien und Irak verbracht wurde."
                      IS-Video von Raubgrabungen
                      Bereits Ende Juli ist in buzzfeed ein Artikel erschienen, der Raubgrabungen und Schmuggel durch Daesh darstellt und dabei auf drei Videos verweist, die angeblich Grabungen des Daesh zeigen.
                      Am 3.8. hat buzzfeed die angeführten Videos mit Raubgrabungen in Dura Europos separat publiziert:
                      Da diese Videos ein wichtiges Argument sein könnten, um die - eigentlich außer Zweifel stehenden und nur durch den Kunsthandel vehement bestrittenen - Raubgrabungen des Daesh genauer beurteilen und auch beweisen zu können, hat sich eine Diskussion um die Einschätzung dieser Videos ergeben. Paul Barford hat einige wichtige Beobachtungen gemacht, die nahelegen, dass die Videos gestellt sind. Überraschend sind die großen und relativ sauberen Grabungsschnitte.
                      "The men are mimicking what they've seen archaeologists do - probably they are local villagers, maybe even took part in this excavation earlier. " "To be clear, I am pretty sure this film shows young men acting out looting for the benefit of journalists or 'activists'. The satellite photos show that some open excavation trenches dug by pre-Civil-War expeditions on a number of sites in Syria (see my posts on this last year) have had random opportunistic holes dug in their sides and bases. I think that's what we see here. The young men we see did not dig these holes in the side of the trench, they are acting out the digging that had been done earlier. The satellite photos however show a different type of looting going on / has been going on, with systematic blanket hole-digging right across whole areas of sites like Apamea and Dura Europos. These are organized looting projects, and it would be useful to have some better (closer range) drone surveillance of these holes."
                      In den vergangenen Monaten war mehrfach über die Erkenntnisse berichtet worden, die bei der US-Operation am 16.5. gegen den Daesh-Führer Abu Sayyaf gewonnen. wurden. Neben Funden, die aus Raubgrabungen aber auch länger zurückliegenden Museumsplünderungen stammen, waren auch archäologische Fachbücher gefunden worden. Dazu nun:
                      Ein speziell für die Provinz Feludja eingerichtetes "Medien Informations-Büro" (so die grobe Übersetzung) dient der Information über aktuelle Ereignisse - und dem Beweis der Stärke des IS sowie der Einschüchterung aller Glaubensfeinde. Ziel seien dabei alle Kulturen, die direkt oder indirekt Feinde des Islam seien und die Vernichtung aller Kulturgüter derer, die als Feinde des IS zu betrachten seien. Eine Internetseite dieses 'Büros' zeigt die Sprengung von Schreinen in der Provinz Feludja. Unklar bleibt, wie aktuell die Bilder sind. - Diese Propagandaseite auf der Plattform justpaste.it ist hier bewusst nicht verlinkt.
                      Spengung eines Schreins in der Provinz Fallujah im Irak
                      (Foto: Daesh/IS)
                      Eine Zusammenstellung aktueller Angebote auf dem Schwarzmarkt: Raubgrabungsfunde und Fälschungen

                      Maßnahmen

                      Don't buy!
                      Wall Street Journal stimmt für Boykott von IS-Angeboten, hält den Antikenhandel sonst aber für notwendig:
                      Leider steht bei den Angeboten mit Sicherheit als Provenienz nie "Terroristen, nach 2011".  Ein Problem sind die Markt-Preise, die es lukrativ machen, Raubgrabungen systematisch zu betreiben. Gegen Finderlohn wäre ja nichts einzuwenden.
                        Als Sicherung gegen die Bedrohung des Daesh/IS digitalisiert (oder verfilmt?) der Irak seine Nationalbibliothek: 
                        Sicherungsmaßnahmen für archäologische Funde in Museen:
                          "Business as usual" als Aktion gegen Daesh?
                          Eine wichtige wünschenswerte Maßnahme: Sammler fragen endlich nach Provenienz und Terrorgeld:
                          Aufklärungsarbeit
                          Dunkelfeld-Forschung
                          Die deutsche Initiative ILLICID steht nicht allein: Ein Artikel zu einer Gruppe in Glasgow:

                          Video-Serie einer Konferenz der Antiquities Coalition im Mai 2015 in Kairo: mit Beteiligung der Kulturminister aus Staaten Afrikas und des Nahen Osten, organisert u.a. durch Ägypten, dem Middle East Institute und UNESCO (via youtube):
                          1. Culture Under Threat: Terrorism and Profiteering - Iraqi Minister of Tourism and Antiquities. - https://www.youtube.com/watch?v=d2D7_Kd_vyk&list=PLfqpDYGgaVRQ2_dhn233-nYuK7PVZLZO6&index=1
                          2. Culture Under Threat: Counterterrorism Solutions for Cultural Racketeering - Malcolm Nance. - https://www.youtube.com/watch?v=iAHKaGjaZ2k&list=PLfqpDYGgaVRQ2_dhn233-nYuK7PVZLZO6&index=2
                          3. Culture Under Threat: Law Enforcement Solutions for Cultural Racketeering. - https://www.youtube.com/watch?v=scAl8Gr2yJY&list=PLfqpDYGgaVRQ2_dhn233-nYuK7PVZLZO6&index=3 - Masood Karimipour, the regional representative of the Middle East for the United Nations Office on Drugs 
                          4. "Black Market Trafficking Tactics and Ways to Combat Them". The Antiquities Coalition (13.8.2015). - https://www.youtube.com/watch?v=oVOBjLBAJnY&list=PLfqpDYGgaVRQ2_dhn233-nYuK7PVZLZO6&index=4 - Colonel Matthew Bogdanos mit Erfahrungsberichten von Strafverfolgungsbehörden aus New York City
                          Der ehemalige australische Außenminister Bob Carr fordert eine Militäraktion und beruft sich auf die UN-Konvention von 1972, die zwar keine Intervention zulässt, aber Hilfestellung zum Schutz des Kulturerbes.

                              Kulturgüterschutzgesetz in Deutschland

                              Das deutsche Ringen um einen vernünftigen Kulturgüterschutz wird im Ausland aufmerksam beobachtet. Deutschland darf sich nicht mit einer Fristenregelung, wie sie der Kunsthandel fordert, erneut blamieren!
                              In Deutschland kommt nun zu der gezielten Stimmungsmache des Kunsthandels gegen das neue Gesetz noch die absurde These, Kunstraub sei notwendig im Kampf gegen IS:
                              Wie überheblich die Idee ist, in Europa seien Kunstobjekte grundsätzlich sicher, zeigt eine aktuelle Meldung aus St. Petersburg, wo christlich-othodoxe Fanatiker einen Bildersturm veranstaltet haben:

                              Friederike Fless, Präsidentin des DAI kommentiert im Feuilleton der FAZ:
                              "Die hiesige Kampagne gegen das neue Kulturgutschutzgesetz muss vielen im Ausland wie Hohn erscheinen: Deutschlands internationales Ansehen als Kulturnation steht auf dem Spiel."
                              Friederike Fless betont hier die Bedeutung einer klaren Definition, welche Antiken tatsächlich illegal sind. Sie meint, dass der Kunsthandel selbst doch daran "interessiert sein müsste, vom illegalen Markt unterscheidbar zu sein, und er dies in seinen Verbandskodizes auch immer wieder beteuert." Und weiter: "Es geht bei dem Gesetzentwurf also nicht darum, den „Kunsthandel mit dem illegalen Markt mit Objekten aus Raubgrabungen“ gleichzusetzen, sondern Klarheit zu schaffen, wann eigentlich legaler und illegaler Handel vorliegen, nicht zuletzt, damit auch die Käufer eine Chance bekommen, den illegalen Markt überhaupt zu erkennen, um nicht ein Teil dieses illegalen Handels zu werden. Das ist grundlegender Verbraucherschutz."

                              Stellungnahme des DVArch vom 12.8.2015 zur Novellierung des Kulturgutschutzes in Deutschland:
                              Pressemitteilung des Deutschen Kulturrats:

                              Weitere Medienberichte

                              Zur Zukunftsbedeutung des Kulturgutschutzes für Syrien:

                              Links

                              Dank an alle, die mit Hinweisen und Übersetzungen ausgeholfen haben!

                                    Samstag, 29. August 2015

                                    Noch mehr Panama-Publikationen!

                                    Gestern kamen alle auf einmal: Die Publikationen zum Panama-Projekt.
                                    Schon vor ein paar Tagen hatte ich die monographische Publikation zu unserem DFG-Projekt hier vorgestellt:
                                    • B. Scholkmann/ R. Schreg/ A. Zeischka (Hrsg.), A step to a global world. Historical Archaeology in Panamá – German Research on the first Spanish city at the Pacific Ocean. British Archaeological Reports. International Series 2742 (Oxford: Archaeopress 2015)
                                    darin zwei Artikel zu meinen eigenen Forschungen, mit den beiden Schwerpunkten Keramik und Umweltforschung:
                                    • R. Schreg, Panamanian Coarse Handmade Earthenware - Cultural Traditions. In: B. Scholkmann/R. Schreg/A. Zeischka-Kenzler (Hrsg.), A step to a global world. Historical Archaeology in Panamá. German Researches on the first Spanish city at the Pacific Ocean. British Archaeological Reports, International Series (Oxford 2015) 117–135.
                                    • R. Schreg, A European Town in a Tropical Environment: Cultural Adaptation and Environmental Change in Colonial Panamá. In: B. Scholkmann/R. Schreg/A. Zeischka-Kenzler (Hrsg.), A step to a global world. Historical Archaeology in Panamá. German Researches on the first Spanish city at the Pacific Ocean. British Archaeological Reports, International Series (Oxford 2015) 179–192.

                                    Zum einen lag gestern nun - nach einigen Tagen RGZM-Büro-Abstinenz - das Belegexemplar auf meinem Schreibtisch. Da lag aber auch schon das Autorenexemplar eines Tagungsbandes, der demnächst dann auch offiziell verfügbar sein wird und der einen weiteren Aufsatz zu Panama enthält:
                                    • R. Schreg, Römer und Indios. Europäische Töpfertradition in Mittelamerika: Transformation – Imitation – Habitus. In: L. Grunwald (Hrsg.), Den Töpfern auf der Spur – Orte der Keramikherstellung im Licht der neuesten Forschung. 46. Internationales Symposium Keramikforschung des Arbeitskreises für Keramikforschung und des Römisch-Germanischen Zentralmuseums Mainz. RGZM-Tagungen 21 (Mainz 2015) 401–410.
                                    Und schließlich wurde gestern ein weiterer Artikel in den Journal of Archaeological Science Reports im Open Access online gestellt, der nochmals auf die Feldstrukturen von Chinina eingeht:
                                    Das geballte Erscheinen war so in keiner Weise geplant und eigentlich war Panama in den letzten Jahren für mich auch kein Forschungsschwerpunkt mehr, sind doch die Feldarbeiten schon lange vorbei. Die Felder von Chinina, die im zuletzt genannten Artikel behandelt werden, habe ich zwar endteckt, aber bisher leider gar nicht in echt gesehen: "Sofa archaeology" - Survey im Liegen dank Google Earth (siehe Altfluren in Panama. Archaeologik [10.10.2010]).

                                    Donnerstag, 27. August 2015

                                    Das schmutzige Geschäft mit der Antike

                                    Günther Wessel
                                    Das schmutzige Geschäft mit der Antike.
                                    Der globale Handel mit illegalen Kulturgütern

                                    (Berlin: Ch. Links Verlag 2015)

                                    ISBN 978-386153-841-7

                                    Broschur, 184 Seiten, keine Abbildungen

                                    18,-€



                                    Das Buch geht zurück auf ein ARD-Radiofeature im April 2015. Zu dessen Vorbereitung hat der Autor Günther Wessel so viel Material gefunden, dass nun ein ganzes Buch daraus geworden ist. Er reiste nach Ägypten, Italien, in die Schweiz, nach Lörrach und Brüssel und recherchierte bei Archäologen, Juristen, Sammlern, Kunsthändlern, Schmugglern und Kriminalbeamten - und auch bei Fellachen in Ägypten. Systematisch geht er die Kette der Raubgrabungen durch. Von den kleinen Raubgräbern in den Dörfern Ägyptens - oft sind es Kinder, die in die schmalen, einsturzgefährdeten Raubgrabungsschächte geschickt werden - bis zu den kunstsinnigen Sammlern in Deutschland.

                                    Vor Ort in Ägypten

                                    In Abu Sir al Malaq hat sich Günther Wessel die Raubgrabungsfelder vor Ort angesehen. "Loch an Hügel, Loch an Hügel ... Überall menschliche Knochen, Schädelplatten, Oberschenkel, Rippenbögen, achtlos übereinandergeschaufelt. Dazwischen Tuchfetzen - Reste von Bandagen, mit denen einst die Mumien umwickelt waren" (S. 26f.). Im frühen 20. Jahrhundert hatten hier einmal reguläre Grabungen stattgefunden, heute wäre das kaum noch möglich.


                                    Abu Sir al Malaq: Raubgräberlandschaft auf einem ägyptischen
                                    Gräberfeld. [Die Luftbilder in Google Earth zeigen, dass die meisten Löcher
                                    zwischen dem 11.7.2010 und dem 12.9.2012 geschaufelt wurden.]
                                    (Google Maps)

                                    Samstag, 22. August 2015

                                    Der Wind hat gedreht: Die zweite Geburt von Pompeji

                                    Pompeji, Via di Mercurio
                                    (Foto: R. Schreg, 1988)
                                    Ein kritischer Blick, wie es Archaeologik bieten möchte, neigt dazu, negative Geschichten herauszugreifen. Italien und speziell Pompeji hatten da in der Vergangenheit das eine oder andere beizutragen. Hin und wieder ist aber vielleicht auch Optimismus angebracht, wie er nun aus Pompeji zu hören ist:

                                    Das Pompeii Sustainable Preservation Project: http://www.pompeii-sustainable-preservation-project.org/ setzt allerdings auf private Spenden und man wird sehen müssen, ob es gelingt, die Probleme der Konservierung und Restaurierung zu lösen.