Samstag, 23. Mai 2015

Quellenverlust - Der Diebstahl historischer Grenzsteine

H. Steidle, Raubgräber klauen historische Grenzsteine. Schwäbische.de (20.5.2015) - http://www.schwaebische.de/region_artikel,-Raubgraeber-klauen-historische-Grenzsteine-_arid,10236114_toid,353.html berichtet über den Diebstahl historischer Grenzsteine im Raum Laichingen, im nordwestlichen Alb-Donau-Kreis auf der Schwäbischen Alb. Geklaut wurden Grenzsteine auf Gemarkung Feldstetten, die dort einen alten Rechtsbezirk um Egelsee abgegrenzt hatten.
Verwiesen sei in diesem Kontext auf zwei Beiträge auf Archaeologik, die nun erkennen lassen, welchen Quellenverlust dies bedeutet:
R. Schreg, Wüstungen im Blaubeurer Lagerbuch von 1457. Archaeologik (8.7.2013) mit einer knappen Skizze der regionalen Siedlungsgeschichte, in deren Kontext die geklauten Steine zu sehen waren. Ihre genaue Lage und Beschriftung ist ein wichtiges Puzzlestück zur Rekonstruktion des mittelalterlichen Siedlungsgefüges und war ein wesentliches Element der historischen Kulturlandschaft. Da in Egelsee das Vorgängerkloster des Klosters Blaubeuren zu lokalisieren ist, wird hier die landesgeschichtliche Dimension solcher Grenzsteine deutlich, die aber auch so, eine wesentliche Quelle zur Rekonstruktion des mittelalterlichen Siedlungsgefüges darstellen. Seine Kenntnis ist insofern von Bedeutung, als sich abzeichnet, dass die ländliche Siedlungsgeschichte viel bewegter war, als bisher vermutet. Die Vorstellung alter Ortskerne, die auf eine Siedlungsgründung in der Merowingerzeit zurückreichen sollten, hat sich als falsch erwiesen und wir stehen vor der Herausforderung, das unstete Wesen des frühmittelalterlichen Siedlungen zu verstehen - und den Übergang zu den heute noch existenten Dörfern, was v.a. eine Entwicklung des Spätmittelalters scheint.

Wüstungen im Blaubeurer Lagerbuch von 1457, darunter Egelsee bei Feldstetten. Die jetzt geklauten Grenzsteine waren ein wichtiges Geländezeugnis für die Rekonstruktion der spätmittelalterlichen Siedlungslandschaft (Gaphik R. Schreg, Kartengrundlage aufgrund SRTM-Daten - weiß - Wüstungen, rot - bestehende Ortschaften).
Der noch nicht so alte Blogpost zu den Zeugensteinen (R. Schreg, Zeugen des Untergangs. Archaeologik [6.5.2015]) hat das Thema der Grenzen angeschnitten, die für uns heute so selbstervständlich sind. Tatsächlich ist die Vorstellung von Grenzen historisch gewachsen und Grenzsteine sind ein Zeugnis dieses geistigen Wandels. Für die Kenntnis der Zeugen sind historische Grenzsteine so lange von Bedeutung, so lange sie in situ sind und wir - bei methodisch sorgfältig durchgeführter Grabung - die Lagebeziehung von Zeugen und Grenzstein erkennen können. Auch das haben die Diebe der Grenzsteine zunichte gemacht.
Die Diebe haben nicht nur Steine geklaut, sondern Quellen der Geschichte - und nicht nur der Heimatgeschichte.
 

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