Sonntag, 29. Januar 2017

Panama Papers: Zeugen der Globalisierung im 17. Jahrhundert

Schriftliche Dokumente aus Panama zeigen: Auch ohne Briefkästen kommt Panama in den internationalen Handelsbeziehungen eine Schlüsselrolle zu. Die "Panama Papers", um die es dabei geht, sind aber nicht neu, sie wurden nicht geleakt, sondern sind Gegenstand eines internationalen Forschungsprojektes "Artery of Empire", das die komplexen Verflechtungen der frühen Globalisierung aufzudecken versucht.

Der Isthmus von Panama trennt und verbindet zugleich Atlantik und Pazifik und war daher eine strategische Drehscheibe im spanischen Kolonialreich. Panama la Vieja liegt an der Pazifikküste dieser Passage, am Rand der modernen Großstadt und UNESCO-Weltkulturerbe. Hier liefen Einflüße aus Europa, den Amerikas, Afrika und Asien zusammen. Die Interessen von Spaniern, Italienern, Portugiesen, Briten, Niederländern und Franzosen trafen hier zusammen; afrikanische Sklaven und Handelsgüter aus Asien haben deutliche materielle Spuren hinterlassen. Panama spiegelt die frühe Globalisierung, die durch ungleiche kulturelle und wirtschaftliche Beziehungen gekennzeichnet wurde.

Die kathedrale von Panama la Vieja
(Foto: R. Schreg)
2001-2006 hatte ich die Gelegenheit dort archäologisch zu arbeiten. In einem DFG-finanzierten, an der Universität Tübingen angesiedelten Projekt hatten wir Gelegenheit der Frage nachzugehen, wie sich die Conquistadoren und überhaupt die Einwohner der Stadt Panama la Vieja an die neuen Gegebenheiten angepasst haben. Die inzwischen publizierten Forschungsergebnisse unseres Projektes wurden nun in dem neuen Projekt der ARTery of Empire aufgegriffen und mit neuen Forschungen fortgeführt. Im Rahmen des Tübinger Projektes hatte Corina Knipper erste Proben für Isotopenuntersuchungen genommen, die nun zu größeren Serien ausgebaut werden können. Sie leitet die Arbeitsgruppe am Curt-Engelhorn Zentrum für Archäometrie (CEZA)  in Mannheim, das als deutscher Projektpartner die Isotopenuntersuchungen durchführt. Aufgrund der alten Tübinger Projekterfahrungen wurde ich eingeladen, dem neuen Projekt als Mitglied des "Beratergremums" zur Seite zu stehen.


Leiterin des neuen Projektes ist Bethany Aram, Historkerin an der Universität Sevilla. Sie hat mit Hilfe eines ERC-Grants ein Team zusammengestellt, das Historiker, Archäologen, Anthropologen und Genetiker umfasst. Mit den unterschiedlichen Methoden dieser Disziplinen geht es darum die komplexen Strukturen der frühen Globalisierung aufzudecken und die kulturellen und biologischen Auswirkungen der frühen Globalisierung  im 16. und 17. Jahrhundert zu erfassen. Wie agierten die verschiedenen Gruppen in dieser Situation - eingeborene Stämme, verschleppte afrikanische Sklaven, europäische Conquistadoren? Welche Rolle spielten entlaufene Sklaven, euopäische Korsaren, asiatische Händler? Wie passte man sich an die veränderten Lebensbedingungen an? Welche Rolle spielte lokale Produktion, welche Bedeutung kam Importen zu?


Blick über Panama la Vieja
(Foto: R. Schreg)


Der interdisziplinäre Blick hilft die Euro- bzw. Spanien-zentrische Perspektive zu überwinden, die die Forschung bislang dominiert. Der Blick auf die sozialen Unterschichten und die einheimische Bevölkerung spielte bislang eine eher untergeordnete Rolle. Das 17. Jahrhundert wurde als eine Krisenzeit betrachtet, die sich aber nur aus der Sicht Spaniens so ergibt, das immer weniger Profit aus ihren Besitzungen in der Neuen Welt schlagen konnte. Für viele Menschen in Panama ergaben sich hingegen neue Chancen.

handgemachte Keramik aus Panama
(Patronato Panama Viejo, Foto: R. Schreg)
Testamente von Spaniern, die in Panama verstorben sind, haben sich in verschiedenen Archiven weltweit erhalten und liefern Biographien von Angehörigen der spanischen Oberschicht. Detaillierten Auflistungen ihrer Nachlässe geben Einblicke in ihre Haushaltsausstattung und Lebensbedingungen. Die Unterschichten sind eher mit archäologischen und archäometrischen Methoden zu erfassen. Die Untersuchung von Gräbern von verschiedenen Bestattungsplätzen in der Stadt liefert mit DNA- und Isotopenuntersuchungen ebenfalls Rückschlüsse auf Biographien und Lebensbedingungen.  Die Informationen, die man aus diesen Daten gewinnen kann, sind weniger detailliert, liefern aber ein wichtiges Korrektiv zu den schriftlichen Quellen, da sie prinzipiell auch die Menschen zeigen können, die nichts zu vererben hatten oder bei denen die Erbschaftsangelegenheiten vor Ort geregelt wurden.

Knochen, Zähne und archäologische Funde aus Panama ermöglichen neue Einblicke in die kulturellen und biologischen Auswirkungen der frühen Globalisierung. Sie zeigen in der interdisziplinären Erforschung die verschiedenen Überlebensstrategien, wie möglicherweise einer Anpassung der Ernährungsgewohneiten und der Verdienstmöglichkeiten. Im Lauf der Zeit gewannen lokale Produkte, wie auch die Handelsverbindungen nach Asien gegenüber den Kontakten nach Spanien an Bedeutung. Diese Verschiebungen lassen sich theoretisch anhand von Isotopenstudien nachvollziehen. Systematische Probenserien können so Aufschluß über die Dynamik der Globalisierung liefern.

Links

Interne Links

Literaturhinweis

  • B. Scholkmann/ R. Schreg/ A. Zeischka (Hrsg.): A step to a global world. Historical Archaeology in Panamá – German Research on the first Spanish city at the Pacific Ocean. British Archaeological Reports. International Series 2742 (Oxford: Archaeopress 2015 )

Freitag, 27. Januar 2017

"Highly cited research"

Im Mainzer Cluster "Geocycles" ist vor Jahren in der Zeitschrift Anthropocene ein Artikel erschienen, der die Idee eines Palaeoanthropocene skizziert hatte. Da er die verschiedenen Teilprojekte zusammenführte, hatte er viele Autoren. Damit habe ich auch das Vergnügen, einmal gemeinsam mit einem Nobelpreisträger - Paul Crutzen - publiziert zu haben.
  •  S. F. Foley – D. Gronenborn – M. O. Andreae – J. W. Kadereit – J. Esper – D. Scholz – U. Pöschl – D. E. Jacob – B. R. Schöne – R. Schreg – A. Vött – D. Jordan – J. Lelieveld – C. G. Weller – K. W. Alt – S. Gaudzinski-Windheuser – K.-C. Bruhn – H. Tost – F. Sirocko – P. J. Crutzen, The Palaeoanthropocene – The beginnings of anthropogenic environmental change, Anthropocene 3, 2013, 83–88
Das Thema des Artikels, der die Problematik des Beginns des Anthropozäns aufgreift. hat vor dem Hintergund der aktuellen Diskussion um das Anthropozän eine besondere Aktualität. Insofern freut es mich, dass der Artikel gut rezipiert wird. Vom Elsevier-Verlag wurde nun ein Fantasie-Zertifikat über "highly cited research" ausgestellt. Das ist natürlich zunächst einmal eine Marketing-Strategie des Verlages, der sich kontinuierlich gegen Open Access wendet. Auch der betreffende Artikel ist nicht frei zugänglich.
Es wäre interessant zu wissen, welchen tatsächlichen Impact der Artikel (nicht nach den von den Verlagen selbst etablierten Kriterien) im Open Access gehabt hätte.

Montag, 23. Januar 2017

Trump streicht die Geisteswissenschaften

unter Berufung auf eine Quelle aus dem Trump-Team:
Die Streichung der staatlichen Förderung für die National Endowment for the Humanities soll  nur ein Teil der Kürzungen im Kulturbereich sein. Die NEH ist eine der wichtigsten Förderungseinrichtungen für die Geisteswissenschaften in den USA. Man wird sehen, wie ernst das wird, aber von republikanischer Seite gab es in den vergangenen Jahren schon einige Angriffe gegen die Kulturwissenschaften und die Freiheit der Forschung.

Interne Links

Nachtrag (25.1.2017)

Donnerstag, 19. Januar 2017

Scherben, Steine, Wüstungen...

Unter Scherben, Steine, Wüstungen... bloggt seit Juni 2015 Biggi Schroeder. Sie berichtet aus ihrer Tätigkeit als ehrenamtliche Mitarbeiterin der HessenArchäologie. Sie macht regelmäßige Begehungen auf mittelalterlichen Wüstungen.
Ihr Blog zeigt, was Ehrenamtliche an lokaler Forschung leisten und auch an Interessierte weitergeben können. Der Blog präsentiert neben Vorstellungen von Funden auch eigene Erfahrungen, wie etwa der Blogpost Die Erstellung einer Funddatenbank, in der sie Ihre einfache aber effektive excel-Tabelle vorstellt, die auch eine GIS-Auswertung der Daten zulässt. Wie dies funktioniert hat sie schon im Post Ehrenamtliche Bodendenkmalpflege mit QGIS 2.0 dargestellt - ein Post, der übrigens zunächst als Gastbeitrag auf Archaeologik erschienen ist und dessen große Resonanz für Biggi Schroeder die Motivation war, einen eigenen Blog zu beginnen.

Pimgsdorfer Ware
(Foto:B. Schroeder,
m. freundl. Genehmigung)
Solch ein Ehrenamtlichen-Blog erweist sich als eine Möglichkeit, eigene Forschungsergebnisse selbständig zu präsentieren und zur Diskussion zu stellen. So finden sich auf dem Blog kurze Beiträge über einzelne Fundkategorien, insbesondere über ihre Scherbenfunde. Biggi Schroeder zeigt auch, wie sie ihre Funde aufbereitet, so dass sie mit relativ geringem Aufwand von Fachwissenschaflern weitergehend auswertbar sind. 

Dank der guten Aufbereitung, konnte ich Biggi Schroeders Funde im Sommersemester 2015 für eine Keramikübung an der Universität Heidelberg heranziehen (vergl. Archaeologik 22.7.2015). Die Studierenden konnten so praktische Erfahrungen bei der Bestimmung von Keramik sammeln und für Biggi Schroeder war das eine Grundlage für eine erste Auswertung ihrer Wüstungsfunde. Sie berichtet über die Lehrveranstaltung unter Anfassen erwünscht!
Keramikübung mit Lesefunden einer Wüstung
Heidelberg, Sommersemester 2015
(Foto R. Schreg)

Kurz: Nicht nur zum Lesen, sondern auch zur Nachahmung empfohlen!

Dienstag, 17. Januar 2017

Neuzeitliche Flussdynamik - Beispiele aus dem Maintal zwischen Eltmann und Haßfurt (Lkr. Haßberge, Bayern)

Gastbeitrag von Mark Werner

Erste konkrete Beschreibungen oder Zeichnungen des Maintals sind bislang ausschließlich aus der Neuzeit (ab 15. Jahrhundert) bekannt (Gerlach 1990). Mangelnde Kenntnisse zur Flussgeographie und -geologie verleiteten die historische Forschung bislang oft dazu, diese neuzeitlichen Verhältnisse (Flusslauf, Ausdehnung der Aue, Wasserführung, …) einfach in ältere Epochen zu übertragen. Die Folge waren und sind Interpretationen zur frühen Siedlungsgeschichte, die sich am Flusslauf des 19. Jahrhunderts orientieren. Aufgrund ausbleibender Beschäftigung mit der Flussgeschichte ist dieser grundlegende Fehler in vielen Chroniken eingeflossen und selbst belesenen Heimatforschern bis heute vielfach nicht aufgefallen. Der Main war auch hier bis ins 19. Jahrhundert ein mäandernder Fluss. Daher ist es eigentlich offensichtlich, dass man die Aue aus der Zeit der Uraufnahme um 1840, nicht über Jahrhunderte hinweg als identisch in Vor- und Frühgeschichte annehmen darf. Um dieses Problem zu verdeutlichen und ins Bewusstsein zu bringen, sollen die massiven Landschaftsveränderungen durch Flussmäander am Beispiel des Maintales noch einmal skizziert werden.
Der Charakter eines Flusses wird durch viele Faktoren bestimmt, die sich im Laufe der Geschichte grundlegend verändern können. Vor allem die Bewaldung und Bodennutzung im Einzugsgebiet, sowie in der Aue selbst, sind in Mitteleuropa seit dem Hochmittelalter grundsätzlich anders als in älteren Epochen. Es ist also zu erwarten, dass auch der Main selbst sich grundsätzlich verändert hat (Schirmer 1993).

Bis ins Frühmittelalter war das Einzugsgebiet noch großflächig von Laubwäldern und Weiden bedeckt, die dortigen Niederschläge verdunsteten weitgehend. Nur ein relativ geringer Anteil des Regenwassers kam zum Abfluss und speiste Grundwässer, Bäche u.s.w. (Bayer. Amt f. Wasserwirtschaft 2004, 24; Gerlach 2006). Ein intakter Laubwald kann durch sein Laubdach, die dicke und lockere Humusdecke am Boden und sein Wurzelwerk das Vielfache an Niederschlägen speichern und wieder verdunsten lassen, als offene Ackerflächen. Auf Weiden ist die Verdunstungsrate schon deutlich reduziert, aber immer noch wesentlich höher als auf Äckern. Durch den Siedlungsdruck des Hochmittelalters wurden große Flächen urbar gemacht, die Verdunstung im Einzugsgebiet sank, Versickerung und Abfluss nahmen zu. Folglich erhöhte sich die Wassermenge im Main, der Fluss wurde mächtiger und bis heute fließt mehr Wasser durchs Tal, als es in vorgeschichtlicher Zeit der Fall war. Vor allem die Hochwasserereignisse wurden häufiger und extremer. Ein einfaches Beispiel soll dies verdeutlichen: Bei Trunstadt am Main fließen heute durchschnittlich etwa 3,5 Mrd. Kubikmeter Wasser pro Jahr vorbei, während im Einzugsgebiet rund 9,6 Mrd. Kubikmeter Niederschläge fallen. Rund 36 % des Niederschlages kommen also zum Abfluss, der Großteil verdunstet jedoch. Erhöht man nun die Abflussleistung (z. B. durch Rodung) auf 20 % des Einzugsgebietes um „nur“ das Doppelte, erhöhte sich der Abfluss um 700 Millionen m³, der Abfluss des Maines würde also auch um 20 % mächtiger werden. Vor dem Hochmittelalter dürfte der Main eine Abflussleistung gehabt haben, die rund 25 % geringer war als heute (Winiwarter - Bork 2014, 23). Vor Beginn des Ackerbaus betrug der Abfluss vielleicht nur 50 % des heutigen. Also liefen einst Hochwässer, die hauptsächlich für die Erosionskraft und Mäanderbewegung eines Flusses verantwortlich sind (Gerlach 1990, 159), deutlich glimpflicher ab (Bayr. Landesamtes für Umwelt, 5). Die Speicherfähigkeit des Einzugsgebietes und die Schutzwirkung der Auewälder (Bayer. Amt f. Wasserwirtschaft 2004, 35) sorgten für länger anhaltende, jedoch deutlich niedrigere Hochwasserwellen. Ein schwächerer Fluss und sanftere Hochwasser waren also vor dem Mittelalter dafür verantwortlich, dass das Flussbett und die Aue (= flutgefährdeter Bereich des Tals) schmächtiger waren. Die Seitenerosionskraft des „kleineren“ Maines war natürlich auch geringer und deshalb bildeten sich kleinere Mäanderbögen aus. Diese zogen sich daher auch nicht über die gesamte Talbreite hinweg, wie dies in der Neuzeit, z. B. zwischen Limbach und Ziegelanger, der Fall war.



Diese Umstände boten also in der Vor- und Frühgeschichte umfangreiche siedlungsfähige Flächen im Flusstal, wo heute überschwemmungsgefährdete Aue liegen oder die Oberflächen schon längst durch Mäanderbewegungen seit dem Mittelalter abgetragen und umgelagert worden sind. So ist auch zu erklären, warum sich einst Siedler z. B. in Augsfeld oder Sandwörth niedergelassen haben, obwohl diese Orte heute im Überschwemmungsgebiet liegen. Viele unentdeckte Wüstungen dürften durch neuzeitliche Mäanderbewegungen verloren gegangen sein, wie z. B. die Wüstung Aschwinge bei Sand a. Main (Andraschke 2014). Zur Zeit der Erstbesiedlung dieser Niederlassungen waren die Siedlungsbereiche mit Sicherheit hochwasserfrei.

Die neuzeitliche Ausweitung der Flussaue, also des überschwemmungsgefährdeten Bereiches, die zwischen Eltmann und Sand a. Main nahezu die gesamte Talbreite erreichte, ist bis heute in zahlreichen Geländestrukturen, Wegen oder Grundstücksformen erkennbar, die durch den Main angeschnitten wurden. So waren z. B. die Gräben beiderseits der Flur „Wehrleinsleite“ (= etwa „Hang zum Stauwehr“) östlich von Sand a. Main einst Hohlwege, die ins Maintal führten (siehe Abb. 1). Der Fluss kappte jedoch diese Wege, die dadurch ihre Funktion verloren, verwilderten und bis heute als Gräben erhalten blieben. Ein weiteres Beispiel ist der Ort Knetzgau. Eine Ortsname mit sehr früher Erstbenennung (Tittmann 2002, 339-342), obwohl es jedoch der Siedlung lt. Uraufnahme offenbar an einer historischen West-Ost-verlaufenden Hauptstraße mangelt, die bei der heutigen Lage am Main zu erwarten wäre. Wäre diese Siedlung „von Anfang an“ am Main gelegen, hätte es diese Trasse jedoch mit Sicherheit geben müssen. Die naheliegende Lösung des Rätsels: die West-Ost-Achse existierte einst, diese lag jedoch weiter nördlich und wurde durch den stärker werdenden Main im Spätmittelalter oder in der frühen Neuzeit abgetragen. Bis heute quält sich der Verkehr durch Wege, die offensichtlich unter geringerem Verkehrsaufkommen entstanden sind. Durch die südwärtige Auenweitung wurde zwar Knetzgau offenbar abgedrängt, die Siedlung auf dem anderen Mainufer, also Augsfeld, gewann hingegen dadurch an Gemarkungsfläche, da der Fluss auch Grenze war. Eine Siedlung wurde also verdrängt, eine andere profitierte davon. Bei Ziegelanger (Stadt Zeil a. Main) ist noch heute anhand der Gemarkungsgrenze erkennbar, wie sich der Mainmäander einst in die Flur hinein „fraß“ und somit das Land an die gegenüber liegende Seite „übereignete“.

Die Veränderung der Abflussmenge im Main mag sich nach und nach vollzogen haben, Flusslaufverlagerungen und Auenverbreiterungen konnten jedoch bei extremen Hochwasserereignissen quasi „über Nacht“ entstehen. Vor allem in der ersten Hälfte des 14. Jahrhunderts kam es zu außergewöhnlichen Wetterereignissen (Bork 1988, 52), die eine deutliche Veränderung der Talaue im Untersuchungsbereich bewirken mussten. Gipfel dieser Witterungskatastrophen war das Magdalenenhochwasser 1342, wo es zu Abflussmengen und Erosionsereignissen von einem Ausmaß kam, die ohne weiteres Beispiel in der Geschichte sind (Dotterweich - Bork 2007). Diese Katastrophe und die nahende Pest könnten der Anlass zur Anlage des „Urbar B“ durch den Bamberger Bischof anno 1348 gewesen sein. In dieser „Bestandsaufnahme“ wird Ziegelanger noch nicht als Dorf bezeichnet. Lediglich unter dem Abschnitt für Zeil werden Höfe „an dem Ziegelanger“ genannt (Mauer 1981, 255; 456). Es drängt sich förmlich die Vermutung auf, dass der heutige Ort durch Siedler geschaffen wurde, die zuvor im talwärtigen Siedlungsbereich von Zeil lebten. So ließt sich ein Schreiben des Bischofs Lamprecht von Prun an die Zeiler 1379 als Legitimation und Aufforderung zum Bau von Heimstätten im heutigen Stadtbereich von Zeil, da er sich entgegen der bisherigen Auffassung nicht auf den Bau der Zeiler Stadtmauer eziehen kann. Diese ist nach neueren archäologischen Erkenntnissen erst in die Zeit um 1420 zu datieren (Zeune o.J.).  Zum Verständnis muss man natürlich wissen, dass wir im Früh- und Hochmittelalter noch nicht mit den dichten dörflichen Siedlungsstrukturen rechnen dürfen, wie wir sie seit dem Spätmittelalter pflegen. Diesen ging eine aufgelockerte und weilerartige Siedlungsstruktur voraus, aus der sich erst in Hoch- und Spätmittelalter unsere heutige dörfliche Besiedlung entwickelte (Schreg 2006; Brather 2006).


Beispiele von siedlungsnahen Landverlusten seit dem Spätmittelalter

Die Verlagerungen der Mäander und Auenufer, die erst durch die Mainkorrektur in der ersten Hälfte des 19. Jahrhunderts beendet wurden, hinterließen bis heute deutlich sichtbare Spuren in der Landschaft.

Knetzgau

Die heutigen Sportplätze werden nur noch selten bei Hochwasser überflutet, ihre Flächen gehörten jedoch vor der „Mainkorrektur“ im 19. Jahrhundert zum Flußbett des Mains. Das Steilufer ist noch heute deutlich erkennbar. Das einstige Gelände, das seit dem Spätmittelalter abgetragen wurde, wird weiß schraffiert angedeutet. Die neuzeitliche Siedlungslage ist also erst durch Mäanderbewegungen des Flusses zu erklären.
Knetzgau: Steilufer
(Foto: Mark Werner, 28.12.2016)

Sand a. Main

Der Main des 19. Jahrhunderts ist in Form von Altwässern am nördlichen Ortsrand noch erkennbar. Auch hier hinterließ der Main seit dem Spätmittelalter ein Hochufer, das nichts anderes als ein Prallhang einer Mäanderbewegung war. Moderner Straßenbau hat das Steilufer „entschärft“.
Sand am Main: Altwässer am linken Bildrand (Schilf)
(Foto: Mark Werner, 28.12.2016)

Limbach (Stadt Eltmann)

Im Tal kann man weit im Hintergrund den heutigen Flusslauf anhand der Bäume erkennen. Die gesamte Fläche nördlich des Spitzenhügels (sein Anstieg siehe rechte Bildhälfte), eine Fläche von mehr als 60 Hektar, wurde seit dem Spätmittelalter vom Fluss umgelagert oder abgetragen. Sämtliche Spuren möglicher früherer Besiedlung auf diesen einst besiedlungsfähigen und attraktiven Flächen gingen hierdurch verloren.
Limbach
(Foto: Mark Werner, 28.12.2016)



Die Veränderungen der Aue, ausgelöst durch menschliche Eingriffe im Einzugsgebiet des Maines, hatten jedoch für die Anwohner nicht nur Nachteile. Von den stark ausgeweiteten Ackerflächen im Mittelalter floß nicht nur mehr Wasser oberflächlich ab, sondern es gelangten (teils bis heute) riesige Mengen fruchtbaren Bodens in den Fluß. Die Sedimentfracht an sich ließ den Strom zwar schon träger und breiter werden, vor allem werden jedoch bei Hochwassern die Sedimente in der Aue abgelagert. Dies führte im Maintal und anderen Flußsystemen dazu, dass sich die einst sandige und nur extensiv nutzbare Talniederung, durch Anreicherung mit Ablagerungen in fruchtbare Ackerböden verwandelte. Der Autor geht sogar davon aus, dass sandige Böden einst bewußt mit Lehm angereichert wurden, um ihre Fruchtbarkeit und Wasserspeicherfähigkeit zu erhöhen.

Die Anreicherung der sandigen Aue mit (Acker-)Boden erhöhte tendenziell auch das Talnvieau und förderte hierdurch zusätzlich die Auenverlegung in Randbereiche, die zuvor fernab des Flusses lagen. Dabei hinterlassen mäandernde Flüsse oftmals eine Rinne aus aneinandergereihten, ehemals tiefen "Mäanderspitzen". Die sog. "Nahtrinnen" (Schirmer 1988) bleiben oft gut erhalten, da sie bei Hochwassern durchspült oder von Bachläufen auf ihrem Weg zum Main hin "genutzt" werden. Eine solche Nahtrinne aus Altwässern und Senken bildet z. B. zwischen Knetzgau und Zeil auf weiten Strecken die sog. "Landwehr", deren Ursprung leider bislang noch nicht erforscht werden konnte.

Ebenfalls noch nicht untersucht wurde, wo und wie intensiv der einstige Sandabbau zum Betrieb der Ziegelei vorgenommen wurde, der dem heutigen Dorf Ziegelanger seinen Namen verlieh. Ziegel bestehen rund zur Hälfte aus Sand. Es ist naheliegend, hierfür die Siedlung des Namens Sand näher ins Blickfeld zu nehmen und es darf angenommen werden, dass sich der Sandabbau damals merklich auf die Auendynamik auswirkte.

Fazit

Der Main und vermutlich alle Flussläufe des 19. Jahrhunderts können weder in ihrem Verlauf, noch in ihrer Charakteristik, auf das Mittelalter und ältere Epochen übertragen werden. Deshalb sind alljene Aussagen zur Besiedlung in Vor- und Frühgeschichte an ihren Ufern mindestens zu prüfen, die Örtlichkeiten und Eigenarten des neuzeitlichen Flußlaufes benennen. So traurig es ist: wo und wie unsere Talsiedlungen und der Fluss im Hochmittelalter oder früher gelegen und ausgesehen haben, ist schlichtweg unbekannt. Alleine zwischen Augsfeld und Knetzgau oder Ziegelanger und Limbach gingen Landflächen an die Flussaue verloren, auf denen ganze Städte Platz gefunden hätten.
Aus diesem Grund darf man also an einem Fluß bei einer gewissen „Fundarmut“ aus der Vor- und Frühgeschichte keinesfalls auf eine „Siedlungslücke“ in diesen Epochen schließen. Gleichzeitig liefern uns Karten aus dem Spätmittelalter oder der frühen Neuzeit keinesfalls verlässliche Landschaftsbilder, die wir für ältere Epochen annehmen könnten.

Die verstärkte neuzeitliche Flussdynamik ist nicht nur deswegen von Interesse, weil sie bei historischen Untersuchungen meist vergessen wird. Sie ist auch ein umwelthistorisch bedeutsames Phänomen, illustriert sie doch, wie sehr der Mensch auch schon vor der industriellen Revolution unbewusst die Landschaft verändert hat. Diese Veränderungen haben massiv die Verkehrswege verändert. Neben dem Verlust von Wegetrassen war die größere Flussdynamik aber möglicherweise auch ein Grund dafür, dass sich im Spätmittelalter der Transport woh von des Flüssen auf die Strassen verlagert hat (Schreg 2013). Daraus sind aber auch neue Risiken der Überschwemmung entstanden, die immer wieder zum Verlust von Ackerflächen geführt haben.



Schematische Darstellung der Auenveränderung
(Entwurf M. Werner, Graphik: R. Schreg)


Literaturhinweise

Andraschke 2014
Joachim Andraschke: Die Wüstung Ansbiege bei Sand a. Main, unpubl. Skript, Gemeinde Sand, 2014

Bayer. Amt f. Wasserwirtschaft 2004
Bayrisches Amt für Wasserwirtschaft: Hochwasser – Naturereignis und Gefahr  (München 2004). - http://nbn-resolving.de/urn:nbn:de:bvb:12-babs-0000004191

Bayer. Landesamt f. Umwelt
Hochwasserschutz – damit ein Naturereignis nicht zur Katastrophe wird. Broschüre des Bayr. Landesamtes für Umwelt (München o.J.). - https://www.lfu.bayern.de/veranstaltungen/doc/ausstellung_hochwasser.pdf

Bork 1988
H.-R. Bork, Bodenerosion und Umwelt. Verlauf, Ursachen und Folgen der mittelalterlichen und neuzeitlichen Bodenerosion. Modelle und Simulationen, Landschaftsgenese und Landschaftsökologie 13 (Braunschweig 1988).

Bork – Winiwarter 2014
H.-R. Bork – V. Winiwarter, Die Geschichte unserer Umwelt. Eine Weltreise in 60 Stationen (Darmstadt 2014).

Brather 2006
S. Brather, Entwicklungen der Siedlungsarchäologie. Auf dem Weg zu einer umfassenden Umwelt- und Landschaftsarchäologie?, Siedlungsforsch. 24, 2006, 51–97.

Dotterweich – Bork 2007
M. Dotterweich – H.-R. Bork, Jahrtausendflut 1342, Archäologie in Deutschland 2007/4, 38–40

Gerlach 1990
R. Gerlach, Flußdynamik des Mains unter dem Einfluß des Menschen seit dem Spätmittelalter. Forsch. dt. Landeskde. 234 (Trier 1990)

Gerlach 2006
R. Gerlach, Holozän: Die Umgestaltung der Landschaft durch den Menschen seit dem Neolithikum, in: J. Kunow – H.-H. Wegner (Hrsg.), Urgeschichte im Rheinland, Jahrbuch 2005 (Köln 2006) 87–98 - http://www.uni-koeln.de/math-nat-fak/geographie/ag/radtke/pdf/pdf/mitarbeiter/gerlach/Gerlach-Urgeschichte-2006.pdf

Tittmann 2002
A. Tittmann, Hassfurt. Der ehemalige Landkreis, Historischer Atlas von Bayern. Teil Franken. Reihe 1 Heft 33 (München 2002).

Mauer 1977
H. Mauer, Chronik der Stadt Zeil am Main 2 (Zeil am Main 1977).

Schirmer 1993
W. Schirmer, Der menschliche Eingriff in den Talhaushalt, Kölner Jahrb. 26, 1993, 577–584.

Schreg 2006
R. Schreg, Die Archäologie des mittelalterlichen Dorfes in Süddeutschland. Probleme – Paradigmen – Desiderate, Siedlungsforsch. 24, 2006, 141–162.

Schreg 2013
R. Schreg, Verkehr und Umwelt - Herausforderungen und Interessenskonflikte in Mittelalter und früher Neuzeit, in: T. Fischer – H. G. Horn (Hrsg.), Straßen von der Frühgeschichte bis in die Moderne. Verkehrswege - Kulturträger - Lebensraum, ZAKMIRA-Schriften (Wiesbaden 2013) 147–167.

Zeune
Zeil am Main, Stadtmauer. Büro für Burgenforschung, Dr. Zeune - http://www.burgenforschung-zeune.de/pages/projekte_zeil3.htm






Mark Werner
ist Mitglied beim Historischen Verein Landkreis Haßberge e. V., der Gesellschaft für Archäologie in Bayern e. V. und dem Verein für Heimatgeschichte Eltmann e. V., sowie ehrenamtlich aktiv für das Landesamt für Denkmalpflege in Bayern. Sein Interessensschwerpunkt liegt auf der Landschaftsgeschichte im Maintal und Steigerwald. Im Hauptberuf ist er Verkaufsleiter.

Montag, 16. Januar 2017

Konsultation zu EU-Gesetzgebung für den Kulturgüterschutz

Im Zusammenhang mit der Neuregelung des deutschen Kulturgüterschutzgesetzes wurden einheitliche europäische Regelungen zur Einfuhr  von Kulturgütern gefordert.

Die EU-Kommission hat dazu im Dezember eine Konsultation gestartet mit Frist am 23.1.2017, mit der bei allen Stakeholdern Stellungnahmen abgefragt werden.
Hier müssen dringend auch die archäologischen Belange eingebracht werden, denn eine Lösung entsprechend dem neuen Kulturgüterschutzgesetz mit untauglichen Fristenlösungen und einer Ausklammerung von Fundmünzen hilft in keiner Weise Raubgrabungen zu stoppen, da damit die Hintertür sperrangelweit geöffnet wird.

Links

Donnerstag, 12. Januar 2017

Die Hausbücher der Nürnberger Zwölfbrüderstiftungen

Die Hausbücher der Mendelschen Zwölfbrüderstiftung in Nürnberg stellen ein wichtiges Beispiel für die Bedeutung der Bildquellen dar, wenn es um die Interpretation archäologischer Funde geht.
1388 hatte der Nürnberger Händler Konrad Mendel ein Altenheim gestiftet, das zwölf Plätze umfasste. Die Stiftung bestand bis ins 19. Jahrhundert. Seit etwa 1425 wurde jeder „Mendelbruder“ im Mendelschen Hausbuch porträtiert. Zumeist - vor allem bei den älteren Darstellungen - sind die Brüder in ihrem Beruf dargestellt. In mittelalterarchäologischen Publikationen finden sich regelmäßig Abbildungen aus den Hausbüchern, allerdings in sehr eingeschränkter Auswahl.
Insgesamt 765 großformatige Handwerkerdarstellungen zeigen zahlreiche Alltagsdarstellungen aus zahlreichen Berufen, wie Sattler, Waagmeister, Paternosterer... Sie zeigen Produktionsprozesse, aber auch zahlreiche Objekte, die für die Bestimmung archäologischer Funde von großer Bedeutung sind.

Paternosterherstellung
Menelsche Zwölfbrüderstiftung
(PD, via WikimediaCommons)
In einem Digitalisierungsprojekt wurden vor einigen Jahren die Bilder online gestellt:
Die Nutzungsrechte der Bilder sind umstritten. Die Stadtbibliothek Nürnberg hat die online-Bilder mit einem Wasserzeichen versehen und macht damit Nutzungsansprüche geltend, die aber beispielsweise WikimediaCommons als "Copyfraud"  zurück weisen, die die Bilder unter https://commons.wikimedia.org/wiki/Category:Hausbuch_der_Mendelschen_Zw%C3%B6lfbr%C3%BCderstiftung_Band_1 mit einer CC-Lizenz eingestellt haben.

Freitag, 6. Januar 2017

Wissenschaft soll unpolitisch sein. Geht das?


Auf der TAG Konferenz 2016  in Southampton (http://www.southampton.ac.uk/tag2016/index.page?) widmete sich am 21.12.2016 eine komplette Session dem Thema "Archaeology Is a Political Matter". Die Session wurde durch Rob Lennox (Council for British Archaeology, Chartered Institute of Archaeologists, University of York) und Lorna-Jane Richardson (Umeå University, Council for British Archaeology) organisiert. Sie zeigt die große Bandbreite des Themas, die die Haltung der britischen Kollegen gegenüber dem BREXIT ebenso umfasst, wie die Einordnung in das System der Commercial Archaeology, die den Ansprüchen der Wissenschaft und Denkmalpflege an vielen Punkten diametral entgegen steht. Dazu zählt aber auch die kritische Auseinandersetzung mit gesellschaftlichen Mythen.

Die Vorträge wurden im Livestream auf YouTube übertragen und sind dort abrufbar:


Abstract der Session
In the UK, the discipline and the contexts in which archaeology is practiced are vulnerable to public policy changes and the broader impacts of economic austerity, be these contract archaeology, community projects, or within museums and archives. The role of archaeology in politics, and politics in archaeology, in the UK has been under researched and under theorised in recent years.
Politics and archaeology goes beyond grand narratives of nationhood, and extends into everyday matters, such as relatively small but vital functions of local government. Archaeologists themselves act politically in various scales, from the narrow (e.g. lobbying for technical policy changes) to broad (e.g. influencing understandings of nation, culture, identity, and place). We are actors within in a complex system where our decisions as professional archaeologists are deeply intertwined with wider political policy, yet this is not explicitly obvious to many professionals employed in the sector, or indeed by interested citizens, or our political representatives.
This session remains open to traditional areas for debate on the role of politics in archaeology, but would also like to invite papers that explore the role of archaeologists as political actors and attempt to understand how our work affects political decisions, and vice versa. It will include discussion on policy and advocacy from the narrow (e.g. who are archaeological advocates?) to the broad (e.g. what part can archaeology play in current societal debates such as over climate change, migration, Brexit?) and will attempt to provoke debate about archaeology and heritage as a tool in various political agendas (e.g. nationalism, anti-austerity/neoliberal capitalism, cosmopolitanism).
mit abstracts der einzelnen Vorträge: http://www.southampton.ac.uk/tag2016/sessionsabstracts/session1.page
 Vorträge:
  • Einführung durch Lorna Richardson (ab 22:19)
  • Kevon Woodbridge: Brexit - The elephant in the room The politics of Brexit. Why archaeologists need to be concerned (ab 26:26)
  • Marjolijn Kok: Quitting my archaeological job as a political deed (ab 50:35)
  • Florence Smith Nicholls: Commercial archaeology and narratives of British exceptionalism (ab 1:10:51)
  • Rob Lennox: Selling a political framework for the Public Value Era (ab 1:29:25)
  • Matthew Seaver: Breaking ground, fighting back; Unite Digging for a Living Wage (ab 2:29:50)
  • David Jennings: Time to bite the hand that feeds? Or, at the very least, give it a long, hard squeeze
  • Penelope Foreman: "Another Brick in the Wall" - Archaeological Outreach in Schools as a Political Act
  • Tom Booth: DNA and Soil: Archaeology, Palaeogenetics and Nationalism
  • Susan Greaney: Where history meets legend… and produces political sparks; presenting Tintagel Castle, Cornwall
  • Ben Gearey:Turf Wars: Politics and Peatland Archaeology in Ireland
  • Andy Brockman: “News is what someone wants suppressed. Everything else is advertising." The need to develop Investigative Journalism in the Archaeological Media
  • Mike Nevell: Creating a Political Base for Archaeology: The Greater Manchester Experience
  • Lorna Richardson / Rob Lennox: Local archaeological activism: The trials of leading horses to water
  • Aisling Nash: Local archaeology for local people?

Dienstag, 3. Januar 2017

Morden und Restaurieren in Aleppo (Syrien/Irak im Dezember 2016)

Die Katastrophe von Aleppo demonstriert einmal mehr, wie hilf- und planlos die Welt Gewalt und Massenmord gegenüber steht. Wieder wird Kulturerbe instrumentalisiert: Dieses Mal will das syrische Regime mit der Dokumentation und ersten Räumungsarbeiten in Aleppo noch während des Sterbens im Osten der Stadt seine Kultur unter Beweis stellen.

Während im Ostteil der Stadt heftig gekämpft, gemordet und gestorben wird, hat die syrische Altertumsbehörde wenige Meter nebenan die Zitadelle von Aeppo mit Dronenbefliegungen fotografisch dokumentiert, um eine Grundlage für künftige Restaurierungsarbeiten zu erhalten.
Zitadelle von Aleppo in einer 3D-Aufnahme von Oktober/November 2016
(DGAM/ ICONEM [CC BY SA 4.0] via DGAM)
Auch im Umfeld der Umayade-Moschee in Aleppo haben auf Anweisung des Präsidenten Assad und des Gouverneurs von Aleppo Räumungsarbeiten begonnen. Durch den Schutt von Aleppo wurden LKW-Trassen geräumt. Die Proagandakomponente dieser Maßnahmen parallel zum andauernden Morden im Osten der Stadt in nicht zu übersehen.


Erneuter Vormarsch des Daesh gegen Palmyra

Während alle Welt auf das Zurückdrängen von Daesh im Norden Iraks und in Libyen schaut, ist er im Süden Syriens wieder auf dem Vormarsch. Im Norden Syriens und im Irak um Mossul war Daesh in letzter Zeit vertrieben worden. Mit der Konzentration der syrischen und russischen Kräfte im Kampf um Aleppo hat Daesh Palmyra besetzt. Es steht zu befürchten, dass es zu weiteren Zerstörungen kommen wird.

Mächte in Syrien, Mitte Dezember 2016 (nicht dargestellt ist die türkische Intervention)
(nach Pieter Van Ostaeyen,
https://pietervanostaeyen.files.wordpress.com/2016/12/img_6616.png?w=640,
zur Nutzung freigegeben lt. https://pietervanostaeyen.wordpress.com/about/),




9.12.
Ersten Meldungen über ein Vordringen von Daesh folgt nach wenigen Stunden die Nachricht eines Militärschlages der US-geführten Anti-IS-Koalition gegen einen Tankwagenkonvoi.
10.12.
Daesh hat Teile Palmyras erneut eingenommen, bis dato jedoch nur Stadtviertel im Nordwesten. Im Stadtzentrum wird gekämpft.
11.12.
Palmyra erneut bedroht
(Foto: M. Scholz, 1993)
Verwirrung, ob die Nachrichten einer Einnahme der Ruinenstätte tatsächlich zutreffend sind. Die Kämpfe gingen anscheinend hin und her. Im Verlauf des 11.12. soll Daesh Palmyra mitsamt der antiken Stadt eingenommen haben, nachdem russische Luftangriffe sie nur vorübergehend zurück gedrängt hatten.
12.12.
russische Luftangriffe auf Palmyra (bezieht sich aber eventuell auf die Angriffe vom 9.12.)
16.12.
Während der Tragödie in Aleppo ist die Situation in Palmyra aus den Augen geraten. Es gibt kaum Meldungen darüber, was vor Ort passiert, um so mehr wir über die syrisch-russischen Absichten nach dem Fall Aleppos spekuliert.
Zur strategischen Bedeutung Palmyras:
26.12.
Die russische Medienplattform Sputnik verbreitet Erfolgsmeldungen des syrischen Militärs - der Schauplatz liegt jedoch westlich von Palmyra. Die Zivilbevölkerung sei evakuiert worden. Berichte aus der Stadt und der Ruinenstätte scheint es nicht zu geben. Russland beschuldigt via RTtoday die USA, dem IS Aufklärungsdaten überlassen zu haben.

Zerstörungen

Schadensberichte

ASOR und Heritage for Peace haben ihre regelmäßigen Berichte veröffentlicht:
Die syrische Altertumsverwaltung postet regelmäßig Bilder von einzelnen Orten und Regionen. Zum Beispiel:

Aleppo

Video zeigt Schäden an der Zitadelle von Aleppo
Bilder

Apameia


        Daesh-Zerstörungen im Irak

        Im Irak ist Daesh auf dem Rückzug und zunehmend werden neue Nachrichten über Zerstörungen etwa in Nimrud bekannt.
        Mächte in Irak, Anfang Dezember 2016 (nach Pieter Van Ostaeyen,
        https://pietervanostaeyen.files.wordpress.com/2016/12/img_6615.png?w=640,
        zur Nutzung freigegeben lt. https://pietervanostaeyen.wordpress.com/about/),


          gerettete und vernichtete Manuskripte:

            Mosul

            Nimrud

            Aus Nimrud liegen neue Bilder vor, die die Daesh-Zerstörungen zeigen, bemerkenswerterweise konnten aber keine Raubgrabungsspuren vor Ort beobachtet werden.
            Eine Delegation der UNESCO hat Nimrud besucht. Es werden nun Plünderungen des verwüsteten Fundstelle befürchtet.

            Die Brücke von Ain Diwar

            Der Bürgerkrieg in Syrien und der Krieg gegen Daesh haben  durch einen geschwächten Staat zu einer Vernachlässigung oder gar Plünderung des kulturellen Erbes geführt - oder auch durch direkte kriegerische Zerstörung, sei es unbeabsichtigt als Kollateralschaden oder als gezielte Provokation und kulturelle Vernichtung des Gegners.  Im Falle der Brücke von Ain Diwar ganz im Norden Syriens, nur wenige hundert Meter von der Grenze zur Türkei entfernt zeigt sich ein neuer Fall. Wenn man der syrischen Altertumsbehörde Glauben schenkt, nutzt die Türkei die Gelegenheit eines fehlenden syrischen Verhandlungspartners um einseitig Eingriffe in den Flusslauf des Tigris umzusetzen, der hier die Staatsgrenze bildet. Die Flußbaumaßnahen sollen den Lauf des Tigris auf syrisches Staatsgebiet umlenken. Dort gefährden sie die Reste einer seljukischen Brücke aus dem 12. Jahrhundert.




                  Antikenhehlerei

                  Im Freihafen in Genf wurden geplünderte Antiken aus Syrien, Libyen und dem Jemen sicher gestellt. Alle drei Länder sind derzeit bürgerkriegsgeschüttelte Krisenregionen, die nun sicher gestellten Objekte wurden aber schon zuvor geplündert, denn nach Dokumente wurden sie 2009 bzw. 2010 in Genf eingelagert . 2013 sind sie bei einer Inspektions erstmals in den Fokus der Behörden geraten.

                  Erinnert sei in diesem Kontext an die inzwischen 6 Jahre alte Geschichte der Plünderung palmyrenischer Grabreliefs durch Medienmogul Helmut Thoma, die ein Licht auf die Mentalität der Käufer wirft: 
                  Die Rolle westlicher Museen:

                      Terror-Finanzierung

                      Durch die US-Regierung  wurde eine Gerichtsklage eingereicht, mit der der Handel mit konkreten Objekten verhindert werden soll, die von Daesh verkauft und in den Handel gebracht wurden. Die Klage ist als Warnung an potentielle Käufer gedacht. Es handelt sich um einen goldenen Ring sowie antike Münzen, deren Bilder auf dem Handy von Abu Sayyaf gefunden worden waren, nachdem dieser im Mai 2015 von einem US-Spezialkommando in Ost-Syrien getötet wurde.
                      Dabei wurden jetzt weitere Dokumente veröffentlicht, die ebenfalls bei der Militär-Razzia im Mai 2015 sichergestellt worden waren (siehe Archaeologik [2.6.2015]; Archaeologik [1.8.2015]). Sie zeigen zum einen die Brutalität, mit der Daesh die Raubgräber ausbeutet - Geiselnahme inklusive. Sie erzählen die Geschichte einer Gruppe von Frauen, die über acht Monate auf der Fundstelle von al-Salihiyyah (wohl nahe Dura Europos) gearbeitet haben, ehe sie einen Schatz von Goldmünzen gefunden haben. Daraufhin enstand ein Streit um die fällige Steuer, wobei der Daesh-Vertreter Abu Layth das Angebot gemacht hat, den ganzen Schatz zu einem günstigen Preis zu kaufen. Als die Familie der Finder das Angebot, gestützt auf eine wesentliche höhere Schätzung eines Händlers, nicht annehmen wollte, entführte Abu Layth einen  15 Jahre alten Jungen und hielten ihn für zwei Wochen in Raqqa gefangen. In den Unterlage rechtfertigt sich Abu Layth und erklärt, dass er "via mediators" mit Händler in der Türkei in Beziehung stand, von denen er eine Schätzung des Goldschatzes auf 200.000$ erhalten hat - den Findern hatte er 70.000$ geboten. Die Familie wendete sich an ein IS-Gericht, das schließlich die Entlassung Abu Layths anordnete.
                      Neben diesem Fall zeigen die neu vorgelegten Unterlagen auch die Bilder von vier Objekten, die Abu Sayyaf persönlich verkauft hat
                         

                      Massnahmen

                      Neben den eingangs erwähnten Arbeiten im umkämpften Aleppo gibt es laut TASS russische Pläne zur Restaurierung in Palmyra, das inzwischen jedoch wieder in der Hand von Daesh ist.

                         3d-Modelle


                          Tagungen und Ausstellungen

                          DGAM in Damaskus
                            Ausstellung in Paris zu Palmyra
                            dazu eine weitere Tagung
                            Ausstellung im AgaKhan-Museum in Toronto:

                                  Pläne zur Verfolgung der Daesh-Zerstörungen als Kriegsverbrechen


                                    politische Möglichkeiten

                                    in den USA, formuliert vor der Wahl von Trump

                                            UNESCO-Tagung in Abu Dabi

                                            In Abu Dhabi haben sich vom 2. bis 3. Dezember Repräsentanten von mehr als 40 Ländern  bei der Tagung "Safe-guarding Endangered Cultural Heritage" getroffen. Unter den Teilnehmern befanden sich auch der Kronprinz der Vereinigten Arabischen Emirate Scheich Mohammed bin Zayed, der griechische Premierminister Alexis Tsipras sowie der französische Staatspräsident François Hollande. Sie riefen zu globaler Einigkeit beim Schutz der Kulturgüter vor Terrorismus und illegalem Antikenhandel auf. Vertreten waren auch die Präsidenten der beiden Länder Jemen und Mali, die selbst stark von Plünderungen und kriegs-/terrorbedingten Zerstörungen betroffen sind.
                                            Fünf Nobelpreisträger - Aung San Suu Kyi, Kofi Annan, Ellen Johnson Sirleaf, Orhan Pamuk und Mario Vargas Llosa - riefen in einem gemeinsamen Statement zu entschlossenem Handeln auf, um den irreversiblen Verlust von Kulturgut zu stoppen, den Extremisten betrieben, um die Hoffnung auf eine Zukunft zu untergraben.  Die Zeit für hilflose Empörungs-Statements sei vorüber, so das eher hilflose Empörungsstatement.

                                            Fond für den Schutz bedrohten kulturellen Erbes

                                            Auf der Tagung wurde beschlossen, 100 Mio. US-$ für den Schutz bedrohten kulturellen Erbes zur Verfügung zu stellen. Frankreich hat alleine 30 Mio. zugesagt. Mit dem Fond sollen  die weltweite Initiative "Unite for Heritage" und die Bemühungen der UNESCO zum Schutz von Kulturgut im bewaffneten Konflikt unterstützt werden.

                                              "Abu Dhabi Declaration"

                                              Eine auf der Veranstaltung veröffentlichte "Abu Dhabi Declaration" betont die Rolle des Kulturerbes für Tolereanz, Freiheit und Respekt . Die Deklaration ist auf der Website des französischen Außenministeriums veröffentlicht:

                                                Safe Haven

                                                Die Konferenz in Abu Dabhi trat dafür ein, das Konzept des Safe Haven auszubauen. Gefährdeten (beweglichen) Kulturgütern aus Krisenregionen könnte damit auf legaler Basis Asyl im Ausland gewährt werden.
                                                Die Weltzollorganisation (WCO), deren Anstrengungen für eine Bewustseinsbildung für die Problematik des illegalen Handels mit Antiken von mehreren Redner hervorgehoben wurde, begrüßt die Deklaration. Sie verweist auf ihre eigene WCO Resolution on the role of Customs in preventing the illicit trafficking of cultural objects vom Juli 2016.

                                                weitere Meldungen zur Konferenz


                                                Weitere Berichte


                                                Links

                                                frühere Meldungen zum Bürgerkrieg in Syrien auf Archaeologik (u.a. monatliche Reports, insbesondere Medienbeobachtung seit Mai 2012), inzwischen auch jeweils zur Situation im Irak

                                                Dank an diverse Kollegen für Hinweise und Übersetzungen.

                                                      Sonntag, 1. Januar 2017

                                                      Archaeologik 2016

                                                      Zum neuen Jahr ist es Zweit für den inzwischen schon üblichen Jahresrückblick

                                                      Archaeologik Wissenschaftsblog des Jahres 2015

                                                      Anfang des Jahres hat die Wahl von Archaeologik zum Wissenschaftsblog des Jahres 2015 viel Resonanz gefunden (vergl. Archaeologik 5.1.2016; Wissenschaft kommuniziert). Über Twitter haben unter anderen die Leibniz-Gemeinschaft, das Ludwig-Boltzmann-Institut for Archaeological Prospection and Virtual Archaeology (LBIArchPro), das Helms-Museum Hamburg (ArchäologischeMuseum) die Nachricht verbreitet; weiterhin haben Archäologie online, die DGUF und die Deutsche Gesellschaft für Archäologie des Mittelalters und der Neuzeit die Meldung aufgegriffen.
                                                      Ende des Jahres wurde Archaeologik erneut für den Preis nominiert, doch sind nun auch andere archäologische bzw. historische Blogs im Rennen (vergl. Archaeologik v. 15.12.2016).

                                                      2016 auf Archaeologik

                                                      Als Folge des Preises hat sich im Januar die Zahl der Zugriffe mehr als verdoppelt, wobei aber ein nicht geringer Anteil davon einem größeren Crawler- und Spamaufkommen zuzuschreiben ist. Im Folgenden sind die Zugriffszahlen aber wieder fast auf das vorige Niveau von rund 300 Zugriffen pro Tag im März  abgesunken. Der April war gar sehr dünn mit insgesamt nur rund 9000 Zugriffen auf das Niveau von August 2014 zurückgefallen. Das ist freilich etwa die Größenordnung, die ich als realistische Zahlen ohne Crawler vermutet hatte. In der Tat gab es im April keine Hinweise auf besondere minutenweise Massenzugriffe. Ein Faktor bei diesem Einbruch war auch, dass die Zahl der Blogposts im März und April mit jeweils nur 9 und im Mai mit nur 7 Posts besonders niedrig lag. Die Evaluierung des RGZM, ein Buchprojekt und nachfolgend eine dreiwöchige Feldkampagne ließen  nur wenig Zeit..
                                                      Zugriffe vor und nach der Preisverleihung

                                                      Während der Sommerferien erhielt die facebook-Gruppe Archaeologik merklich mehr Zulauf. Beitrittsanfragen werden in aller Regel angenommen. Immer wieder gibt es aber Profile, die 'unecht' aussehen, von denen viele nach ein paar Tagen inaktiv sind. Solche Verdachtsfälle stelle ich inzwischen oft einige Wochen zurück. Die Gruppe dient vor allem dazu, die Posts in fb einzuspeisen, doch funktioniert die automatische Weiterleitung leider nicht mehr. Das Twittern läuft automatisch, was allerdings den Nachteil hat, dass normalerweise keine Hashtags enthalten sind. Das Posten auf Google+ ist ebenfalls nicht automatisiert und geschieht nicht mehr sehr regelmäßig.


                                                      Im Oktober zeigten sich in den Google-Zugriffen auffallende Rhytmen, die dazu führten, dass einerseits stundenweise, aber auch tagweise sich niedrige und hohe Zugriffszahlen abwechseln. Damit waren die monatlichen Zugriffe wieder bei etwa 12.000, dürften aber um diese Beobachtungen bereingt unverändert bei tatsächlich rund 9-10.000 liegen.
                                                      Im Dezember sind die Zugriffszahlen wieder rasant angestiegen, so dass nach der Google-Zählung die Marke von 30.000 Zugriffen im Monat deutlich überschritten wurde. Das ist mit Sicherheit eine Folge des Adventskalenders, der einerseits tatsächlich täglich einige zusätzliche Zugriffe generiert hat, vor allem aber hat die hohe Blogfrequenz auch wieder häufiger Crawler auf Archaeologik gezogen. Im Vergleich zum Januar blieben - soweit erkennbar und rein empirisch zu beurteilen - die Spam-Zugriffe selten.

                                                      Den Adventskalender im Dezember habe ich bewusst einfach als bloße Blogposts gehalten. Ich habe diese Türchen nicht direkt in der facebook-Gruppe eingestellt (in der fb-Vorschau würde man schon hinters Türchen blicken). Dies verrät sehr schön die Zahl der regelmäßigen Besucher, da hier nur gezählt wurde, wer über "weiterlesen" tatsächlich den Blogpost besucht hat. Das sind etwa 80 Zugriffe. Das heisst, dass maximal ein Viertel der täglichen Zugriffe direkt über den Blog (also regelmäßge Besuche bzw. rss-Nachrichten) generiert wird. Die große Masse der Leser rezipiert die Posts also über die direkte Verlinkung in den Social Media.



                                                      Entwicklung der Zugriffe seit Beginn von Archaeologik auf der plattform Blogger, 2016 markiert
                                                      (Quelle: Blogger Statistik)
                                                      Insgesamt zählt Google Analytics für den Zeitraum vom 1.1. bis 31.12.2016 rund 36.500 Sitzungen bzw. 57.985 Sitzungen Die Blogger-Statistik gibt demgegenüber für den gleichen Zeitraum 221.789 (Vorjahr: 168.354) Seitenaufrufe an, also fast 18.500 Zugriffe pro Monat. Die Hintergründe der Zahlen sind mir immer noch nicht ganz klar, die Angaben aus Google Analytics scheinen mir nicht zuletzt wegen der beschriebenen Beobachtungen realistischer.


                                                      Themen 2016

                                                      Thematisch wurde Archaeologik von Themen aus dem Kulturgüterschutz bestimmt. Die häufigsten Labels im Blog sind Kulturhut, Antikenhehlerei und Raubgrabung. Die seit Mai 2012 laufenden monatlichen Medienberichte zu Syrien und Irak wurden weiter fortgesetzt. Eigentlich hatte ich vor, die Berichte nun kürzer zu fassen, doch wurde ich persönlich mehrfach darauf angesprochen und bestärkt, damit weiter zu machen, da ein adäquates Angebot von anderer Seite eben fehle.

                                                      Geringere Aufmerksamkeit galt anderen Krisengebieten wie Jemen und Libyen. Auch Ägypten war 2016 wieder nur selten Thema. Zweimal hat Jutta Zerres einen kurzen beitrag gepostet:

                                                      Rezensionen gab es 2016 vier:

                                                      Blogposts zu anderen Aspekten einer kritischen Archäologie traten demgegenüber eher zurück. Verwiesen sei jedoch auf einige Beiträge, die im Zusammenhang mit der Präsidentenwahl in den USA stehen und die zum Nachdenken über die Rolle der Kulturwissenschaften anstoßen. Beim Byzantinistenkongress in Belgrad ergab die Eröffnungsrede des serbischen Staatspräsidenten Anlass für einen Blogpost, der einen Versuch dokumentiert, Archäologie und Denkmalpflege für politische Zwecke zu missbrauchen:
                                                      Themen aus laufenden eigenen Projekten gab es 2016 nur wenige, da wir im laufenden Projekt zu Caricin Grad in Serbien die Feldarbeiten im Frühjahr erst einmal abschließen konnten. Mit einiger Verspätung berichtete ein Blogpost über einen Tag der Surveys.
                                                      Aus der Aufarbeitung der Sammlung Kley sind einige kleinere Blogposts online gegangen:

                                                      Eingeflossen in den Blog sind aber noch von meiner Vertretungsprofessur in Heidelberg 2015 ein auf ein Seminar zurück gehender Gastbeitrag sowie einige Blogposts begleitend zu meiner Wiener Vorlesung im laufenden Semester (Label "Lehrveranstaltung").

                                                      Die Beiträge

                                                      Die zehn meist gelesenen Beiträge 2016:

                                                      1. Mittelalterliche Keramik aus Geislingen
                                                      14.12.2011, 1.583 Seitenaufrufe

                                                      2. D. Gronenborn, Europe is based on Migration, Cooperation and Adaptation – A brief glance at long time scales
                                                      21.12.2015, 1436 Seitenaufrufe

                                                      3. I. Saev, Zur Diskussion über das „wilde Sondeln“ - Möglichkeiten, Schwierigkeiten und Perspektiven des „Schleswiger Modells“
                                                      7.8.2015, 1300 Seitenaufrufe (wird aus mir unbekannten Gründen bei den Statistiken in GoogleBlogger gar nicht aufgeführt)

                                                      4. Der Ziggurat von Nimrud wurde einplaniert!13.11.2016, 726 Seitenaufrufe

                                                      5. D. Gronenborn, Europäische Gesellschaften beruhen auf Migration – ein kurzer Blick in lange Zeiträume
                                                      28.10.2015, 709 Seitenaufrufe

                                                      6. Ein Räuber im Zauberwald - die Vernichtung einer Quelle zur Völkerwanderungszeit
                                                      21.2.2014, 626 Seitenaufrufe

                                                      7. J. Zerres, Weg mit der Sau ? - Vom Umgang mit schwierigem Kulturgut 3.9.2016, 591 Seitenaufrufe

                                                      8. Der Schwarze Tod in der Bronzezeit
                                                      16.1.2016, 581 Seitenaufrufe

                                                      9. J. Zerres, "Das nennt sich Fieldwork, ihr Schnarchzapfen“ – Der Rülzheimer „Barbarenschatz“ und die öffentliche Wahrnehmung von Denkmalpflege und Archäologen
                                                      27.2.2014, 543 Seitenaufrufe

                                                      10. Facharchäologische Argumente gegen die Metallsuche durch Laien - ein Kommentar zum Beitrag von Raimund Karl
                                                      13.11.2016, 533 Seitenaufrufe

                                                      Diese Zahlen der Seitenaufrufe beruhen auf GoogleAnalytics, wobei die dort getrennt aufgeführten Zahlen für die Mobilversionen addiert wurden. Sie beziehen sich ausschließlich auf das Jahr 2016, also auch bei den älteren Blogposts (Zahlen Stand 31.12.2016). Die Zahlen laut Blogger liegen teilweise deutlich höher, sie sind aber wenig zuverlässig. So taucht in der Blogger-Liste der am häufigsten gelesenen Posts der Beitrag von I. Saev über das wilde Sondeln überhaupt nicht auf, obwohl er in der Einzelzählung bei Blogger über 2800 Zugriffe hat und er damit eigentlich weit oben in der Liste stehen müsste.

                                                      Insgesamt habe ich 2016 auf Archaeologik 162 Posts eingestellt, so dass, wenn man den Adventskalender berücksichtigt, die Zahl der Posts gegenüber dem Vorjahr etwa konstant geblieben ist (Vorjahr: 135). Insgesamt sind inzwischen über 1000 Posts auf Archaeologik erschienen.
                                                      2016 wurden 5 Posts auf  Englisch eingestellt, wobei es sich hier vor allem um Gastbeiträge von Detlef Gronenborn und Constanze Röhl handelt. Die Zahl der  Gastbeiträge beläuft sich auf 13 (Vorjahr: 14). Autoren waren Detlef Gronenborn (5 Beiträge), Jutta Zerres (4 Beiträge), Constanze Röhl (3 Beiträge) und Jonny Schwabe (1 Beitrag). (Der Adventskalender, zu dem Jutta Zerres beigetragen hat, nicht mitgezählt) Hinzu kommt ein Blogpost, der auf einen Text der Fachschaft UFG/INA, Universität Tübingen zurückgeht.


                                                      Beiträge über Archaeologik

                                                      In einem 2016 publizierten Beitrag in den Archäologischen Informationen über Archaeologik sind einige grundsätzliche Bemerkungen und Erfahrungen zu Archaeologik zusammengefasst.
                                                      Ein Blogpost zeigt den Publikationsprozess, den dieser Artikel durchlaufen hat:

                                                      Interne Links


                                                      Änderungsvermerk (2.1.2017): TopTen korrigiert