Dienstag, 1. Januar 2013

Meldungen aus Syrien (Dezember 2012)

Auch im Dezember gibt es wieder Meldungen in verschiedenen Nachrichtenquellen, die über Zerstörungen und Plünderungen in Syrien berichten.

Die Financial Times (27.12.2012): War looters threaten Syria's heritage (Registrierung nötig) weist darauf hin, dass die Rebellen den Antikenschmuggel kontrollieren und damit ihre Waffenlieferungen finanzieren. Der Artikel zitiert Prof. Maamoun Abdul Karim, Leiter der syrischen Behörde für Altertümer und Museen, wonach die Behörde verstärkt auf Kooperation mit den Anwohnern setzt.  Le patrimoine archéologique syrien en danger الآثار السورية في خطر berichtet inzwischen von "zivilgesellschaftlichen" Initiativen unter anderem in Dura Europos. Vor Ort ist allerdings wahrscheinlich wenig zu erreichen, aber es sollte mehr getan werden, um wenigstens die Plünderungen und Raubgrabungen zu stoppen, die auf Absatz im internationalen Antikenmarkt  hoffen. Ein wichtiger Schritt dazu ist sicherlich eine Rote Liste, wie sie ICOM vorbereitet (ICOM (18.10.2012): ICOM to launch a Red List for Syria). Abdul Karim forderte nach dem Bericht der FT aber auch die Nachbarländer zu erhöhter Wachsamkeit gegenüber Raubgut auf.
Bereits im Mai 2012 hat Emma Cunliffe (Durham) eine erste Liste beschädigter Denkmäler und Fundstellen erarbeitet (vergl. Global HeritageNetwork: New Report on Damage to Syria’s Cultural Heritage). Der Artikel von D. Estrin, Why One Researcher is Documenting the Damage to Syria’s Archaeological Sites. The World (11.12.2012) berichtet über ihre fortgesetzte Bemühungen, die Schäden aus der Ferne zu dokumentieren. Auf die Frage nach dem Nutzen der Liste, verweist sie auf die nötigen Restaurierungsarbeiten in einer Nachkriegszeit. Möglicherweise liegt ein weit größerer Nutzen aber auch darin, dass damit eventuell illegal gehandelte Objekte identifiziert werden können. Insofern ist es wünschenswert, dass bald ein Update der Liste veröffentlicht wird.

Problematisch sind je eben nicht nur die Zerstörungen, sondern auch die Plünderungen von Museen, Grabungsdepots und Fundstellen.
Die Grabungshäuser der Grabungen Tell Touqan und Tell el-Kerkh im Bezirk Idlib wurden geplündert. - Le patrimoine archéologique syrien en danger الآثار السورية في خطر
Ein youtube-Video vom August, auf das der Artikel über Emma Cunliffe aufmerksam macht, zeigt Zerstörungen an den Monumenten, aber auch Raubgrabungen in einer der Toten Städte Nordsyriens.




Von Kollegen hört man, dass Funde aus vielen syrischen Museen in arabischen Staaten "in Sicherheit" gebracht werden. Das sind offenbar vielfach private Aktionen, bei denen die Funde kaum registriert werden. In syrischen Museumsdiensten sind  nur relativ wenige Archäologen beschäftigt. Die Grenzen zwischen Sicherung und Plünderung sind für Außenstehende nur schwer zu ziehen. 


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      Kommentare:

      Anonym hat gesagt…

      "Insofern ist es wünschenswert, dass bald ein Update der Liste veröffentlicht wird."

      I continue to work on it, but at present I am very close to completing my Phd, which must come first. I am also having to carefully consider the format. However, I have published this brief update:
      Cunliffe, E. 2012. No World Heritage Site Safe in Syria. GHN Blog. 19 November 2012. http://globalheritagenetwork.ning.com/profiles/blogs/no-world-heritage-site-safe-in-syria
      Regards
      EC

      Rainer Schreg hat gesagt…

      Thanks for the information - and good luck with your PhD!
      Best

      RS