Sonntag, 31. Juli 2011

Ehrenkodex für Archäologen

Der West- und Süddeutsche Verband für Altertumsforschung hat einen Ehrenkodex für Archäologen formuliert.
Er führt Grundsätze für Grabungen, Museumsarbeit, Universitätsbetrieb wie auch für den Umgang mit Raubgrabungsgut und Kunsthandel auf.

Donnerstag, 28. Juli 2011

Bad Archaeology - Leave your common sense behind!

Kollegen in Großbritannien ärgerten sich über die verquerten Ansichten, die in der Öffentlichkeit über archäologische Themen kursieren. Gemeint sind damit Parawissenschaften, aber auch in den Medien produzierte Mythen über archäologische Fundstellen. Keith Fitzpatrick-Matthews und James Doeser gründeten daher die Website Bad Archaeology, die sich ausschließlich Fehlinterpretationen, Mystifizierungen und dem Missbrauch archäologischer Überlieferung zuwendet. "We are dedicated to exposing Bad Archaeology wherever we find it, naming and shaming, pulling no punches in exploring all its shameless horror."
Die Seite findet sich unter http://www.badarchaeology.net - neuere Blogeinträge stehen bei Wordpress

Dienstag, 26. Juli 2011

Ukrainische archäologische Zeitschriften online

Seit Heft 4/2008 steht die ukrainische Zeitschrift Археологія (Kiew) frei zugänglich online. Jeweils mit englischem Summary.
Online steht auch Матеріали з археології, історії та етнографії Таврії [MAYET] (seit Jahrgang 15, 2009).

Für weitere siehe die Liste wissenschaftlicher Zeitschriften der Ukraine der Ukrainischen Nationalbibliothek

Immer mehr osteuropäische Zeitschriften bringen es offenbar fertig, ihre Hefte online zu stellen - vergleichbare deutsche archäologische Zeitschriften hinken da deutlich hinterher.

»Dorfarchäologie« oder »Dorfkernarchäologie«?

»Dorfarchäologie« oder »Dorfkernarchäologie«? fragen Bernd Päffgen und Franz Schopper in einem Artikel in Archäologie in Deutschland. "Der immer wieder zu lesende Begriff »Dorfkernarchäologie« ist unpassend" finden sie. Ihre Begründung ist auf den ersten Blick einleuchtend: der Begriff ist zunächst ein Pendent zum Begriff der "Stadtkernarchäologie",  von dem man abgekommen ist, da er die städtische Infrastruktur vor den mittelalterlichen Stadtmauern ausgeklammert hat. Außerdem ist es tatsächlich schwer, den mittelalterlichen Dorfkern festzulegen, da es laufend zu Umstrukturierungen gekommen ist.

Dorfkernarchäologie in Stubersheim (Gde. Amstetten UL). Eingebettet in ein größeres landschaftsarchäologisches Projekt kommt den Ortskernen besondere Bedeutung zu. Während an den Ortsrändern von Stubersheim (hier Blick von Norden) jeweils frühmittelalterliche Siedlungsstellen nachgewiesen werden können, fehlen trotz mehrerer Aufschlüsse im Dorfkern merowingerzeitliche Funde. Stattdessen zeigt sich dort eine Burganlage und eine zweite Kirche. Zudem liegen die späten Dorfkerne auf der verkarsteten  Stubersheimer Alb in einer anderen Relation zu den spärlichen Grundwasserleitern als die Siedlungen des frühen und hohen Mittelalters. Der heutige Dorfkern ist daher besonders wichtig beim Verständnis der regionalen Siedlungsentwicklung. In Ergänzung zur weit gefassten Landschaftsarchäologie ist eine Dorfkernarchäologie dringend notwendig.
(Foto: R. Schreg)
Umgekehrt begründen sie den Begriff der "Dorfarchäologie" damit, dass 95% der Bevölkerung auf dem Lande ansässig gewesen sei. Wolle man die Lebensrealität in ihren unterschiedlichen Ausprägungen erforschen, dann müsse der Dorfarchäologie ein entsprechend breiterer Raum zugemessen werden.

So weit so gut. Zwei Einwände sind aus meiner Sicht anzubringen:

Montag, 25. Juli 2011

Nachrichten aus der Archäologie

News-Quellen aus dem Bereich Archäologie

deutsch:
Informationsdienst Wissenschaft (idw)
Archäologie online: Nachrichten
Archäologie in Deutschland: Nachrichten
archaeologienews.wordpress.com (Guido Nockemann)

englisch:
Archaeology Daily News (USA)
Archaeology (Zeitschrift des Archaeological Institute of America)
Archaeology News (auf topix)
ArchNews. Digging up Archaeology News (verbunden mit Heritage Daily)
Current Archaeology (populäre archäologische Zeitschrift in UK mit News feature)
Heritage Daily  (UK)
Archaeology News Network
ArchNews · Archaeology News Weekly - eine herkömmliche E-Mail-Liste bei Yahoo von Larry Orcutt

andere Sprachen:
Public Archaeology (spanisch)
Αρχαιολογία (griechisch)

- Nachträge nicht ausgeschlossen!


Archaeologik will da nicht mithalten. Das Augenmerk gilt weniger sensationellen Neufunden, sondern grundsätzlichen methodisch-theoretischen und wissenschaftspolitischen Aspekten der Archäologie. Nachrichten über Neufunde finden damit nicht automatisch Eingang hier im Blog, mögen sie auch sensationell scheinen. Ich nehme auf, was mir von meinen Forschungsinteressen her oder aus methodisch-theoretischen Gründen bemerkenswert scheint. Kurz: Archaeologik bringt (subjektiv) ausgewählte Notizen und (kritische) Beobachtungen aus den Feldern Archäologie und Denkmalpflege. Nicht immer möchte ich aber gleich ein Urteil wagen.

Sonntag, 24. Juli 2011

Faltblatt Raubgräber

Das Landesamt für Denkmalpflege in Baden-Württemberg stellt einen Flyer Raubgräber bereit. Er beinhaltet "Hinweise zum Verhalten und zur Beweissicherung beim Antreffen von Sondengängern und Raubgräbern" und schildert die rechtliche Situation in Baden-Württemberg. Leider beschränkt sich der Flyer auf die juristische Seite und versäumt es, die gesetzlichen Regelungen auch inhaltlich zu begründen.

Nachtrag
Siehe auch: Faltblatt Raubgräber des LKA Hessen (pdf)

Samstag, 23. Juli 2011

Ein Pinkelstreifen links vor der Haustür - Phosphatanalysen an einem Hausgrundriß des 8. Jahrhunderts

Schalkstetten. Beprobung für Phosphatanalysen
(Foto: R. Schreg)
Phosphatanalysen an einem frühmittelalterlichen Hausgrundriss aus Schalkstetten (Gde. Amstetten UL) zeigen verschiedene Aktivitätszonen, wie sie ähnlich an frühmittelalterlichen Gebäuden in Nord- und Süddeutschland schon festgestellt wurden. 2005 war am Ortsrand von Stubersheim der Grundriß eines Pfostenbaus freigelegt und beprobt worden. Nach den Keramikfunden datiert das Haus ins 8. Jahrhundert. Nun liegen die am Curt-Engelhorn Zentrum für Archäometrie durchgeführten Phosphatanalysen publiziert vor (Archäologisches Korrespondenzblatt 41/2, 2011 - online bei academia.edu).




Phosphatkonzentrationen im Boden entstehen durch Exkremente, Kadaver oder beispielsweise auch Bratenfett. Da Phosphat im Boden recht stabil bleibt, können so Misthaufen, Stallteile, Abtritte aber auch Kochstellen lokalisiert werden.
(Graphik: R. Schreg)


Die Phosphateinträge im Stallteil, an der Feuerstelle sowie unter dem Dachvorsprung an der Südwestecke des Hauses entsprechen dem gängigen Muster. Gerade die Konzentration an der Südwestecke ist auffallend, da sich ein ähnliches Bild bei Phosphatanalysen an kaiserzeitlichen und frühmittelalterlichen (und z.T. auch neolithischen) Häusern immer wieder zeigt. Drei Erklärungsmöglichkeiten bieten sich an:
  • Zufall. Die Zahl der Untersuchungen ist noch zu gering, Überlagerungen von unterschiedlich alten Hauszonen sind nicht immer auszuchließen.
  • Faulheit. Die Stelle an der Südwestecke ist nahe der Haustür und so könnte sich hier tatsächlich ein "Pinkelstreifen" abzeichnen.
  • Absicht - Möglicherweise zeichnen sich in den erhöhten Phosphateinträgen aber auch besondere Aktivitäten ab. Nach ethnographischen Analogien könnte Schwefelgewinnung eine Rolle spielen; grundsätzlich ist aber auch zu fragen, wie das Abfall- und Fäkalienmanagement in einer ländlichen Siedlung ausgesehen hat. Die in den Städten üblichen Latrinen fehlen, der Dung war wertvoll, aber der Scherbenschleier (die flächige Verteilung von Keramikscherben auf den Ackerflächen) setzt in vielen Regionen erst im Spätmittelalter ein.
Das Phosphat könnte also auch einen Indikator für die Stoffkreisläufe innerhalb einer Siedlung darstellen. Daran knüpfen sich Überlegungen zum »Dorfökosystem« des Mittelalters und es ergeben sich neue Fragen zur Wirtschaftsweise und insbesondere zu den Dung- und Landnutzungsstrategien.

Literaturhinweis
  • Rainer Schreg / Sonja Behrendt: Phosphatanalysen in einem frühmittelalterlichen Haus in Schalkstetten (Gde. Amstetten, Alb-Donau-Kreis). Arch. Korrbl. 41/2, 2011, 263-272 (online).
  • Rainer Schreg: Die mittelalterliche Siedlungslandschaft um Geislingen – eine umwelthistorische Perspektive. In: H. Gruber (Hrsg.), "in oppido Giselingen..." 1108 - 2008. Acht Vorträge zum 900jährigen Jubiläum von Geislingen. Veröffentlichungen des Stadtarchivs Geislingen (Geislingen 2009) 9-97 (online).
  • R. Schreg, Grabungen in einer früh- bis hochmittelalterlichen Siedlung am Ortsrand von Schalkstetten (Gde. Amstetten, Alb-Donau-Kreis). Arch. Ausgr. Bad.-Württ., 2005, 181–183.
     

Rotlicht statt Wissenschaft - übereilter Medienrummel um die Mäanderhöhle

Die Presse überschlägt sich ob des Fundes unscheinbarer Ritzungen auf Tropfsteinen in der Mäander-Höhle bei Bamberg:
  • "Hoden- und Tittenhalle" (Deutschlandfunk - allerdings wird hier eine schon vor Jahren geprägte Bezeichnung aufgegriffen)
Michael Reiner (bei Abendzeitung Nürnberg und gekürzt bei kanal8) hat dabei die blühendsten Phantasien:
  • "Lustgrotte", "Sexhöhle", "Pornokino", "ein bisschen wie die legendäre Rotlicht-Bar 'Ritze' auf St. Pauli".
Die Medien scheinen den Beteiligten aus dem Ruder gelaufen zu sein. Mangels handfester Information müssen jetzt Sex-Phantasien herhalten. Bislang fehlen nämlich brauchbare Fotos, Skizzen oder nähere Beschreibungen, die eine genauere Vorstellung von der angeblich ersten Höhlenkunst in Deutschland geben sollen.
Ein Artikel der Zeit, die auch die Meldung am Donnerstag (21.7.) vorab gebracht hatte, deutet die Hintergrundgeschichte an: Die Fundstelle sollte zunächst geheim gehalten werden, da sie in Privatbesitz ist und bisher nur unzureichend gesichert ist. Die Sicherung des Höhlenzugangs ist aufwändig, da eine Einflugsmöglichkeit für Fledermäuse gewährleistet werden muss und der Landkreis bislang noch keine Genehmigung für den Auftrag an eine Spezialfirma erteilt hat.
Eine Veröffentlichung war erst für das kommende Frühjahr geplant, doch hat der Altmeister der Paläolithforschung Gerhard Bosinski, den man als Experten zugezogen hat, vorab eine Publikation lanciert. "Die Denkmalpfleger fühlen sich von dem Kölner Gelehrten übers Ohr gehauen."

"Für den Landeskonservator ist das bundesweite Echo kein Anlass zur Freude" schreibt beispielsweise die Nürnberger Zeitung und zitiert Sebastian Sommer: "Das ist alles andere als glücklich." Aufgrund von Gerüchten über den Fund war es bereits zu illegalen Raubgrabungen gekommen.

Der Begriff der ersten Höhlenkunst in Deutschland ist verwirrend. Er bezieht sich nur auf die künstlerische Gestaltung von Höhlenwänden durch Malerei oder eben Ritzungen - eiszeitliche Kunstobjekte sind aus den Höhlen der Schwäbischen Alb ja in großer Zahl bekannt. Darstellungen mit einem Hintergrund von Fruchtbarkeit und Sexualität sind bei den eiszeitlichen Jäger und Sammlern des Jungpaläolithikums keine Seltenheit. Auch der Venus vom Hohle Fels wurden pornographische Qualitäten nachgesagt. Aus den Zeitungsberichten erfahren wir aber mehr über die Vorstellungswelt der Gegenwart als über die Welt eiszeitlicher Menschen.
Die entdeckten Ritzungen sind aber jedenfalls etwas völlig anderes als die berühmten Höhlenmalereien Südwestfrankreichs. Auch handelt es sich nicht um die älteste Höhlenkunst. Auch in den Höhlen der Schwäbischen Alb, die vor allem durch die Funde kleinplastischer Figuren (und Musikinstrumente) bekannt geworden sind, liegen Hinweise auf eine Gestaltung der Höhlenwände durch Ritzung und Bemalung vor. Sensationell ist der Fund in Bayern trotzdem - sollte er sich nach einer sorgfältigen Dokumentation und Erforschung bestätigen (hier wird man an exakte Analysen der Tropfsteine mittels Isotopenanalysen zur Datierung wie zur Klimarekonstruktion [zum Prinzip der Spelaeothemforschung] sowie eine Laserscandokumentation der Ritzungen denken müssen). Denn auf den meist gemalten Felszeichnungen finden sich (im Unterschied zur Kleinplastik mit ihren Venusfiguren) bisher nur selten Menschen-Darstellungen. Die Datierung über den Sinter nach der Einschätzung von Bernhard Häck kann eigentlich nur eine grobe Einschätzung sein, die erst überprüft werden muss.


Literaturhinweis
  • Archäologisches Landesmuseum Baden-Württemberg, Abteilung Ältere Urgeschichte und Quartärökologie der Eberhard Karls Universität Tübingen (Hrsg.), Eiszeit. Kunst und Kultur. Begleitband zur Großen Landesausstellung Stuttgart 2009/10 (Stuttgart 2009).

Links
ein Kommentar bei Neandertal Museum 2.0

Freitag, 22. Juli 2011

Wüstenstädte im Negev und ihr Umland

Die antike Stadt Elusa/ Khalasa in der Negev-Wüste im Süden Israels ist bisher kaum erforscht. Luftbilder bei Google zeigen die Lage der Stadt und zahlreiche auffallende Geländedenkmäler im Umland.


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antike/ byzantinische Stadt Elusa

Elusa - Grundsicht
(Foto: Seth J. Frantzman [CC BY SA 3.0] via Wikimedia Commons)



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Befestigungen und Einhegungen westlich Elusa



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Befestigung nordwestlich Elusa


Ohne tiefergehende Kenntnisse der regionalen Archäologie ist mir die Bedeutung der Befunde im einzelnen nicht klar. Bei einigen der Anlagen ist aufgrund eindeutiger fortifikatorischer Elemente wie Bastionen, besonderen Toranlagen und Grabensysteme eine militärische Funktion zu erschließen, bei anderen möchte man aber eher an Einhegungen fürs Vieh denken.


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Geländemarken im Bergland nördlich Elusa, möglicherweise moderne militärische Stellungen

Donnerstag, 21. Juli 2011

Archaeolet

Unter dem Motto "Auch ohne Indiana Jones ist Archäologie spannend …" bloggen Haller Archäologie-Studenten für Archäologie-Interessierte und insbesondere für Studierende: Archaeolet

Dienstag, 19. Juli 2011

25 Jahre Historikerstreit

Einfahrt ins KZ Auschwitz
(Bundesarchiv, Bild 175-04413
[CC-BY-SA])
1986 entbrannte in den Medien ein Streit zwischen dem Historiker Ernst Nolte und dem Soziologen Jürgen Habermas - damals am Gymnasium auch Thema im Leistungskurs Geschichte. Im Kern ging es um die Bewertung des Holocaust. Habermas warf den Historikern um Nolte vor, dessen Einzigartigkeit zu bestreiten und eine deutsch-nationale Geschichte zu propagieren. Die Diskussion wurde sehr emotional und nicht nach wissenschaftlichen Standards in den Medien geführt.
Rückblickend war Noltes Standpunkt der eines Historikers, der lange Zeiträume im Blick hat und die Beurteilung und Bewertung eines Ereignisses im Vergleich mit anderen vornimmt.

Bis heute ist das Thema aktuell, wie etwa die Linkliste bei wikipedia zeigt.
Derzeit greifen die Medien das Thema zum 25jährigen Jubiläum wieder auf: die FAZ bringt im Feuilleton einen Beitrag des Historikers Egon Flaig aus Rostock.

Es könnte sich auch für die Archäologie lohnen, den Historikerstreit mal näher anzusehen: geht es doch um die Rolle des historischen Vergleichs und auch um die Besonderheiten in den Medien geführter wissenschaftlicher Diskurse (wie auch der Troja-Streit).

Montag, 18. Juli 2011

Gefängnisstrafe für den Ankauf von Raubgrabungsgut

(1873, Staatsarchiv Bern, nach Grütter 1985)
Bern, 7. Juni 1873: Im Rahmen der (1.) Juragewässerkorrektion - ein wichtiger Meilenstein für die Entwicklung der prähistorischen Archäologie - wurde von der Berner Regierung eine "Verordnung wider das Wegnehmen und Beschädigen alterthümlicher Fundsachen im Seeland" erlassen. Sie verbot das Aufsuchen oder Wegnehmen alterhümlicher Fundsachen und drohte "Zuwiderhandlungen gegen diese Vorschrift und die Begünstigung solcher Widerhandlungen, geschehen sie durch Ankauf der Gegenstände oder auf andere Weise" eine Buse von 20 bis 200 sFr oder "Gefängnis bis zu drei Tagen" an.






Literaturhinweis

  • Hans Grütter, Der Verleider in der bernischen Archäologie. Zur "Verordnung wider das Wegnehmen und Beschädigen alterthümlicher Fundsachen im Seeland" vom 7. Juni 1873, in: Rudolf Fellmann/Georg Germann/Karl Zimmermann (Hg.): Jagen und Sammeln. Festschrift für Hans-Georg Bandi zum 65. Geburtstag (Jahrbuch des Bernischen Historischen Museums 63/64 (1983/84)). Bern 1985, S. 157–160.

Sonntag, 17. Juli 2011

Hawass (wieder) zurückgetreten

Nigel J. Hetherington (Past Preservers) meldet auf facebook, Zahi Hawass sei zurück getreten. Die Seite drhawass.com war eben nicht zu erreichen.

Nachtrag 17.7.
Bericht Bikyamasr
und Informationen auf Portable Antiquity Collecting and Heritage Issues

Nachtrag 18.7.
Egyptology News Network bietet ein Video, das Ausschreitungen gegen Havass zeigt, nachdem dieser das Ministerium verlässt, nachdem er zuvor aus seinem Amt entlassen worden war.

Spiegel online

Schmuggler-Ring in den USA aufgeflogen

Archaeology News Network berichtet über den Erfolg der US-Behörden gegen einen Schmuggler-Ring, der in großen Umfang Antiken aus Ägypten illegal in den USA verkauft hat. Der Wert der sichergestellten Objekte wird auf 2,5 Millionen $ geschätzt. Nach Einschätzug von Zahi Havass, der an den Ermittlungen beteiligt ist (siehe auch sein Blog), hand

elt es sich um den größten und bezeichnendsten Fall der jüngeren Zeit. Ein Ermittler der Homeland Security bezeichnet den Fall als "breakthrough case" , der den Ermittlern die Augen geöfgnet hätte, da ihnen solch ein "for-profit network" im Antikenschmuggel noch nicht untergekommen sei.

In den Fall sind mehrere renommierte Antiken- und Münzhändler in New York involviert, deren Anwälte jede Schuld ihrer Klienten abstreiten.


Zum Fall auch mehrere Beiträge bei Looting Matters , Culture Grrl und Portable Antiquity Collecting and Heritage Issues.

Crescent Creek - präkolumbischer Silexabbau in Missouri

Crescent Creek westlich von St. Louis in Missouri (Foto R. Schreg)
Die Abbaustelle von Silex liegt in einem Hang, an dem mehrere Abgrabungen im Bereich der silexführenden Schichten festzustellen sind. Sehr unscheinbar, aber mit zahlreichem Silexschutt, der vielfach aus angeschlagenen Stücken besteht.
Die Abbaustelle ist bislang nicht genauer untersucht, liegt aber nahe des Siedlungszentrums von Cahokia am Mississippi.
Silexprobe (Foto R. Schreg)
Solche Fundstellen sind schwer zu erkennen und schwierig zu graben:
  • schwierig zu durchschauende Ablagerungsbedingungen und komplexe stratigraphische Verhältnisse
  • ggf. tiefe Schächte
  • ggf. lockerer Schutt
  • meist Lage in bewaldeten Arealen
  • tonnenweise unansehnliche [aber keineswegs zu negierende] Silexabschläge.

Freitag, 15. Juli 2011

Risiken für AKWs am Rhein: neue Bewertungen auf historischer Grundlage?

Im Hydrological Sciences Journal wurde eben eine Studie von Oliver Wetter, Christian Pfizer u.a. publiziert, die die historischen Daten von Hochwässern am Rhein bei Basel seit 1268 zusammen gestellt hat. Während der instrumentellen Aufzeichnungen, die bisher die Grundlage von Risikoeinschätzungen darstellen, kam es zwischen 1877 und 1993 zu einer "Katastrophenlücke", in der die bis dahin üblichen Extremereignisse ausgeblieben sind. Eine Sommerflut 1480 übertrifft dabei das bislang bekannte Extrem von 1852 bei weitem.
Dazu auch die Pressemeldung bei idw.


Nach Angaben von O. Wetter wurde die als Grundlagenforschung konzipierte Studie inzwischen "für die Hochwassersicherheitsüberprüfung der AKWs Beznau und Leibstadt im Auftrag des Eidgenössischen Nuklearsicherheitsinspektorats (ENSI) verwendet". Eigentlich hätte man erwarten sollen, dass solche Daten schon in der Planungsphase erhoben worden sind.

Atomkraftwerk Leibstadt an der deutsch-schweizerischen Grenze direkt am Rhein und im erdbebengefährdeten Gebiet um Basel. Das Kraftwerk bleibt auch bei dem Schweizer Atomausstieg bis 2035 in Betrieb
(Foto: 'Nawi112' [CC BY-SA 3.0])




Historische Risikoabschätzung
Den Umweltwissenschaften und mehr noch der gesellschaftlichen Diskussion fehlt es tatsächlich häufig an einem historischen Bewusstsein: Risikoabschätzungen beruhen daher oft auf einem sehr kurzen Erfahrungshorizont und lassen historische, oft aber gar nicht so weit zurück liegende Ereignisse außer Acht. Die Aussagen deutscher Politiker nach der Katastrophe von Fukushima, Tsunamis und solch schweren Erdbeben gäbe es in Deutschland nicht, hält der historischen Prüfung möglicherweise nicht stand. Spiegel online hat für einen Artikel neuere geologische und archäologische Forschungen zum Erdbebenrisiko aufgegriffen.

Neuere Forschungen zeigen in der Tat, dass die Betrachtung längerer Zeiträume unerlässlich ist, um Risiken von Erdbeben und Überschwemmungen richtig einzuschätzen. Dabei ist von der Wissenschaft nicht zu erwarten, dass sie hier und jetzt gültige Ergebnisse vorlegt. Gerade die Erschließung von Daten und mehr noch die Rekonstruktion früherer Umweltereignisse ist außerordentlich schwierig und steckt noch weitgehend in den Anfängen. Viele Daten können erst über eine konsequente und kontinuierliche Bodendenkmalpflege erfasst und dokumentiert werden.


Überschwemmungsrisiko
Die neue Arbeit über die Hochwässer am Rhein bei Basel verweist auf die bislang kaum beachteten Extremhochwässer in Mitteleuropa. Dabei ist aber das Hochwasser von 1480 noch bei weitem nicht der Extremfall. Weiter im Norden, am Neckar, im Einzugsgebiet des Main und in Mitteldeutschland ist ein Extremhochwasser im Jahre 1342 zu belegen, das mit seinen Wasserständen - zu einer Zeit als noch keine Eindämmungen existierten - alle jüngeren Überflutungen bei weitem übertraf. Es spricht vieles dafür, dass diese Unwetterfront des Juli 1342 enorme Schäden in der Landwirtschaft angerichtet hat und zur Aufgabe zahlreicher Siedlungen gezwungen hat. Archäologisch lassen sich mehrere Meter tiefe Erosionsfurchen nachweisen, die wohl auf dieses eine Ereignis zurück gehen.
Neben dieses Überflutungsrisiko im Binnenland treten - von den schon lange bekannten Sturmfluten abgesehen - möglicherweise doch auch Tsunamis an der Nordseeküste. Sie werden dort nicht von Erdbeben, sondern von Erdrutschungen unter Wasser ausgelöst. Ein solches Ereignis stellt die Storegga-Rutschung vor der norwegischen Küste vor etwa 7300 Jahren dar. Sie löste einen Tsunami aus, der die norwegische und die britische Küste sowie die Shetlands betraf. Inwieweit er auch an der südlichen Nordseeküste Auswirkungen hatte, bleibt noch unklar.


Erdbebenrisiko
Schon 2009 hat sich eine andere Studie mit dem Basler Erdbeben von 1356 auseinandergesetzt. Schadensdokumentationen in Basel, beruhend auf der Analyse noch stehender Bauten, archäologischer Grabungen und schriftlicher Quellen gibt einen Eindruck von der Intensität des damaligen Bebens, das bis heute das stärkste in Mitteleuropa nachgewiesene ist. Eine Kartierung archäologischer wie historischer Daten zeigt, dass es im Westen noch in fast 300 km Entfernung Schäden hervorrief. Im Norden sind Schäden aus Straßburg bekannt, gespürt wurde es auch noch in Speyer.
Die Schweizerischen AKWs, die mitten im damaligen Schadensgebiet stehen, sind angeblich auf das Basler Erdbeben als Maximalrisiko ausgelegt (siehe Bericht Spiegel online v. 15.3.2011). Inzwischen erhärtet sich zunehmend der lange gehegte Verdacht, dass auch die römische Stadt Augusta Raurica durch ein schweres Erdbeben zerstört worden war. In die Mitte des 3. Jahrhunderts sind zahlreiche Mauerverstürze, aber auch unbegrabene menschliche Skelettreste zu datieren. Intensität und regionale Auswirkungen dieses Bebens müssten dringend näher erfasst werden. Der Verdacht, dass auch ein römisches Gebäude im Raum Rottweil im 3. Jahrhundert einem Erdbeben zum Opfer gefallen ist, scheint sich hingegen nicht zu bestätigen.
Archäologische Erdbebenforschung hat seit den 1990er Jahren einen enormen Aufschwung genommen.

Diese praktische Anwendung historischer und insbesondere archäologischer Daten spielt bisher eine sehr untergeordnete Rolle, scheint aber für Planungen moderner Projekte - nicht nur von AKWs - eine unverzichtbare Datenbasis. Forschung und Denkmalpflege erwächst hier eine Aufgabe im Sinne einer "applied archaeology".

Literaturhinweise
  • D. Fäh/M. Gisler/B. Jaggi u. a., The 1356 Basel earthquake: an interdisciplinary revision. Geophysical Journal International 178, 1, 2009, 351–374.D. Fäh, Zur Frage eines Erdbebens in Augusta Raurica im 3. Jahrhundert n. Chr. aus seismologischer Sicht. Jahresber. aus Augst und Kaiseraugst 30, 2009, 291–305.
  • G. Hoffmann/K. Reicherter, Soft-sediment deformation of Late Pleistocene sediments along the southwestern coast of the Baltic Sea (NE Germany). International Journal of Earth Sciences, online first, 2011, (1-13).
  • S. Stiros/R. E. Jones (Hrsg.), Archaeoseismology. A joint publication by IGME - Institute of Geology & Mineral Exploration. Fitch Laboratory occasional paper 7 (Athens 1996).
  • O. Wetter/C. Pfister/R. Weingartner u. a., The largest floods in the High Rhine basin since 1268 assessed from documentary and instrumental evidence. Hydrological Sciences Journal. Hydrological Sciences Journal 56, 5, 2011, 733–758.
  • M. Dotterweich/H.-R. Bork, Jahrtausendflut 1342. Arch. Deutschland, 4, 2007, 38–40.
     
Links
zu den Erdbebenforschungen in Augst
Submarine Hangrutschungen: eine (unterschätzte) Naturgefahr?

Montag, 11. Juli 2011

Tribur.de: Illegale Grabung und die Presse spielt Helferlein

Markus Zwittmeier auf seinem Blog Tribur.de kommentiert treffend eine Provinz-Posse in Hildesheim, bei der Journalisten persönlich an Raubgrabungen teilnehmen, und diese mal wieder bagatellisieren.

Der Stein des Anstosses bei Hildesheim.tv

Samstag, 9. Juli 2011

Keramik aus Südwestdeutschland - eine Vergleichssammlung im Netz

Übungssammlung Keramik der Tübinger Archäologie des Mittelalters


Zahlreiche fundortlose Scherben der Sammlung Kley und nicht exakt zuweisbarer Ausschuß des damaligen Landesdenkmalamtes Tübingen dienten als Grundstock einer Keramik-Vergleichssammlung, die bei der Tübinger Archäologie des Mittelalters aufgebaut wurde. Sören Frommer hat im Wintersemester 2008/9 die Sammlung im Rahmen einer Lehrveranstaltung geordnet und teilweise auch über das Internet zugänglich gemacht. Die Einzelne Scherben sind im Foto greifbar und vermitteln eine genauere Vorstellung von den verschiedenen Warenarten.
Obwohl die Sammlung im Internet unvollständig ist und die Beschreibungen nicht immer ganz präzise sind, bildet die Seite eine willkommene Ergänzung meiner nun schon etwas älteren Einführung in die Keramik aus Südwestdeutschland, die nur Schwarz-Weiß-Strichgraphiken enthält.
 
Die Original-Sammlung ist für Tübinger Studierende zugänglich.

Literaturhinweis
  • R. Schreg, Keramik aus Südwestdeutschland. Eine Hilfe zur Beschreibung, Bestimmung und Datierung archäologischer Funde vom Neolithikum bis zur Neuzeit. Lehr- und Arbeitsmaterialien zur Archäologie des Mittelalters 1 (Tübingen 1998) 
Interner Link (Nachtrag):

Freitag, 8. Juli 2011

Archäologie und Gesellschaft - der Fall Machu Picchu

Die heutigen Feierlichkeiten um die Entdeckung von Machu Picchu vor 100 Jahren zeigen einmal mehr die Bedeutung von Fundstellen für moderne Identitäten.
Machu Picchu von Norden (Foto Martin St-Amant - Wikipedia - CC-BY-SA-3.0)

  • Die Tagesschau des Schweizer Fernsehen geht auf die unausgewogenen Profite des Tourismus-Geschäftes ein, von denen die lokale Bevölkerung wenig hat.
  • Spiegel online verweist kritisch auf die schillernde Gestalt des Abenteurers Hieram Bingham, der seine Funde außer Landes gebracht hat. Erst 2010 wurde eine Rückgabe vereinbart.

Bingham wird jetzt gefeiert - 1915 musste er aus Peru flüchten, nachdem ihm vorgeworfen wurde, Schätze illegal außer Landes gebracht zu haben. Überhaupt ist Bingham nicht gerade durch Wissenschaftlichkeit in Erscheinung getreten.

Literaturhinweis
  • B. Riese, Machu Picchu. Die geheimnisvolle Stadt der Inka. C. H. Beck Wissen (München 2004).

Grabungsblog Veitsberg


Ausgrabungen am Veitsberg - Grabungsblog der Untersuchungen auf einer frühmittelalterlichen Befestigung bei Neustadt an der Saale in Kooperation zwischen BLfD, Universität Jena und RGZM
Veitsberg, Grabung 2010 - Bild: Ausgrabungen am Veitsberg

Mittwoch, 6. Juli 2011

Peru fordert Textilien aus Schweden zurück

Peru fordert präkolumbische Textilien aus Schweden zurück, die im Museum of World Culture in Gothenburg liegen. Die Funde wurden um 1930 illegal außer Landes gebracht. Vor gut einem Jahr wurden bereits Textilfunde aus Schweden an Peru zurück gegeben.
Bericht bei The Archaeology News Network

Schatz in Furness - und wieder keine Angabe zum Kontext

BBC News meldet den Fund eines wikingerzeitlichen Schatzes in Furness/Nordengland. Wurde der nun bewusst in einer Siedlung, vielleicht hinter einem Haus vergraben, an einer Kirche, in einem Grab? Der Sondengänger hat's ausgebuddelt und nobody knows... (steht jedenfalls nach der Pressemeldung zu befürchten).

- Schon bemerkenswert: Jede Menge neuer Schatzfunde dank Sondengänger in England, aber fast nie eine Klärung der Frage, wie und wo diese eigentlich niedergelegt worden sind. Wie also sind diese Schätze insgesamt zu verstehen? Händlerhorte? Verstecke bei drohenden Wikingereinfällen? Heidnische Grabbeigabe? Statt dessen erfährt man, der Schatz sei mehrere Zehntausend Pfund wert. Das ist doch Unsinn. Das ist entweder der Materialpreis oder ein höchst spekulativer Sammlerwert. So ein Wert interessiert nur den, der auf "Finderlohn" (bzw. Zerstörungsprämie) hofft. Der historische Wert als Quelle für die Wirtschafts- und Sozialgeschichte der Wikingerzeit und für die Ortsgeschichte von Furness wurde beim Ausbuddeln vom Sondengänger weitgehend vernichtet. Das Museum will die Detektoristen für die Zerstörung jetzt auch noch belohnen, indem sie den Schatz ankauft...
Vorbildliche Regelungen also in England beim Umgang mit Sondengängern? Wohl eher ganz und gar nicht!

Dienstag, 5. Juli 2011

Neue Methoden der archäologischen Keramikforschung

Neben der puren Typologie archäologischer Keramikfunde spielen naturwissenschaftliche Analysen seit langem eine wichtige Rolle in der Keramikforschung. Die Möglichkeiten nehmen zu. Drei Beispiele neuer Methoden aus jüngerer Zeit:

Sonntag, 3. Juli 2011

120 Jahre lebendige Mittelalterarchäologie in Tübingen

Die gemeinsamen runden Geburtstage von Prof. J. Staecker und Prof. B. Scholkmann führen "in Professorialunion gerechnet" zu dem bemerkenswerten Jubiläum. Am Freitag wurde aus diesem Anlaß eine Festschrift beim Jahrestreffen des Vereins zur Förderung der Archäologie des Mittelalters Schloß Hohentübingen präsentiert. Glücklicherweise haben die Herausgeber auf die Korrektur von gravierenden handwerklichen Fehlern sowie bewussten und vorsätzlichen Täuschungen verzichtet und sogar Plagiate durchgehen lassen.
In ihrer Bedeutung verkannt, da die Forschung von Alamannen statt von Ale-Mannen sprach: Die als Kirche missverstandene Barbarbar Brentia.


Aus dem Inhalt:
  • Opener - Ein Haushaltsgegenstand in überraschendem Kontext (H. Belecki)
  • Der fast kopflose Graf. Eine formationsgeschichtliche Erfahrung der tertiären Art (S. Frommer)
  • Zur materiellen Kultur materieller Kulturen. Das Mittelalter im Spiegel der Wegwerfgesellschaft (J. Widmaier)
  • Geliehener Weltruhm: Die Ingolstädter Senfgruben und die "Münchner Biergartenkultur" (G. Riedel)
  • Die Kloake in Mittelalter und früher Neuzeit. Zwei neue Befunde aus Süddeutschland (O. Goldstein)
  • Zur Funktion der Lochsteine. Eine Neuinterpretation am Beispiel der Propstei 'tom Roden' (S. Herzig)
  • Zwischen Schloss und Tor in Zwickau (A. Zeischka-Kenzler)
  • Zur Erforschung der Hüpfburg in Südwestdeutschland (D. Sieber)
  • Fluchtburg oder Zuchtburg? Zu den mittelalterlichen Erziehungsmethoden im südlichen Rheinland-Pfalz (H. Pantermehl)
  • 2001-143-240-3. Ein von der Forschung zu Recht vergessenes Fundstück aus Reutlingen zur Geschichte der Suche nach dem Heiligen Gral (M. Wolf)
  • "Schwäbisches Weible" und "Fränkische Mann". Zu einer Hochzeit im südwestdeutschen Fachwerk und ihren Folgen (T. Marstaller)
  • Echt Schwäbisch! Neue Erkenntnisse zur Herkunft des Homo oeconomicus (A. Scholz)
  • Alemannen und Normannen. Probleme und Paradigmen der Forschung (R. Schreg)
  • Die Bebenhäuser Bücksteine. Entdeckung und Interpretationsmöglichkeiten einer neuen Fundgattung (Ch. Vossler)
  • Die Bücksteine aus Bebenhausen. Erschließung und Deutungsvielfalt einer neuen Fundgattung (S. Harding)
Die Festschrift ist als Sonderheft der Mitteilungen des Vereins erschienen und leider unverkäuflich (auf Spendenbasis kann gerne verhandelt werden).

Samstag, 2. Juli 2011

Sondagen und Scans in der Wüstung Würzbach

Eine Art Zwischenbilanz: der eben erschienene Beitrag in den Archäologischen Ausgrabungen in Baden-Württemberg 2010 über die jüngsten Untersuchungen in der Wüstung Oberwürzbach im Nordschwarzwald.
Profilschnitt in einem Tälchen beim Igelslocher Brunnen südlich unterhalb des Wirtschaftslandes der Wüstung Oberwürzbach (Zeichnung: J. Pittori/ R. Schreg)


Der Artikel berichtet über Sondagen in den vergangenen Jahren an verschiedenen Altflurrelikten, vor allem aber über einen geoarchäologischen Schnitt in einem Tälchen unterhalb der Wirtschaftsflächen der Siedlung. Dazu liegen allerdings noch keine 14C-Daten vor, so dass eine abschließende Bewertung der erfassten Sedimente noch schwierig ist.

Insgesamt präzisiert sich das Bild der mittelalterlichen Siedlung, die sich zunehmend als geeignete Fallstudie erweist, exemplarisch das Wirtschaftsland eines mittelalterlichen Dorfes zu rekonstruieren. Als problematisch erweist sich jedoch nach wie vor die Planaufnahme der sich auf rund 5km² ausdehnenden Wüstung. Airborne Laserscan-Daten lieferten leider nicht die erhofften Ergebnisse, da wesentliche Teile der Wüstung heute mit dichtem Nadelwald bestanden sind.
Schon im Sommersemester 2007 wurden an der FH in Mainz im Rahmen der Diplomarbeit von Sven Emig und Dennis Rasel grundlegende Vermessungsarbeiten in der Wüstung Würzbach durchgeführt.
Ein Kurzbericht findet sich online.

Exemplarisch wurde der hofnahe Bereich einer Hufe der spätmittelalterlichen Siedlung vermessen - zudem ein Teil der Blockwallfluren am Igelslocher Brunnen mit terrestrischem Laserscan erfasst. Bislang ist das aber nur ein kleiner Teil der mehr als 20 Höfe samt ihrem Wirtschaftsland umfassenden Wüstung.

Literaturhinweis
  • Rainer Schreg, Jasmin Pittori, Markus Dotterweich, Kirsten Eppler: Geoarchäologische Untersuchungen im Umfeld der Wüstung Oberwürzbach im Schwarzwald – ein Beitrag zur Landnutzungsgeschichte. Arch. Ausgr. Bad.-Württ. 2010, 228-230.

siehe auch Geoarchäologie bei Würzbach

Freitag, 1. Juli 2011

Petition von Sondengängern in Frankreich

Zur Zeit trommeln Sondengänger in Frankreich im Netz für eine Petition gegen das Verbot von Metalldetektoren, wie es etwa von "Halte au Pillage" angestrebt wird.
Siehe den franz. Blog über Gürtelschnallen, der viele Gürtelschnallen von der Römerzeit bis in die Neuzeit zeigt - auffallenderweise ohne Fundortangaben.
Interessant die Argumentation: Sondengänger tragen zum Umweltschutz bei, da sie Müll beseitigen.