Donnerstag, 29. November 2012

Thut jeder sich laben an Gottes herrlichen Gaben!

(Foto: R. Schreg)
Ein kleiner Lesefund im Pfarrgarten von Bräunisheim - sicher keiner, der in der Frage der Siedlungsentwicklung groß weiter hilft. Dazu ist er zu jung. Und trotzdem scheint er einen Blogpost wert. Es handelt sich um Steinzeug, innen weiß glasiert, außen mit einer matten Oberfläche und einer Inschrift.

Die Wandscherbe lässt sich schon durch eine Google-Suche anhand einschlägiger Angebote im Antiquitätenhandel identifizieren als ein 1897 in Mettlach bei Villeroy & Boch produzierter Bierkrug mit einem Volumen von 1/2 Liter. Außen war er mit einer Reliefauflage mit Weinranken verziert. Gegenüber dem astförmigen Henkel befindet sich eine Schrifttafel, die von einer Dame und einem Ritter gehalten werden.
Die Inschrift lautet demnach:
"Bei Singen und Sagen
Nach Mühen und Klagen
Thut jeder sich laben
An Gottes herrlichen Gaben!"

Die erste Idee, dass man es hier im Garten des Pfarrhauses sicherlich mit einem Objekt mit religiösem Hintergrund zu tun hätte, ist also grundlegend falsch -  eine Warnung vor entsprechenden, gar nicht so seltenen Indizienschlüssen! Andererseits wird das Stück erst durch den Fundort im Pfarrgarten kontextualisiert und zu einem Zeugnis des Milieus eines Dorfpfarrers (wenn auch mit gewissen quellenkritischen Unsicherheiten in Bezug auf frühere Verlagerungen).


Links
Mit Dank an Miriam Surek für die Identifizierung des Stücks und an A. Korpiun für die Aufmerksamkeit.

Mittwoch, 28. November 2012

Montag, 26. November 2012

Persische Tontäfelchen - Geiseln des internationalen Terrorismus

Jerusalem, Mahane Yehuda Markt
(Foto: deror_avi [CC BY-SA 3.0]
via WikimediaCommons)

Am 30. Juli 1997 ließen zwei Selbstmordattentäter inmitten des belebten Jerusalemer Mahane Yehuda Markt zwei Nagelbomben detonieren. 16 Menschen kamen ums Leben, 178 wurden verletzt. Die Täter wurden als Mitglieder der Hamas identifiziert, die sich auch zu dem Anschlag bekannte.

2004 gab das Oriental Institute der University of Chicago bekannt, dass es beabsichtigt, 300 persische Tontäfelchen an den Staat Iran zurückzugeben. Sie waren 1933 bei Grabungen in zwei Seitenräumen des Darius-Palastes in Persepolis gefunden worden und gelangten 1937 als Teil eines weit umfangreicheren Bestandes als Leihgabe zur wissenschaftlichen Bearbeitung nach Chicago.  Mit der Revolution in Persien 1979 waren die Feldarbeiten im Iran abgebrochen und die Rückgabe der Tontäfelchen sollte  einen Neubeginn der wissenschaftlichen Zusammenarbeit markieren.


Persepolis, Palast des Darius
(Foto: Hansueli Krapf [CC BY-SA 3.0]
via Wikimedia Commons)
2003 hatten jedoch amerikanische Opfer des Jerusalemer Anschlags von 1997 vor einem US-Gericht den Staat Iran verklagt, den sie für das Attentat verantwortlich machen. Der Iran hätte den Anschlag unterstützt und die Täter ausgebildet.  Das Gericht gab ihnen Recht und verurteilte den Iran zu 251 Millionen $ Schadensersatz. Natürlich weigert sich dieser, die Summe zu zahlen.
Der Blick fiel daher auf iranisches Vermögen, das sich in den USA befindet: Die Tontäfelchen sollen verkauft werden, um die Schulden des Iran zu begleichen. Da eigentlich der Foreign Sovereign Immunities Act (FSIA) von 1976 ausländisches Regierungsvermögen vor Ansprüchen von US-Gerichten schützt, wird mit einem Anti-Terrorgesetz (Terrorism Risk Insurance Act) argumentiert, das 2002 nach dem 11. September 2001 erlassen wurde und das es ermöglichen soll, das Vermögen von terroristischen Staaten einzuziehen. Der Prozess zieht sich nun schon länger hin.

Die rechtliche Seite mag ich nicht zu beurteilen, aber es darf nicht sein, dass historische Quellen ersten Ranges der Wissenschaft entzogen und verkauft werden.



Links
zu den Terror-Anschlagen 1997:
zu den gerichtlichen Auseinandersetzungen:
zum Persepolis Fortification Archive:

Museumsschließungen in Bayern

Schon im Januar 2012:
Unter anderem mit Verweis auf das Archäologische Museum in Neu-Ulm, das 2008 wegen zu geringer Besucherzahlen geschlossen wurde.

Freitag, 23. November 2012

Archäologische Umweltforschung und die moderne Nachhaltigkeitsdebatte - eine Podiumsdiskussion

Erosion als Folge der Rodung
(Foto R. Schreg, RGZM: Erosions-
rinne auf der Krim)

Das 4. Museumsgespräch der Reihe Museumsgespräche 2012 "Mensch Kultur Nachhaltigkeit" greift das Thema "Der Umgang mit Wasser und Boden - damals und heute" auf.
Es diskutieren Prof. Dr. Hans-Rudolf Bork von der Universität Kiel, Prof. Dr. Hans-Georg Frede von der Universität Gießen und Dr. Rainer Schreg vom Römisch-Germanischen Zentralmuseum Mainz, moderiert von Axel Weiß, SWR-Umweltredaktion.
Interessenten sind vor Ort am 27. November 2012 um 19 Uhr im Museum für Antike Schiffahrt des Römisch-Germanischen Zentralmuseums in Mainz oder live im Internet unter http://www.zukunftsprojekt-erde.de/mitmachen/museum-digital/museumsgespraeche-2012-mensch-kultur-nachhaltigkeit/museumsgespraeche-2012-livestream.html willkommen.


Links

Mittwoch, 21. November 2012

Fabrizio Serra and the "science business"


a contribution
by Michelle Beghelli

Academic publishers make Murdoch look like a socialist: This has been the title of an article by George Monbiot published in The Guardian already in August 2011 dealing with vast fees charged by academic publishers to access research paid by the public.

Montbiot demonstrated how incredibly expensive it became to universities, public libraries and other institutions to buy scientific journals researchers need in order to keep their knowledge up to date and to spread the results of their own studies. Their institutions are in most cases funded by public money (this means by tax-payers). It is also public money which has to be spent to buy the results of their research, published in prestigious and prominent journals – which are of course an absolute must for academic libraries. This sets academic publishers in a stronger position (Libraries are forced to buy their products) and put them over the normal “market laws” (they will buy at any price, for they simply need these journals).

This is extremely visible if you want to access an online article outside from a university library. You will have to pay dozens of $, in order to read an article. As a reaction to such “unfair” business, the Cambridge mathematician Tim Gowers started a petition trough the site www.thecostofknowledge.com in order to protest against one of those monopolist Publishers, Elsevier.

Cosmic prices by Fabrizio Serra
If someone expects this happens in the Natural Sciences only or is a topic restricted to online access, a short look to the price list of the Italian publisher Fabrizio Serra may change your mind. Serra publishs every year dozens of journals dealing with Linguistics, History, History of Literature, Archaeology and so on.

Montag, 19. November 2012

Gekehlte Karniesrandschalen

In der Region zwischen Ulm und Augsburg sind im 15. und 16. Jahrhundert gekehlte Karniesrandschalen eine gängige Form des Alltagsgeschirrs. Sie gehören überwiegend zur jüngeren grauen Drehscheibenware, ihr Farbspektrum reicht von hellgrau bis schwarz, gelegentlich sind auch braune Schalen darunter.
Im Raum Ulm gehören sie meist zur polierter Variante der jüngeren grauen Drehscheibenware, wie sie im Raum Ulm wohl schon seit dem 14. Jahrhundert das Tafelgeschirr vertritt. Die Oberfläche ist dabei oft streifig glänzend poliert. In der früheren Forschung (aber teils auch noch in jüngeren Publikationen) wurde diese Ware fälschlich als graphitiert angesehen.
Die Gefäßform der gekehlten Karniesrandschalen kombiniert die übliche Randform der normalen Töpfe mit einer offenen Form, wobei sich oberhalb der Gefäßmitte ein kantiger Umbruch befindet. Der Oberteil der Schale ist konkav ausgebildet.
In der Forschung wurden die Gefäße häufig als Milchschüsseln bezeichnet, doch sind eindeutige Hinweise auf ihre Verwendung - etwa aus Gebrauchsspuren - meines Wissens nicht bekannt.

Eng verwandt sind Karniesrandschalen mit gerader Wandung, die insgesamt eine trichterförmige Grundform aufweisen. In Hummertsried dominieren diese Formen und nur vereinzelt tritt ein Exemplar der gekehlten Karniesrandschalen hinzu.
Ein Ausreißer im Verbreitungsbild bildet derzeit ein Fund aus Slowenien, doch mag mein Kenntnisstand für den Alpenraum hier ungenügend sein, so dass die Verbreitung nach Südosten noch etwas fraglich bleibt.

Was in einer solchen Kartierung zum Ausdruck kommt, sind weniger Kulturräume, als vielmehr Kommunikationsräume, in denen ein Austausch von Gütern, aber auch von Formvorstellungen erfolgt. Bislang ist es schwierig, die Produktionsorte der gekehlten Karniesrandschalen festzulegen. Lützelburg im Landkreis Augsburg und Ingstetten im Lkr. Neu-Ulm sind derzeit am ehesten in Anspruch zu nehmen. Unter den Funden der Pfarrhof-Grabung aus Thalfingen machen die gekehlten Karniesrandschalen 77 % des Bestands an Schalen aus.


gekehlte Karniesrandschalen auf einer größeren Karte anzeigen


Fundliste (wird ggf. ergänzt)

Donnerstag, 15. November 2012

2 Jahre Archaeologik

Am 15. November 2010 startete Archaeologik - zunächst als Archaeologica auf twoday:
Anlaß war das Geständnis von Helmut Thoma, ein Grab in Palmyra geplündert zu haben.
"Es war nacht und da waren Schlangen..." von dem ich den Eindruck hatte, es sollte nicht unbeachtet bleiben. Zunächst war es nur das Interesse, genauer kennenzulernen, wie ein Blog überhaupt funktioniert. Überraschend viele Zugriffe haben mich bewogen, das ganze weiter zu führen. Seit April 2011 gibt es Archaeologik unter der jetzigen Adresse. Zum Start hat das Blog die Archaeologica-Posts sowie einige frühere facebook-Meldungen mitbekommen. So ist der Vater der württembergischen Archäologie der erste Post, datiert auf den 19. Mai 2010.

Zunehmend finden auch aktuelle Forschungen ihren Niederschlag in Blog-Posts, meist sind es aber nur einzelne Gedanken oder auch nur 'Lesefrüchte' (bzw. GoogleMaps-Treffer). Tendenziell sind die Beiträge länger geworden. Da offenbar auch wissenschaftliche Inhalte im Blog gar nicht so schlecht rezipiert werden, sind vermehrt kleinere Miszellen in den Blog gewandert - Themen, die früher wahrscheinlich nur zu einem Freßzettel in einer Ordnerablage oder einem Lesezeichen (aus Papier im Buch oder unter firefox) geführt hätten. Manche Themen bekommen dadurch deutlicher Profil und bringen auch die eigentlichen Projekte besser voran.
Inzwischen hat das Blog neue Kontakte zu Kollegen geschaffen, was inzwischen sogar zu einem gemeinsamen EU-Antrag geführt hat. Das geht konkret zurück auf einen englischen Post, der einen Aufsatz kommentiert hatte (der hier). Inzwischen betreibe ich neben Archaeologik den themenspezifischen Gemeinschaftsblog The Black Death Network, der auf hypotheses.org basiert. Ob Archaeologik auch dorthin umziehen soll, überlege ich noch - zu sehr hab ich mich an die Blogger-Oberfläche gewöhnt.

Insgesamt wurden in den vergangenen zwei Jahren 378 Blog-Posts veröffentlicht, darunter 5 als Gastbeiträge (gerne mit steigender Frequenz!). Die englischen Posts sind in letzter Zeit etwas seltener geworden. Insgesamt sind 57.950 Seitenaufrufe zu verzeichnen. Wichtigste Zugriffsquelle ist facebook, wo eine kleine Archaeologik-fbGruppe per rss-feed über Neuigkeiten aus Archaeologik informiert wird. Noch nicht automatisiert gehen Links hin und wieder auf Google+. Insgesamt kommen die meisten Zugriffe aber über verschiedene Suchmaschinen - meist google.de . Einige Beiträge sind aus der wikipedia verlinkt.

Die Top Ten der meist gelesenen Blog-Posts:

  1. Syrische Truppen zerstören Kreuzfahrerburg (04.05.2012) - 1258 Zugriffe
  2. Rotlicht statt Wissenschaft - übereilter Medienrum...(23.07.2011), 5 Kommentare - 1039 Zugriffe
  3. Faltblatt Raubgräber (24.07.2011), 53 Kommentare [Kommentarfunktion inzwischen abgeschaltet] - 952 Zugriffe
  4. Mittelalterliche Keramik aus Geislingen (14.12.2011) - 931 Zugriffe
  5. ZDF animiert Raubgräber (22.01.2012), 7 Kommentare - 872 Zugriffe
  6. TV-Shows plündern archäologische Fundstellen (01.03.2012), 4 Kommentare - 755 Zugriffe
  7. "Aktion Archäologie": Wolf im Schafspelz? (21.05.2012), 19 Kommentare [Kommentarfunktion inzwischen abgeschaltet] - 712 Zugriffe
  8. The Archaeological Heritage is in extreme danger in Hungary (10.10.2011) - 641 Zugriffe
  9. Kein Geld: Oseberg-Fund verrottet (17.04.2012), 1 Kommentar - 592 Zugriffe
  10. Warum wir hinschauen müssen! - Antisemitismus in pseudowissenschaftlichen Kulturbetrachtungen in Ungarn - ein Gastbeitrag von László Matthias Simon (24.05.2012) - 535 Zugriffe

Archaeologik hat sich also weiter entwickelt und umfasst inzwischen unterschiedliche Themen. Nach wie vor gilt ein Augenmerk dem Kulturgutschutz, aber eben auch Themen der Umweltarchäologie und der Siedlungsforschung.

Dienstag, 13. November 2012

Afghanistan: Kupfermine räumt buddhistisches Kloster ab

Mes Ainak,
jüngst ergrabener buddhistischer Reliquienschrein.
(Foto: Jerome Starkey [CC BY SA 2.0] via wikimedia/ flickr)
Anfang 2013 beginnt eine chinesische Firma mit dem Kupferabbau in den Bergen Afghanistans, circa 30 km südlich von Kabul. Dabei wird eine buddhistische Klosteranlage zerstört, die in den vergangenen Jahren teilweise archäologisch untersucht werden konnte. Mes Aynak erweist sich als wichtige Station zwischen Seidenstraße und Indischem Ozean mit einer weit in die Vorgeschichte reichenden Vergangenheit. Wissenschaftler, aber auch buddhistische Mönche versuchen die 1500 Jahre alte Anlage zu retten.

Es gibt dazu zwei Facebook-Seiten:
und eine Petition an die UNESCO unter

Links



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Nachtrag (9.12.2012):
Nachtrag (15.1.2013):

Palafittes guide - eine App führt zu den Pfahlbaustationen des UNESCO-Weltkultuerbes

Kartendarstellung der App
(R.Schreg)
Für den stolzen Smartphone-Besitzer gibt es eine app, die ihn in die Steinzeit führt:
Sie bietet knappe Audios zu den einzelnen Stationen, die über eine Karte, basierend auf googleMaps anzusteuern sind. Hinzu kommen einige Texte zum Weltkulturerbe undzu archäologischen Methoden.

Die zugehörige Internetseite ist eher konventionell, insofern ist dieses, dort jedoch nur unter News verlinkte Angebot eine sicher hoch willkommene Erweiterung. Sie zeigt auch, welche Möglichkeiten der Wissenschaftskommunikation sich hier bieten. Dabei ist diese Anwendung eher einfach gestrickt, trotz einer Größe von rund 10 MB.


Link

Samstag, 10. November 2012

Stadtarchiv Stralsund - Zerschlagung historischer Bestände

Stadtarchiv Stralsund
(Foto: darkone [CC BY-SA 2.5] via WikimediaCommons)
Eine kurze Zeitungsnotiz über die Schließung der Stralsunder Archivbibliothek gab den Anstoß, dass ein unglaublicher Skandal publik wurde. Ein Antiquar hatte Schimmelbefall an seiner Ware festgestellt, die er aus der Bibliothek erworben hat. Inzwischen ist klar: Fast 6000 Bände wurden bereits im Juni 2012 aus den Beständen der Bibliothek verscherbelt, darunter vor allem Teile einer ins 17. Jahrhundert zurückreichenden Gymnasialbibliothek - einer der wichtigsten entsprechenden Bestände aus Mecklenburg-Vorpommern wird über Antiquariate (und ebay) in alle Winde zerstreut. Darunter auch Bände die nun anscheinend öffentlich nicht mehr zugänglich sind.

Ähnlich wie bei einem archäologischen Fund der Kontext ausschlaggebend ist, ist auch bei einer gewachsenen historischen Bibliothek der Gesamtbestand in seiner zeitlichen Schichtung der Erwerbung und mit seinen Arbeitsspuren (Randnotizen, Eigentumsvermerke) eine eigenständige historische Quelle. Aber auch die Einzelstücke sind bedroht. Sie werden zwar nicht sofort vernichtet, aber eine Überlieferungskontinuität ist nicht gesichert. Wie viel unwiederbringliches Kulturgut ist wohl beim Tod eines Sammlers schon im Container und im Müllheizkraftwerk verschwunden?

Das macht den Fall Stralsund so bedenklich: Hier hat sich eine Weltkulturerbestadt über ihre gesetzliche Fürsorgepflicht wohl einfach hinweg gesetzt. Der Veräußerung stimmte der Hauptausschuß der Bürgerschaft der Hansestadt Stralsund in nichtöffentlicher Sitzung zu. Details des nur zufällig durch den Schimmelalarm bekannt gewordenen Verkaufs werden nach wie vor geheim gehalten.
Das darf keinesfalls Schule machen, denn sonst sind alle historischen und auch archäologischen Quellen von Ausverkauf und Vernichtung bedroht. Worum es hier geht, ist die Verantwortung oder das Versagen einer Kulturnation.
Entsprechend heftig ist die Reaktion unter Historikern und Archivaren. Inzwischen wurde angeblich auch eine Strafanzeige gestellt (Kommentare bei openpetition.de).

Die Aufdeckung des Verkaufs und die ausführliche Dokumentation dazu bei Archivalia.


Links

und weitere Resonanz in zufälliger Auswahl

Mittwoch, 7. November 2012

Nach 5000 Jahren endlich mal aufgeräumt!

Im Juli 2011 waren Bilder bekannt geworden, die Planierungsarbeiten an einer Henge-Anlage bei Wells südlich von Bristol zeigen. Es handelt sich um die aus mehreren Kreisen bestehende Anlage der Priddy Circles. Drei der rund 190 m im Durchmesser großen Kreise liegen dicht beieinander auf einer geraden Linie. Ein vierter Kreis im Norden liegt in etwas größerem Abstand und leicht aus der Grundlinie verschoben. Er ist in modernen Luftbildern kaum noch zu erkennen und war möglicherweise auch nie vollendet. Grabungen der 1950er Jahre zeigten den Aufbau der Kreis aus einem Erdwall mit einer Steinpackung im Kern. Pfostenlöcher weisen auf eine konstruktive Verstärkung. Nach außen zu folgt ein Graben. Im Umfeld, teilweise auch innerhalb der Kreise befinden sich mehrere Grabhügel.
Solche Henge-Anlagen sind in England weit verbreitet. Stonehenge ist das prominenteste Beispiel. Die Priddy Circles waren in ihrere Dreier- bzw. Viererkombination ein herausragendes und wichtiges Monument. Die Funktion der Henge-Monumente ist immer noch nicht geklärt. Die Anlagen zeigen viele indviduelle Züge und datierendes Fundmaterial ist nicht gerade häufig. Erst neuerdings ermöglichen es geophysikalische Prospektionen und moderne geowissenschaftliche Datierungsmethoden, grundlegende Fakten zu klären. Voraussetzung dafür ist ein intakter Befund. 

Nachdem ein Grundstück im Süden der Anlage mit Teilen des südlichsten Kreises den Eigentümer gewechselt hatte, begann der pensionierte Geschäftsmann erst einmal aufzuräumen. Es sollte das Haus renoviert werden, eine zerfallene Mauer wieder aufgerichtet und die Wiese hergerichtet werden. Mit Bulldozern wurden Bäume und Wallanlage, vor allem aber weitere Reste im Innern der Anlage eben geschoben, Mulden mit Bauschutt aufgefüllt. Das ganze war wohl nicht schlecht gemeint: Die Bauarbeiter waren angewiesen, den Wall zu schonen.



Größere Kartenansicht
Das Luftbild zeigt die Situation vor den Zerstörungen. Betroffen ist der südliche Kreis.



Jetzt ist ein Urteil ergangen: Der Bauherr hat die Wiederherrichtung des Monuments zu bezahlen rund 38.000 £. Hinzu kommt eine Strafe von 25.000 £ und weitere Gerichtskosten von 7.500 £ (ohne die eigenen Anwaltskosten).
Den Schaden am archäologischen Befund macht dies freilich nicht wieder gut - und die Chancen, die Funktion der Monumente zu klären, sind deutlich gesunken.

In der Diskussion um diesen Vorfall kam der Gedanke auf, das Monument als Mahnung nicht wieder herzurichten. Eine Wiederaufschüttung des Walles würde nur den Eindruck erwecken, nichts sei passiert. Das Geld wäre besser investiert, andere Anlagen zu erforschen, ins öffentliche Bewußtsein zu bringen und besser zu sichern.


Links
knappe Info zu Henge-Anlagen bei wikipedia

Samstag, 3. November 2012

Neuer Streit um American Diggers

Im Frühjahr 2012 gab es in den USA eine heftige Diskussion um eine Raubgräberserie "American Diggers" auf dem Fernsehsender Spike TV (siehe Archaeologik) - nebst einer zweiten ähnlichen Sendung von National Geographic Channel, die jedoch eingestellt wurde und zu einer breiten öffentlichen Auseinandersetzung mit der Problematik geführt hat.

Jetzt gibt es einen Streit zwischen dem Raubgräbermagazin American Digger und SpikeTV. Die Zeitschrift sieht sich als Opfer des Negativ-Image, das das Schatzsucherhobby durch die Sendung erlitten hätte. Die Zeitschrift distanziert sich von der Fernsehserie. Wrestler Rick Savage, der Protagonist der Fernsehserie, der bislang mit einer Kolumne in der Zeitschrift vertreten war, wurde gekündigt (Forum mytreasurespot). Die Zeitschrift beansprucht den Namen American Digger und verlangt von Spike TV ihre Sendung umzubenennen.

Der enorme Protest der Archäologen gegen die Raubgräberaktivitäten scheint also breitere Wirkung zu zeigen und bestätigt das bürgerschaftliche Engagement für die Sache der Wissenschaft.


Interne Links

Freitag, 2. November 2012

Ohne Moos nix los

ein Kommentar von Gerhard Ermischer zur Diskussion um das Verursacherprinzip auf den Seiten der DGUF:

Es fehlt an Geld für die Archäologie, das kulturelle Erbe wird zerstört, weil der politische Wille und die gesetzlichen Voraussetzungen für eine ordentlich finanzierte Bodendenkmalpflege fehlen. Daneben wird ein Phänomen deutscher Rechtssprechung deutlich: die mangelnde Umsetzung internationaler Konventionen.

Donnerstag, 1. November 2012

Aleppo und die Zerstörungen in Syrien (Oktober)

Die Zerstörungen gehen weiter. Einige Links vom Oktober:
ICOM arbeitet inzwischen an einer Roten Liste gefährdeter Denkmäler in Syrien, die aber erst Anfang 2013 vorliegen wird.

Auf der facebook-Seite von Le patrimoine archéologique syrien en danger الآثار السورية في خطر werden immer wieder Bilder von den Zerstörungen gepostet, so beispielsweise aus Daraa, wo 2011 der arabische Frühling in Syrien seinen Ausgang genommen hat.

Besonders hingewiesen sei auf die Beiträge von Diane Scherzler unter storify, die jeweils die einschlägigen youtube Videos und Informationen aus facebook präsentieren: