Montag, 30. April 2012

Die neolithische Haldenlandschaft von Grimes Graves

Der berühmte neolithische Hornsteinbergbau von Grimes Graves im Google-Luftbild. Erkennbar ist die Abraumhalde, unter der sich tiefe Schächte befinden.

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Die Oberflächenstrukturen sind für uns v.a. interessant im Hinblick auf ähnlich Strukturen auf der Schwäbischen Alb bei Blaubeuren, die wir in den letzten Jahren untersuchen konnten.

Literaturhinweise
  • R. Holgate, Prehistoric Flint Mines. Shire Archaeology 67 (Princes Risborough 1991).
  • P. Topping/M. Lynott (Hrsg.), The Cultural Landscape of Prehistoric Mines (Oxford 2005).
  • G. Weisgerber/R. Slotta/J. Weiner (Hrsg.), 5000 Jahre Feuersteinbergbau. Die Suche nach dem Stahl der Steinzeit. Ausstellung im Deutschen Bergbau-Museum Bochum vom 24. Oktober 1980 bis 31. Januar 1981. Veröffentlichungen aus dem Deutschen Bergbau-Museum Bochum 77 (Bochum3 1999) - insbes. 205ff.

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Freitag, 27. April 2012

Römische Silexartefakte

Bei Erbstetten (Gde. Burgstetten, WN) wurde zwischen 1963 und 1971 mit Genehmigung des damaligen Staatlichen Amtes für Denkmalpflege im 'Birkenwald' ein römisches Gebäude durch Pfarrer Kurt Schaal, Oberlehrer Gerhard Schmückle und Horst Denkinger ausgegraben.
Bei einer Funddurchsicht der Bestände im Museum Backnang 1992 hatte ich mir zwei Funde notiert und auch gezeichnet, denen bei der Grabungspublikation keine Aufmerksamkeit geschenkt wurde:
  • Zwei Silexartefakte mit der Grundform einer Klinge.


Zeichnungen R. Schreg


 











Montag, 23. April 2012

Ein frühlatènezeitlicher Schwertscheidenbeschlag aus einer Siedlungsgrube in Renningen

Renningen Lauerhalde
(Foto R. Schreg, nach
Kopie im Mus.
Renningen)
Aus der Verfüllung eines Grubenhauses einer nicht weiter auffallenden Siedlung der Späthallstatt- und Frühlatènezeit bei Renningen (Lkr. Böblingen), Flur Lauerhalde stammt ein reich verziertes "kleeblattförmiges" Scheidenortband.
1977 fand eine kleine Grabung durch H. Breining und das Landesdenkmalamt Baden-Württemberg auf der seit 1970 durch Lesefunde bekannten Siedlung statt.
Das Ortband besteht aus Bronze. Es ist gegossen, mit einer konischen Aussparung für die Schwertspitze. Hier sind auch die eisernen Reste der eisernen Schwertscheide erhalten, auf die das Ortband aufgeschoben war. Die Grundform des Ortbandes ist dreieckig, genauer gesagt folgt es dem Dreischeibenmotiv, das etwa auch bei Wangenklappen von Helmen zu finden ist. Es besteht aus drei Rundeln und dazwischen eingefügten Palmettenblättern. Auf der Vorderseite weisen sie jeweils mittels Pech eingeklebten Koralleneinlagen auf, auf der Rückseite findet sich eine detailreiche Gravurverzierung.
Es rechnet zur Gruppe der "kleeblattförmigen" Scheidenortbänder, die bereits U. Osterhaus 1966 (Osterhaus 1969) zusammengestellt hatte. Die Mehrzahl der Funde stammt aus Gräbern der Champagne und der Hunsrück-Eifel-Kultur - sowohl aus einfach ausgestatteten Gräbern, wie aus ausgesprochenen "Fürstengräbern". Beispiele sind Weiskirchen II im Saarland oder Somme-Bionne.
Das Renninger Beispiel ist das einzige, das aus einem Siedlungskontext stammt, dabei zählt es mit den Koralleneinlagen und die aufwändigen Gravuren auf der Rückseite zu den qualitätvollen Stücken.
Die Verzierung lässt sich dem early style zuordnen und datiert in die Phase Latène A. Die begleitenden Keramikfunde bestehen aus S-förmig geschweiften Schalen und Töpfen sowie gewölbten und kalottenförmigen Schalen, wie sie innerhalb der Späthallstatt- und Frühlatènezeit nur ansatzweise differenziert werden können.

Samstag, 21. April 2012

Vergessene Siedlungen - Großflächige Geophysikalische Prospektion auf der Schwäbischen Alb

Mehrere römische Villen und mittelalterliche Bauernhöfe konnten die Österreichischen Spezialisten des LBI ArchPro auf der Stubersheimer Alb orten. Die erste Messkampagne fand vor gut einem Jahr statt - jetzt wurden die ersten vorläufigen Ergebnisse vorgestellt.

Die Auswertung der im April 2011 gesammelten Prospektionsdaten zeigt unter anderem eine überraschend dichte römische Besiedlung. Durch flächendeckende Magnetik mit über 1,2 km², sowie gezielt eingesetztes Bodenradar konnten bei Bräunisheim zwei römische Gutshöfe untersucht werden.

Insbesondere die Radar-Prospektion zeigt zahlreiche architektonische Details. Im Hauptgebäude der östlichen kleinen Villa bei Bräunisheim lassen sich etwa die kleinen Ziegelstützen einer Fußbodenheizung im Badetrakt sowie die Fundamente eines Säulen umstandenen Innenhofes erkennen. Von einer weiteren römischen Villa weiter westlich bei Bräunisheim waren bislang lediglich zwei Nebengebäude aus Luftbildbefunden bekannt, nun konnte das Hauptgebäude sowie eine Umfassungsmauer lokalisiert werden.

Überraschend ist ein dritter, wohl ebenfalls römischer Befund. Direkt an die Römerstraße zwischen Urspring und Heidenheim anschließend, wurden zwischen Schalkstetten und Waldhausen die Reste eines rechteckigen, mit Zaungräbchen eingefassten Gehöftes entdeckt. Dieser Bezug zur Römerstraße sowie römische Keramikfunde legen es nahe, dass es sich hier um einen nur in Holzbauweise ausgeführten Gutshof handelt. Gerade in letzter Zeit konnten Rettungsgrabungen der archäologischen Denkmalpflege ähnliche Anlagen bei Merklingen und bei Heuchlingen nachweisen. Damit zeichnet sich auf der Albhochfläche ein bislang kaum bekannter Bautyp ab. Weitere Spuren einer alten Flureinteilung nehmen im Umfeld die Ausrichtung der Römerstraße auf und zeigen möglicherweise eine römerzeitliche Feldeinteilung.

Römisches Gehöft in Holzbauweise (Graphik LBI ArchPro, © LBI-ArchPro)



Donnerstag, 19. April 2012

Charles Darwin, der Kot der Würmer und die Archäologie

Charles Darwin, 1881
(Foto H.R. Barraud)
(public domain
[Wikimedia Commons])
Vor 130 Jahren ist Charles Darwin verstorben, am 19.4.1882. In seinem letzten Buch, 1881 erschienen, befasste sich der große Biologe mit Würmern. Aber: archäologische Beobachtungen spielten dabei eine wichtige Rolle. Darwin nutzte archäologische Fundstellen, um zu kalkulieren, welche Ausmaße die Bodenverlagerung durch Würmer hat.

Bisweilen stützte er seine Beobachtungen auf laufende Grabungen, teilweise ließ er seine Söhne gezielt graben. Darwins Profilaufnahme in der Villa von Abinger an einer laufenden Grabung zeigt dabei den typischen Grabungsschnitt entlang der Mauer, der die stratigraphischen Anschlüsse schon zerstört hat. Relativ genau dokumentierte Darwin die Bodenschichten - weit genauer als dies viele Archäologen damals für notwendig hielten.

In Abinger ließ Darwin einen römischen Fußboden reinigen und zählte dann sieben Wochen lang Tag für Tag die Häufchen von Wurmkot, die darauf wieder zu finden waren.


In Stonehenge ließ er zwei Profile an umgestürzten Steinen anlegen.


Weitere Untersuchungen nahm Darwin in Beaulieu abbey in Hampshire, einer römischen Villa bei Chedworth und in der Basilica in Silchester vor.

Darwins Experimente zogen sich über eine längeren Zeitraum hinweg. So beobachtete er über 30 Jahre hinweg, wie durch Regenwürmer Kalkstückchen von der Oberfläche bis 18 cm tief in den Boden eingearbeitet wurden.
Mit seiner These, dass den Regenwürmer eine zentrale Rolle bei der Boden- und Humusbildung spielten, wurde Darwin einer der Wegbereiter der Bodenbiologie. Seine Wirkungen auf die Archäologie waren trotz der Aufnahme von Grabungsschnitten eher indirekt. Darwins Forschungen hatten das Potential, die Entstehung archäologischer Fundplätze besser zu verstehen, im Sinne der "formation processes", die seit den 1960er Jahren durch Michael B. Schiffer ins Blickfeld gerieten. "Archaeologists ought to be grateful to worms, as they protect and preserve for an indefinetely period every object, not liable to decay, which is dropped on the surface of the land, by burying it beneath their castings" (S. 308f.)
Darwins Bedeutung für die Archäologie liegt aber in den weitreichenden Implikationen seiner Evolutionstheorie für die Typologie.

In Darwins Korrespondenz finden sich immer wieder Hinweise auf archäologische Funde, die ihm seine Briefpartner zukommen ließen. Die Darwin Correspondence Database macht die Briefe online zugänglich (z.B. W.B. Dawkins 1869 zu Grabungen in den Rhagatt-Höhlen).

    Literaturhinweise

    • Charles Darwin, The formation of vegetable mould: through the action of worms, with observations on their habits (New York 1882) - bei GoogleBooks
    • David R. Montgomery, „Dreck“. Warum unsere Zivilisation den Boden unter den Füßen verliert (München: Oekom Verlag 2010).

    Dienstag, 17. April 2012

    Kein Geld: Oseberg-Fund verrottet

    Grabung des Osebergschiffs 1904/05
    (Foto Mus. Oslo, public domain; Wikimedia commons)
    Das zur Universität gehörige Kulturhistorische Museum in Oslo hat im März beim Bildungsministerium umgerechnet etwa 5 Mio Euro beantragt, um die Holzfunde von Oseberg erhalten zu können. Der Antrag wurde abgelehnt und das Museum auf seinen normalen Etat verwiesen...


    Der Fund von Oseberg, dendrochronologisch auf 834 n.Chr. datiert, ist einer der wichtigsten wikingerzeitlichen Grabfunde. Obwohl keinerlei Metallbeigaben erhalten waren, zeigen die reichen Holzfunde - neben dem Schiff auch ein Wagen sowie Schlitten und Textilfunde - eine sehr aufwändige Grabausstattung.

    Die Erhaltung von Holzfunden ist generell schwierig. Problematisch sind Fäulnis und Austrocknung. Eine entscheidende Phase ist die Zeit direkt nach der Bergung. Im Falle der wikingerzeitlichen Holzfunde aus dem Oseberg-Grab, geborgen 1904-05 wurde damals eine Konservierungsmethode mit Alaun verwendet. Sie hat das Holz bereits sehr spröde gemacht. Betroffen sind beispielsweise Wagen und Schlitten aus dem Grab, nicht aber das Oseberg-Schiff, das mit anderen Methoden konserviert wurde. Nun stellt sich heraus, dass die Mehrzahl der Funde im Innern völlig marode ist und nur die Oberfläche sie noch zusammen hält.

    Mein Dank an Natascha Mehler für den Hinweis auf die norwegischen Zeitungsartikel.


    Nachtrag 9.6.2012

    Freitag, 13. April 2012

    Kulturlandschaft am Rande des byzantinischen Reichs

    Abstract zu einem Vortrag „weder rau noch steinig, sondern ertragreich“ – Die mittelalterliche Siedlungslandschaft im Bergland der Krim am RGZM am 7.2.2012

    Im Bergland der Krim nahe dem modernen Sevastopol befinden sich die wildromantischen Höh(l)ensiedlungen Eski kermen und Mangup. Sie standen im Mittelpunkt eines Forschungsprojektes des RGZM, in dessen Rahmen in den Jahren 2006 bis 2008 archäologische Surveys und geoarchäologische Untersuchungen durchgeführt werden konnten. Sie zeigen Aufstieg und Niedergang einer heute weitgehend siedlungsleeren Landschaft, die die Forschung als Siedlungsland der „Krimgoten“ identifiziert hat.


    Montag, 9. April 2012

    Mexikanische Polizei hält präkolumbische Grabhöhle für ein Massengrab der Drogenbanden

    Im Süden Mexikos wurde in einer Höhle ein Massengrab mit den Überresten von mehr als 160 Personen entdeckt. Die Polizei vermutete die Relikte eines Bandenkriegs und ließ die Skelettreste unter Verzicht auf eine eingehende kriminaltechnische Dokumentation aus der Höhle schaufeln.
    Tatsächlich handelte es sich um einen der größten präkolumbischen Höhlenbestattungsplätze der Region, der vollständig zerstört wurde.

    Donnerstag, 5. April 2012

    Kanonen für Südkorea? - Internationaler Schmuggel

    Dank einer anonymen Anruferin, die der panamaischen Denkmalbehörde INAC (Instituto Nacional de Cultura) den entscheidenden Hinweis gab, konnte im Hafen von Balboa eine vor Wochen gestohlene spanische Kanone sichergestellt werden. Sie befand sich in einem Container einer Recycling-Firma, der gerade auf ein Schiff verladen werden sollte. Bestimmungsort: Südkorea.
    Die Kanone war zusammen mit historischen Rädern der transisthmischen Eisenbahn von 1909 zwischen Schrott verborgen.
    La Prensa: Piezas antiguas, bajo poca vigilancia nimmt den Vorfall zum Anlaß, einige Probleme des Schutzes des archäologischen Erbes in Panama zu thematisieren - so zum Beispiel den Überfall auf das Anthropologische Museum 2003.

    Die Kanone war Anfang Februar von Fort San Lorenzo, einer spanischen kolonialzeitlichen Befestigung an der Karibikküste zusammen mit einer zweiten gestohlen worden. Sie wurden mit einem LKW abtransportiert.

    San Lorenzo ist seit 1980 Teil des UNESCO-Weltkulturerbes. Es diente dem Schutz des Landweges über den Isthmus von Panama.
    http://whc.unesco.org/en/list/135


    Dienstag, 3. April 2012

    NG stellt sich der Diskussion - Time Team America geht auf Rettungsgrabung

    In den USA hält der Protest gegen die Fernsehshows an, die archäologische Fundstellen ausplündern.
    Siehe
    National Geographic scheint seine Show inzwischen allerdings stillschweigend gecancelt zu haben, hat aber Wiederholungen der ersten Folge ausgestrahlt. Beim Annual Meeting der SAA (Society of American Archaeologists) in Memphis wird es am 18.4. aber eine Podiumsdiskussion ("Archaeology and the media: a symbiotic relationship") geben, die von der National Geographic Society mitfanziert wird und bei der sie auch mit mehreren Diskutanten vertreten ist.

    American Diggers hat inzwischen die zweite Folge ausgestrahlt.

    Eine weitere Folge der Auseinandersetzung mit den Plünderungen ist eine neue Staffel der Fernsehserie Time Team America, die 2013 auf Sendung gegen soll. Im Mittelpunkt stehen hier unter Zeitdruck durchgeführte Rettungsgrabungen: "TIME TEAM AMERICA is a new science-reality series from PBS that sends archaeologists on a race against time to excavate historic sites around the nation. The team has 72 hours to uncover the buried secrets of their assigned digs using the latest technology, decades of expertise and their own sharp wits."

    Links