Freitag, 1. November 2013

Zeit der ersten Bilanz: Kein Markt - keine Raubgrabungen (Syrien, Oktober 2013)

In Syrien hat die Schwächung der oppositionellen Kräfte offenbar zu einem Nachlassen der Kampfhandlungen geführt - jedenfalls werden die Berichte über Zerstörungen archäologischer und historischer Stätten durch Kämpfe seltener. Neue Meldungen betreffen frühere Schäden, die erst jetzt bemerkt werden. Zahlreiche Bilder der Zerstörung hat nun auch die syrische Altertumsbehörde auf ihrer leider nur arabisch verfügbaren facebook-Seite eingestellt (fb DGAM Syria).

Zum Beispiel

Inzwischen nehmen die Versuche einer Bilanz deutlich zu. Eine Bilanz wird auch eine für den 6. Dezember an der Princeton University angesetzte Tagung "Syria’s Heritage in Crisis" versuchen (http://www.princeton.edu/hellenic/images/SyriaConference12-13.pdf).

Ein neu erschienenes, von Mamoun Fansa (früher Museumsdirektor in Oldenburg) herausgegebenes Buch stellt ältere Fotos aus Aleppo aktuellen Bilder der Zerstörung gegenüber. Er zeigt auch "wie die Zerstörung der historischen Hinterlassenschaften eines Volkes zum Verlust der eigenen Identität wird und sich längerfristig negativ auf die gesellschaftliche, wirtschaftliche und politische Entwicklung auswirken wird" (Einladung zur Buchpräsentation auf der Frankfurter Buchmesse).
Speziell über Aleppo berichten im Internet auch der Kriegsberichterstatter David Axe und Fotograf Juma Al Qassim. Letzterer steuert einige Fotos bei, die er im Oktober in Aleppo aufnehmen konnte - eine verwirrende Ästhetik der Zerstörung und Einsamkeit in den Ruinen von Aleppo.

Mit der Bilanzierung tritt auch das Problem der Raubgrabungen und der Antikenhehlerei verstärkt ins Blickfeld. Die arabische Zeitung The Gulf Today thematisiert die Schäden, die der weitgehend illegale Antikenmarkt und die Sammlerwut anrichten:
"As the international community wrestles with what action it must take to end the death and destruction in Syria, everyone of us can help simply by not acting – that is, by not buying Syrian antiquities, beautiful as they are. For the sake of Syria’s heritage, and the world’s, remember: No market means no looting."
"So lange die internationale Gemeinschaft darum ringt, wie Tod und Zerstörung in Syrien gestoppt werden können, kann jeder Einzelne ganz einfach dazu beitragen, indem er keine Antiken aus Syrien ankauft, so schön sie auch sein mögen. Zum Wohle der Kulturgüter Syriens - und der ganzen Welt - sollte man sich bewusst machen: Kein Markt - keine Raubgrabungen."

Monatliche Zusammenstellungen wichtiger Meldungen aus Syrien auf Archaeologik:

1 Kommentar:

Kultur Geschnatter hat gesagt…

Vielen Dank für die ausführlich Auflistung! Das Maß an Zerstörungen ist betrüblich und bedauerlich, doch trotz allem muss es ebenso dokumentiert werden, wie die Archivierung der Quellen aus der Zeit VOR der Zerstörung wichtig ist.
Und allgemein ist zu hoffen, dass die arabischen Kollegen Möglichkeiten finden werden, durch eine internationale Zusammenarbeit, etwa eine übergreifende archäologische "Lost Art"-Kommission für Raubgüter, den Markt aktiv zu verkleinern...